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Vielfalt in der Pflege

"Ich möchte Freude zu den Menschen bringen"

Sie sind hoch qualifiziert, haben sich aus ihren Heimatländern per Video in Erkrath beworben und sie sind nicht mehr wegzudenken aus der PflegeEinrichtung der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann: Geoffrey Shilongo, Yousra Litime und Tatiana Madzu Defo gehören zu den internationalen Pflegekräften im Haus Bavier in Erkrath. Warum Integration hier so gut klappt.

Gesundheit, Pflege und Alter
Geoffrey Shilongo, Yousra Litime und Tatiana Madzu Defo, internationale Pflegekräfte im Haus Bavier in Erkrath
Geoffrey Shilongo
Tatiana Madzu Defo
Yousra Litime

Geoffrey Shilongo möchte mit Menschen arbeiten. Davon träumt der heute 31-Jährige schon seit seiner Jugend. In seinem Heimatland Namibia hat er nach dem Abitur Human Ressources studiert – Personalwesen. Aber als er den Bachelor in der Tasche hatte, wurde ihm klar: In Namibia würde es keine Arbeitsstelle für ihn geben, in der er aufgehen könnte. Also beantragte er ein Visum für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland und arbeitete ein Jahr lang mit Kindern mit Behinderung in Stuttgart. "Danach wusste ich ganz klar: Ich möchte einen sozialen Beruf lernen“, sagt er. Er ging zurück nach Namibia, lernte per Internet unermüdlich Deutsch, legte die nötigen Sprachprüfungen ab und schickte dann eine Bewerbung zur Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann. 

Geoffrey Shilongo

Geoffrey Shilongo wusste nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Deutschland ganz klar, dass er einen sozialen Beruf lernen möchte und damit Freude zu den Menschen bringen möchte.

Bewerbungen per Video aus aller Welt

"Inzwischen kommen 96 Prozent aller Bewerbungen für eine Ausbildung zur Pflegefachkraft aus dem Ausland", erzählt Sylvia Menke-Hollenberg, bei der die Bewerbung schließlich auf dem Tisch lag. Menschen aus afrikanischen Ländern, aus Asien, Iran und dem europäischen Ausland bewerben sich bei der Diakonie. "Wir führen die Bewerbungsgespräche dann per Video", erzählt die Leiterin der Ambulanten Dienste, "und natürlich sind wir uns unserer Verantwortung bewusst. Denn, wenn die Bewerber dann zur Ausbildung nach Deutschland aufbrechen, verändert sich für sie alles." Geoffrey Shilongo bekam die Zusage, flog nach Düsseldorf und trat in diesem Jahr die generalisierte Ausbildung zur Pflegefachkraft an. "Es macht mir wirklich Spaß", sagt er. Und er sei hoch motiviert: "Ich möchte Freude zu den Menschen bringen", sagt er.

Von Informatik zur Pflege: Tatianas Weg

Dieses Gefühl kennt auch Tatiana Madzu Defo aus Kamerun, die in der gleichen Klasse der Pflegeschule sitzt wie ihr Kollege aus Namibia. Beide sind im ersten Ausbildungsjahr – mit Stationen in der Pflegeeinrichtung und im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann. Und beiden ist die Freude darüber ins Gesicht geschrieben. Die 26-Jährige hat in ihrem Heimatland das Abitur gemacht, Informatik studiert und dann entschieden, dass sie lieber einen sozialen Beruf ausüben möchte. Weil ihr Freund schon seit fünf Jahren in Deutschland lebte, schickte auch sie die Bewerbung nach Erkrath. "Vorher habe ich ganz viel Deutsch gelernt", erzählt sie. Inzwischen trägt auch sie Hemd und Hose der Pflegekräfte und ist mittendrin im Alltag im Haus Bavier. "Die Bewohner fragen viel", sagt sie und lacht. Die Menschen im Haus Bavier erkundigen sich nach ihren Haaren. Sie blicken gelegentlich während der Pflege auf die Hände der jungen Frau. "Ich erzählte dann von meiner Kultur", sagt Tatiana Madzu Defo, "und die Menschen erzählen aus ihrem Leben. Es ist eine Art Tausch." Das Interesse sei höflich, der Ton sehr freundlich. Diese Erfahrung macht auch Yousra Litime aus Marokko, die bereits im dritten Ausbildungsjahr im Haus arbeitet: "Man begegnet sich von Mensch zu Mensch", erzählt sie vom Alltag in der Altenpflege, "noch bevor ich eine Mitarbeiterin bin, bin ich doch ein Mensch."

Tatiana Madzu Defo

Wenn die Bewohner*innen des Haus Bavier ihr Fragen über ihre Heimat stellen, erzählt Tatiana Madzu Defo aus Kamerun von ihrer Kultur  und die Bewohner*innen erzählen ihr aus ihrem Leben. 

