Aktuelles
Fachtag Bahnhofsmissionen

Stimmen aus der Praxis

Welche Themen beschäftigen Mitarbeitende – Haupt- wie Ehrenamtliche – in den Bahnhofsmissionen in Nordrhein-Westfalen? Beim Fachtag „Mission Zukunft: Herausforderungen für die Bahnhofsmissionen“ tauschten sich die Teilnehmenden aus, berichteten von ihren Erfahrungen und formulierten ihre Forderungen. Drei Stimmen aus der Praxis:  

Ehrenamt
Bahnhofsmission Dortmund Karl Josef Laumann
Bei einer Tasse Kaffee aufwärmen: In Corona-Zeiten bricht für viele Wohnungslose ein Stück Alltag weg.
Ehrenamt aus Leidenschaft: Die Menschen, die sich bei den Bahnhofsmissionen engagieren, freuen sich, wenn sie anderen helfen können.

Die Bahnhofsmissionen in NRW haben vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) eine Förderung erhalten, mit der viele Ideen und Projekte für eine zukünftige Stärkung der Bahnhofsmissionen in NRW umgesetzt werden können bzw. konnten.

Beim Fachtag „Mission Zukunft: Herausforderungen für die Bahnhofsmissionen“ kamen nun Vertreter*innen des MAGS, die Leitungen und Mitarbeitende der Bahnhofsmissionen, die Träger der Bahnhofsmissionen und die beteiligten Hochschulen und Agenturen zusammen, um  die Projekte vorzustellen und gemeinsam mit dem MAGS über Perspektiven zu sprechen, wie das Land die Arbeit der Bahnhofsmissionen künftig begleiten kann.

Hier können Sie drei Stimmen vom Fachtag lesen.

Eine Frau mit Brille und Halstuch steht vor einer blauen Wand

Andrea Hillebrand, Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising Diakonisches Werk Bonn und Region

Positive Resonanz

Andrea Hillebrand, Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising Diakonisches Werk Bonn und Region:

„Der alltägliche Dienst in den Bahnhofsmissionen läuft gut, aber den immer sicherzustellen mit den wenigen Ressourcen, die da sind – das ist herausfordernd. Da gucken wir ständig, wie wir das stützen können. Mit den Projektmitteln hatten wir eine gute Gelegenheit, eine bessere Ausgangslage dafür zu schaffen. Dadurch waren wir außerdem im Gespräch mit so vielen verschiedenen Menschen und haben auch so viel positive Resonanz bekommen – das war toll.“

Ein Mann mit einem rot-karierten Hemd steht vor einer blauen Wand

Martin Lauscher, Leitungsteam Bahnhofsmission Essen

Gefühl von Wertschätzung

Martin Lauscher, Leitungsteam Bahnhofsmission Essen:

„Wir als Bahnhofsmissionen sind eine Art Seismograph der Gesellschaft. Das heißt aber auch, dass wir mit vielen Themen sehr früh in Kontakt kommen, und da müssen wir uns einfach sehr schnell und gut drauf einstellen. Ich stelle mir dabei vor allem die Frage: Wo kriegen wir die Menschen her, die das ehrenamtlich leisten können? Dasselbe frage ich mich auch fürs Hauptamt. Wenn Ehrenamt nicht mehr da ist oder zumindest in Randzeiten nicht mehr da ist. Wo kriegen wir das Geld her, um Leute zu bezahlen, die genau dann da sind? 

Wir sind an der Frontlinie, und wir erleben jeden Tag, wie notwendig es ist, da zu sein, wenn Ämter und Behörden schon geschlossen sind.
Ein Großteil der Leute, die sich bei uns engagieren, macht das nach dem eigenen Job. Wenn wir irgendwann nicht mehr genug Geld haben, um das Hauptamt sicherzustellen, das auch nachmittags, abends und am Wochenende da ist, dann wird es auch diese Ehrenamtlichen nicht mehr geben. Und dann wird eine Versorgungslücke entstehen. Das bereitet mir Kopfzerbrechen.

Die Landesförderung hat uns ein Gefühl von Wertschätzung gegeben. Auch bis ins Ehrenamt hinein ist diese Botschaft angekommen: Wir interessieren uns für das, was Ihr tut und wir verbessern eure Arbeitsbedingungen. Nun bräuchte es noch eine langfristige Förderung.“

Eine Frau mit Brille steht vor einer blauen Wand

Elke Schubert-Buick, Trägervertreterin Bahnhofsmission Bielefeld

Große Anerkennung

Elke Schubert-Buick, Trägervertreterin Bahnhofsmission Bielefeld:

„Was die Bahnhofsmissionen wirklich sehr beschäftigt, ist zum einen die Vielschichtigkeit der Aufgaben und zum anderen die Menschen mit einem hohen Bedarf an Unterstützung, mit Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen. Dafür braucht es Ehrenamtliche, und die müssen ihrerseits von den Hauptamtlichen gestützt, koordiniert und geschult werden.

Was mich dabei besonders beschäftigt: Wie können wir die Arbeit auf Dauer so aufstellen, dass das Hauptamt sich mit inhaltlichen Fragen beschäftigen kann und nicht so viel mit der Finanzierung? Das ist manchmal eine paradoxe Situation, dass viel Energie ins Fundraising geht, obwohl diese Energie und diese Zeit für die inhaltliche Arbeit benötigt werden. 

Die Förderung empfinde ich als große Anerkennung. Sie zeigt, die Arbeit wird gesehen. Und wir sind dadurch mit unseren Fundraising-Ansätzen nochmal ein Stück weitergekommen. Vielleicht kommen wir dann auch mal zu einem Punkt, an dem das Fundraising unabhängiger von den Hauptamtlichen und den pädagogischen Mitarbeitenden wird.“
 

Text: Carolin Scholz, Fotos: Carolin Scholz, Katharina Kindsmüller, Bahnhofsmission Deutschland, Jana Hofmann

Ansprechperson

Verena Bretz
Referentin
Politik und Kommunikation
V.Bretzatdiakonie-rwl.de
Karen Sommer-Loeffen
Referentin
Krankenhaus und Gesundheit
K.Sommer-Loeffenatdiakonie-rwl.de

Kurztext

1894 öffnete die erste Bahnhofsmission in Berlin. Ihr Ziel: Junge Frauen vor Ausbeutung und erzwungener Prostitution zu beschützen. Heute sind die 104 Bahnhofsmissionen in ganz Deutschland zu einem festen Anlaufpunkt für alle Menschen geworden.