13. Oktober 2022

Inklusion

Traumjob im Hotel

Im inklusiven "Bethel Hotel zum Weinberg" in Bad Neuenahr-Ahrweiler nehmen Mitarbeitende mit Beeinträchtigungen rund 40 Prozent der Arbeitsplätze ein. Der 41-jährige Daniel Ibs ist einer von ihnen. Er arbeitet an der Rezeption des Drei-Sterne-Hauses und hat dort seinen Traumjob gefunden.    

  • Die Rezeption wurde für Daniel Ibs barrierefrei errichtet.
  • Mitarbeiter Daniel Ibs im Rollstuhl vor der Rezeption im Bethel Hotel zum Weinberg.
  • Flaggen wehen vor dem Bethel Hotel zum Weinberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Normalerweise nimmt er den Hörer schnell ab, doch jetzt lässt Daniel Ibs das Telefon klingeln. Vor ihm stehen schließlich zwei soeben angereiste Gäste, und die haben Vorrang. Sobald er ihnen die Karten für die Zimmer überreicht und sie mit allen wichtigen Informationen rund um ihren Aufenthalt versorgt hat, wird Daniel Ibs zurückrufen – sofern dann nicht schon die nächsten Besucher eintreffen. An der Rezeption des "Bethel Hotel zum Weinberg" kann es schon mal etwas stressig werden. Daniel Ibs beunruhigt das nicht. "Ich habe hier meinen Traumjob gefunden", sagt er.

Seit dem 1. Dezember 2021 ist der 41-Jährige in dem inklusiven Hotel in Bad Neuenahr-Ahrweiler tätig, er gehört der Gründungsmannschaft des im Februar 2022 eröffneten Hauses an. An der Rezeption begrüßt er Gäste, kümmert sich um Check-in und -out, heftet Meldescheine ab und bearbeitet am Telefon sowie am Computer Anfragen und Reservierungen. "Mir gefällt der Job richtig gut, weil er vielfältig ist und ich in Kontakt mit Menschen bin", sagt er. "Das passt zu mir, weil ich ein kommunikativer Typ bin."

Ministerpräsidentin Malu Dreyer spricht beim Besuch im Bethel Hotel zum Weinberg mit Daniel Ibs.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer spricht beim Besuch im Bethel Hotel zum Weinberg mit Daniel Ibs.

Im Team aufgehoben

Auch der kurze Weg mit dem Auto von seiner Wohnung im Ortsteil Bachem zum Hotel und zurück ist für Daniel Ibs ein Argument pro neue Arbeitsstelle. "Vorher habe ich in Bonn gearbeitet", erzählt er, "da hatte ich wegen der Autofahrten oft Bauchschmerzen: Gibt es Stau, komme ich pünktlich an? Seit ich hier tätig bin, bin ich ruhiger und gelassener."

Zufrieden ist der gelernte Bürokaufmann mit seiner neuen Stelle auch, weil er sich im Team gut aufgehoben fühlt. "Ich habe nette, hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen und werde akzeptiert", berichtet Daniel Ibs. "Und wenn ich eine Frage habe, kann ich mich an alle wenden."

Das ist für ihn von zentraler Bedeutung, weil er häufiger auf Unterstützung angewiesen ist als andere. Daniel Ibs sitzt aufgrund schwerer körperlicher Beeinträchtigungen, mit denen er zur Welt kam, seit seiner Kindheit im Rollstuhl. Die Rezeption ist deshalb auf seine Bedürfnisse ausgerichtet. So wurden beispielsweise Rechner und Drucker umgestellt, um ihm einen problemlosen Zugriff zu ermöglichen.

Daniel Ibs überreicht einem Mann eine Karte.

Im Bethel Hotel zum Weinberg gehen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gut und kollegial miteinander um. Das gefällt Daniel Ibs.

Gelungene Inklusion

Daniel Ibs und sein Arbeitsplatz sind nur eines von vielen Beispielen dafür, wie Inklusion im barrierefreien "Bethel Hotel zum Weinberg" funktioniert. Mitarbeitende mit Beeinträchtigungen nehmen rund 40 Prozent der Arbeitsplätze in dem Drei-Sterne-Haus ein; für Gäste sind sechs der 72 Zimmer rollstuhlgerecht konzipiert und mit elektrischen Pflegebetten ausgestattet. Je drei weitere Zimmer sind für Menschen mit Sehbehinderungen und für Menschen mit Hörschädigungen vorgesehen und bieten assistive Technologien, etwa Lichtklingeln und visuellen Feueralarm. Zudem gibt es zwei Familienzimmer und ein Zimmer für Menschen mit Autismus.

"Hier gehen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gut und kollegial miteinander um", sagt Daniel Ibs. "Ich wünsche mir, dass es auch außerhalb des Hotels so ist. Und deshalb wäre es gut und wichtig, wenn es mehr inklusive Betriebe wie diesen und mehr inklusive Wohnangebote gäbe."

Text: Philip Kreutzer, Fotos: Christian Weische/Stiftung Bethel

Ihr/e Ansprechpartner/in
Verena Bretz
Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Weitere Informationen

Das Hotel ist...

inklusiv: Mindestens 40 Prozent der Mitarbeitenden sind Menschen mit Behinderungen. Es ist damit in der Region ein Angebot mit besonderem Profil.

gastfreundlich: Das Hotel-Team arbeitet gemeinsam dafür, dass sich alle Gäste wohlfühlen.

barrierefrei: In der Gestaltung des Hotels ist Barrierefreiheit der Leitgedanke - für die Gäste wie auch für die Mitarbeitenden.