"Sie machen unseren Alltag hier vielfältiger"

Und auch Sylvia Menke-Hollenberg weiß um das große Interesse der Bewohner für die jungen internationalen Pflegerinnen und Pfleger. "Sie machen unseren Alltag hier vielfältiger. Sie bereichern uns sehr", sagt sie. Vorbehalten bei den Bewohnern sei sie bisher nicht begegnet. "Die Menschen, die jetzt in der Versorgung sind, kennen das Thema Fachkräftemangel", sagt die Leiterin der Ambulanten Dienste bei der Diakonie Düsseldorf-Mettmann. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei sehr angespannt. Weder Pflegeschüler noch ausgebildete Fachkräfte seien leicht zu finden. Die Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann hat deswegen eine Ausbildungsoffensive gestartet – mit vielen internationalen Pflegeschülern. "Die Ausbildungszahlen sind bei uns gestiegen", erklärt Sylvia Menke-Hollenberg. Die Bewohner jedenfalls wissen den Einsatz der jungen Pflegeschüler zu schätzen: Im Haus Bavier seien die Bewohner einfach dankbar, dass es Menschen gebe, die sich um sie kümmern, sagt Sylvia Menke-Hollenberg. Geoffrey Shilongo nickt. Das sei das allerschönste an seinem Beruf: Die Menschen würden ihm viel Dankbarkeit schenken.

Gut begleitet durch die Ausbildung

Die drei jungen Auszubildenden kommen allerdings gelegentlich auch an ihre Grenzen. "Die Schule ist schwierig", sagt Tatiana Madzu Defo. Seien zum Beispiel Themen rund um die Anatomie selbst für einheimische Pflegeschüler eine Herausforderung, kämen bei ihnen immer noch die sprachlichen Hürden hinzu. "Ich muss Zuhause viel lernen", sagt auch Geoffrey Shilongo. Allerdings würden sie große Unterstützung von ihren Kommilitonen und auch von ihren Lehrern bekommen. Auch in der Pflegeeinrichtung ist Ihnen – so wie allen anderen Auszubildenden – ein Praxisanleiter an die Seite gestellt worden. "In der ersten Woche sind wir mitgegangen, in der zweiten Woche haben wir schon selbst Verantwortung übernommen", erzählt Geoffrey Shilongo, "aber wir haben immer einen Ansprechpartner." Zwei Mitarbeitende hat die Diakonie im Kirchenkreis freigestellt, um als Praxisanleiter arbeiten zu können. "Wir wollen so gut anleiten, dass wir unsere Schüler am Ende übernehmen können", erklärt Sylvia Menke-Hollenberg. 

Geoffrey Shilongo, Yousra Litime und Tatiana Madzu Defo, internationale Pflegekräfte im Haus Bavier in Erkrath mit Sylvia Menke-Hollenberg

"Sie machen unseren Alltag hier vielfältiger. Sie bereichern uns sehr": Sylvia Menke-Hollenberg mit Yousra Litime, Geoffrey Shilongo und Tatiana Madzu Defo.

Die Auszubildenden wissen das zu schätzen. Persönliche Hürden, die sie im Pflegebereich zuweilen überspringen müssen, nehmen sie mit Rückenwind. "Nur manchmal, wenn viele Krankmeldungen auf einmal kommen und man einspringt, dann geht einem auch mal selber die Kraft aus", sagt Geoffrey Shilongo. Er bereut seine Entscheidung aber keinen Tag: "Ich habe mich für einen Beruf entschieden, in dem man fast nie arbeitslos ist und sehr gesucht wird", sagt er. Wenn der 31-Jährige an seine Zukunft denkt, dann würde er genau diesen Weg gerne weitergehen. "Vielleicht mache ich irgendwann Weiterbildungen und erreiche noch mehr", sagt er. Und auch Tatiana Madzu Defo möchte gerne in Deutschland bleiben, hier arbeiten und sich hier eine Zukunft aufbauen. "Aber jetzt möchte ich erstmal meine Ausbildung erfolgreich machen", sagt sie.

Yousra Litime

Yousra Litime steht schon kurz vor der Abschlussprüfungen und wird dem Haus Bavier auch danach erhalten bleiben: Ihr wurde ein Arbeitsvertrag angeboten.

Yousras Blick nach vorn

Yousra Litime steht unterdessen schon kurz vor der Abschlussprüfungen. Die Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann hat ihr einen Arbeitsvertrag angeboten – und die junge Frau hat zugesagt. Für 75 Prozent. Was sie in der übrigen Zeit macht? "Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich reisen", erzählt Yousra Litime. Mit ihrem Freund will sie nach den Prüfungen einen Urlaub in Portugal machen – bevor sie dann zurückkehrt ins Haus Bavier, das sich längst ein bisschen nach Zuhause anfühlt.

Text und Fotos: Theresa Demski

Ansprechperson

Katharina Kindsmüller
Referentin
Politik und Kommunikation
K.Kindsmuelleratdiakonie-rwl.de
Mira Brandt
Referentin
Pflege
M.Brandtatdiakonie-rwl.de

Kurztext

Geoffrey Shilongo, Yousra Litime und Tatiana Madzu Defo gehören zu den internationalen Pflegekräften im Haus Bavier in Erkrath. Inzwischen sind sie nicht mehr wegzudenken aus der Pflegeinrichtung der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann.