Weil jedes Kind gute Schulsachen verdient

Constanze Jestaedt-Fischer, Leiterin des Stadtteilladens, hat die Schultafel Flingern ins Leben gerufen.
Wichtige Entlastung für Familien
Tornister, Hefte, Collegeblöcke, Klebestifte, Lineale, Geodreiecke, Buntstifte, Kunstmappen, Zirkel, Wasserfarbkästen und noch vieles mehr: Am Montagmorgen standen im Stadtteilladen Flingern der Diakonie Düsseldorf eine halbe Tonne Schulmaterialien für finanziell benachteiligte Familien bereit. Der Andrang auf das Angebot war größer als erwartet.
"Eine unglaubliche Resonanz", sagt Constanze Jestaedt-Fischer, Leiterin des Stadtteilladens. "Mehr als 350 Kinder und ihre Familien sind jetzt mit Schulmaterial ausgestattet, für die das eine extrem wichtige Entlastung ist. Die Listen der Schulen mit Material, das die Eltern kaufen müssen, sind oft lang. Und wer dann vielleicht auch noch mehrere Kinder hat oder für die Einschulung eine Grundausstattung braucht, weiß oft nicht, wovon das alles bezahlt werden soll."
Marvin Schmidt, Referent im Geschäftsfeld Familie und junge Menschen bei der Diakonie RWL, ergänzt: "Schulmaterialien sind längst kein kleiner Posten mehr – die Preise steigen jedes Jahr weiter. Längst sprechen wir nicht mehr nur von Stiften und Radiergummis, sondern häufig auch von Kopfhörern oder Taschenrechnern. Für viele Familien wird es zunehmend zur Belastung, ihre Kinder zum Schuljahresbeginn mit dem Nötigsten auszustatten. Das betrifft nicht nur Familien im Leistungsbezug, sondern auch jene, die knapp über der Grenze liegen – oft alleinerziehend oder mit mehreren Kindern. Gerade deshalb braucht es verlässliche und gut organisierte Unterstützung bei der Beschaffung und Finanzierung von Schulmaterialien. Wichtig ist dabei: Der Zugang muss einfach sein – ohne Antrag, ohne Hürden, ohne Stigmatisierung."

Bei der Schultafel Flingern gibt es alles, was Schüler*innen für ein erfolgreiches Schuljahr brauchen, von Stiften über Geodreiecke bis hin zu Tornistern.
Zugang ohne Stigmatisierung und Scham
Genau diesen einfachen Zugang wollte der Stadtteilladen mit seinem Stadtteilpartner Commerz Real ermöglichen. Über Schulsozialarbeiter*innen und Kitas im Stadtteil wurden gezielt Familien angesprochen, die die Unterstützung gut gebrauchen können. Mit Gutscheinen, die wie Kirmes-Chips aussahen, konnten diese Familien den Stadtteilladen besuchen und das benötigte Schulmaterial abholen. So konnte auch die Scham, die oft bei der Übergabe von Materialien direkt in der Schule entsteht, umgangen werden, wie Marvin Schmidt erläutert: "Übergaben und Unterstützungen am Schulstandort bergen stets die Gefahr von Stigmatisierung und ist seitens der Kinder, Jugendlichen und Familien, häufig mit Scham und Würdeverlust verbunden. Projekte wie die Schultafel der Diakonie Düsseldorf, bei denen diese Hilfe ins Quartier ausgelagert wird und Eltern eigenständig mit ihrer Materialliste vor Ort "einkaufen", können diese Hürden überwinden. Wir benötigen genau solche praktischen, menschenfreundlichen Lösungen – und eine breite gesellschaftliche Anerkennung dafür, dass Bildungsgerechtigkeit auch bei Bleistiften beginnt."
Die Commerz Real stellte sämtliche Materialien und 100 Tornister zur Verfügung. 18 Mitarbeitende des Unternehmens halfen außerdem ehrenamtlich bei der Ausgabe mit. Weitere 37 Tornister kamen von der Firma fairparken, zehn weitere aus privaten Spenden.
"Jedes Kind sollte ordentliche Schulsachen haben", betont Henning Koch, Vorstandsvorsitzender der Commerz Real. "Mit unserem Engagement wollen wir einen kleinen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit leisten. Die Diakonie Düsseldorf verrichtet hier in Flingern sehr wichtige Arbeit, die wir als Stadtteilpartner gerne unterstützen".

Tornister stellen für viele Familien eine große finanzielle Belastung dar. Bei der Schultafel Flingern wurde Familien diese Sorge genommen.
Großer Ansturm – und Hoffnung auf das nächste Jahr
Dass der Bedarf groß ist, wusste Constanze Jestaedt-Fischer. Dass das Material dann aber so schnell ausgegeben war, hat sie doch überrascht. "Selbst eine halbe Tonne hat vorne und hinten nicht für alle gereicht", sagt sie. "Wir hätten noch viel mehr Familien versorgen können. Wir hoffen, im nächsten Jahr vielleicht eine ganze Tonne zum Ausgeben zu haben."
Daher ist Constanze Jestaedt-Fischer schon jetzt auf der Suche nach engagierten Partnern für das nächste Jahr – damit dann noch mehr Familien von dem Angebot profitieren und ihre Kinder gut ausgestattet ins neue Schuljahr starten können.
Text: Christoph Wand und Katharina Kindsmüller, Fotos: Diakonie Düsseldorf
Ansprechperson
diakonie-rwl.deKurztext
Die Schultafel ist ein Projekt der Diakonie Düsseldorf im Stadtteilladen Flingern. Dort wurden im Kooperation mit Commerz Real Schulmaterialien für finanziell benachteiligte Familien ausgegeben.

