Die Pflege-Zukunft von den Philippinen
"Wer sich nicht um ausländische Fachkräfte kümmert, der hat es nicht verstanden." Davon ist Kerstin Hensel, Geschäftsführerin der Diakonie im Kirchenkreis Vlotho, überzeugt.
Im vergangenen Herbst hat sie mit ihrem Team 28 junge Menschen von den Philippinen als Pflege-Auszubildende nach Deutschland geholt. Dort absolvieren sie nun die generalisierte Pflegeausbildung und arbeiten im Eduard-Kuhlo-Heim in Löhne und im Stift Eidingsen in Bad Oeynhausen.

"Wer sich nicht um ausländische Fachkräfte kümmert, der hat es nicht verstanden", sagt Kerstin Hensel, Geschäftsführerin der Diakonie im Kirchenkreis Vlotho.
Teamwork zur Begrüßung
Das Vorhaben war alles andere als einfach: Wie findet man Menschen, die in Deutschland die Pflege der Zukunft gestalten wollen und gleichzeitig bereit sind, dafür ihre Heimat zu verlassen?
Bereits ein Jahr vor der Ankunft der Auszubildenden erteilte Kerstin Hensel den Auftrag zur Rekrutierung und Vorbereitung der Auszubildenden an die Agentur TRUECARE, zeitgleich suchte das Team der Diakonie in Deutschland Mietwohnungen für die Auszubildenden und renovierte sie. Außerdem musste eine Schule gefunden werden, die für die Auszubildenden eine Satellitenschule in der Diakonie einrichtet und Gespräche mit den Behörden geführt werden. Kerstin Hensel war klar: "Alleine schaffe ich das nicht. Ich schaffe das nur, wenn alle mitmachen." Im Team der Diakonie Vlotho haben also alle mit angepackt, um den Auszubildenden einen guten Start in Deutschland zu ermöglichen.

Die philippinischen Auszubildenden im Unterricht.
Die Kolleg*innen der Beratungsstellen halfen dabei, den Migrationsprozess so glatt wie möglich zu gestalten, andere bauten die Ikea-Möbel in den Wohnungen auf, weitere organisierten Fahrräder für die Azubis und – als klar wurde, dass viele gar nicht Fahrrad fahren können – glatt auch noch einen Fahrradkurs. Kerstin Hensel sagt dazu: "Das Willkommen-Sein und Offen-Sein muss Kultur sein. Wir sind hier bereit, Menschen aufzunehmen."
Dennoch hatte der gesamte Prozess Höhen und Tiefen. Der Winter in Deutschland war für die sonnenverwöhnten Filipinos schwierig, der öffentliche Personennahverkehr nicht immer einfach, und natürlich vermissen alle ihre Familien zuhause.
Geholfen hat den Azubis neben den Ansprechpartnern bei der Diakonie auch die philippinische Community in Bad Oeynhausen und die philippinische Pfarrerin Joy de la Cruz, die monatlich einen internationalen Gottesdienst in Bad Oeynhausen feiert.

Auszubildender Eldrix hält die Hand von Frau Nolte, Bewohnerin des Eduard-Kuhlo-Heims in Löhne: "Das Gute an Pflege ist: Wir brauchen nicht immer Wörter, die Bewohner*innen spüren die Pflege."
Pflege mit Herz
Inzwischen sind die Auszubildenden Ivy, John, Eldrix und ihre 25 Kolleg*innen gut hier angekommen. Am Anfang war die Sprache, insbesondere die vielen Fachbegriffe, eine Herausforderung für sie. Das Lernen hält auch weiter an: "Wir lernen jeden Tag ein neues Wort", lacht Ivy, die auf den Philippinen bereits als Hebamme gearbeitet hat. Eldrix ergänzt: "Das Gute an Pflege ist: Wir brauchen nicht immer Wörter, die Bewohner*innen spüren die Pflege."
Dennoch arbeiten die Auszubildenden auf Hochtouren an ihren Deutschkenntnissen. Schließlich ist ihr Lernerfolg zum Ende der Ausbildung auch entscheidend dafür, ob ihnen ein fester Vertrag angeboten werden kann. Alle Auszubildenden kamen bereits mit Deutschkenntnissen auf B2-Niveau und vorherigen Erfahrungen in medizinischen Berufen nach Ostwestfalen. Die Schule fällt ihnen daher leicht, berichten sie, aber das deutsche Pflegesystem sei anders: Auf den Philippinen werden ältere Menschen größtenteils von der Familie versorgt und Pflegekräfte sind lediglich für ihre medizinische Versorgung und Dokumentation zuständig.
Gestört hat die jungen Menschen das neue Aufgabenspektrum aber nicht. Stattdessen verbinden sie die Gedanken an ihre eigenen Familien mit den Senior*innen vor Ort: "Ich sehe meine Oma in den Senior*innen hier. Zuhause wohnen wir mit unseren Großeltern zusammen, deswegen haben wir alle ein Herz für Senior*innen", erzählt John. Ivy ergänzt: "Wenn sie übers Leben erzählen, werden wir auch emotional. Sie vermissen ihre Kinder, und wir vermissen unsere Familie, das verbindet uns."
Alle drei würden sich wieder für die Ausbildung entscheiden und sind sich einig: Wir sind jetzt viel selbstständiger! "Ich wäre heute nicht, wer ich jetzt bin, wenn ich nicht nach Deutschland gekommen wäre", sagt John.

Von Skepsis zur Begeisterung
Die Ausbilderin Olga Mann hat sich sehr auf die Ankunft ihrer Schützlinge gefreut, schnell hat sich dieser Enthusiasmus auch auf die Bewohner*innen der Pflegeheime übertragen: "Die Senior*innen waren am Anfang etwas skeptisch, haben dann aber schnell gemerkt: Die sind zum Helfen da. Und jetzt wollen sie, dass sie immer wieder kommen."
Seniorin Marlies Nolte schwärmt von den Azubis: "Das ist eine ganz tolle Truppe, die konnten auch schon Deutsch und sind so freundlich. Da kann ich nur den Hut vor ziehen."

Frau Nolte, Bewohnerin des Eduard-Kuhlo-Heims in Löhne, ist begeistert von Eldrix und seinen Kolleg*innen von den Philippinen.
Ein Projekt mit Zukunft
Für Geschäftsführerin Kerstin Hensel steht fest: "Das Ausprobieren war ein voller Erfolg. Wir haben Lust auf mehr, und wir werden das auch ausweiten."
Zwei neue Gruppen sind schon geplant, eine aus Myanmar und eine weitere von den Philippinen. Außerdem starten schon Überlegungen, wann die Auszubildenden ihre Familien dazuholen können, die Diakonie würde auch hier bei der Arbeitssuche der Partner*innen und der Migration behilflich sein.
Kerstin Hensel sieht die Diakonie in der Region in Verantwortung, neue Fachkräfte anzuwerben. Für sie ist klar, dass sie nicht nur für die eigenen Einrichtungen ausbildet, sondern auch andere Heimbetreiber oder ambulante Dienste in der Region von den dann voll ausgebildeten Pflegefachkräften profitieren werden.
Text und Fotos: Katharina Kindsmüller
Ansprechperson
diakonie-rwl.deKurztext
Ivy, John und Eldrix sind drei der 28 Auszubildenden von den Philippinen, die im Herbst 2024 für Ihre Pflege-Ausbildung beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Vlotho nach Deutschland kamen. Inzwischen sind sie zu einem unverzichtbaren Teil des Teams geworden.


