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Fachtag Pflege

Gute Versorgung sichern

Immer mehr Menschen brauchen Pflege. Gleichzeitig steigen die Kosten. Wie eine professionelle Versorgung dennoch gesichert werden kann, darum ging es beim Fachtag  des Evangelischen Verbands für Altenarbeit (EVA) des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL. 

Gesundheit, Pflege und Alter
Pflegekraft füllt Dokumentation aus

Der Fachtag des Evangelischen Verbands für Altenarbeit (EVA) des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL im Haus der Technik in Essen stand diesmal unter dem Motto „Politische Entwicklung der Pflegesektoren und der offenen Altenhilfe“. Heißt: Welchen Herausforderungen müssen sich die Bereiche stationäre, teilstätionäre und ambulante Pflege sowie die Gemeinwesenarbeit jetzt und künftig stellen? Wie steht es um die Zukunft der Pflege? Und warum ist die Versorgungssicherheit gefährdet?

Fachtag EVA in Essen mit Martina Althoff, Leitung Zentrum Pflege Diakonie RWL, Christian Landau, Stephan Graue, Michael Heine, Kerstin Schönlau, Sven-Eric Leichner, Dirk Raskopf, Marc Schué, Daniel Novotny, Geschäftsführer EVA

Beim Fachtag dabei waren (v.l.) Martina Althoff, Leitung Zentrum Pflege Diakonie RWL, die neu gewählten Vorstandsmitglieder Christian Landau, Stephan Graue, Michael Heine, Kerstin Schönlau, Sven-Eric Leichner, Dirk Raskopf und Marc Schué (Silke Beernink fehlt) sowie Daniel Novotny, Geschäftsführer EVA.

Fachkräfte fehlen

Entsprechend beschäftigte sich Anna Leonhardi, Mitglied im Vorstand „Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege e.V.“ (DEVAP), als Gastreferentin in ihrem Auftaktimpuls mit dem Thema „Pflegepolitik und Versorgungssicherheit”. Sie berichtete darin beispielsweise über den aktuellen politischen Stand der Arbeit der Bund-Länder-Kommission, stellte die Ergebnisse der DEVAP-Umfrage zur Versorgungssicherheit vor und äußerte sich zum Brandbrief vom 20. November 2025, den auch der EVA unterstützt hatte.

Die bundesweite DEVAP-Umfrage aus Herbst 2025 habe deutlich gemacht, dass die Versorgungssicherheit in der Langzeitpflege weiterhin akut gefährdet sei, berichtete Leonhardi. Eine Ursache dafür sei der Fachkräftemangel in der stationären Pflege: Von 322 Teilnehmenden mussten laut Umfrage 63 Prozent ihre Leistungen aus personellen Gründen einschränken. Außerdem habe die Umfrage gezeigt, dass viele Träger hohe Außenstände verzeichneten, etwa weil Sozialhilfeträger Anträge nicht fristgerecht bearbeiteten, was zu einer wirtschaftlichen Schieflage führen bzw. dazu beitragen könne. All das trage letztlich dazu bei, dass Pflegebedürftigen und deren Angehörigen keine Versorgungssicherheit mehr gegeben werden könne.

Darüber hinaus diskutierte Anna Leonhardi intensiv mit den Teilnehmenden über den Brandbrief zur Pflegreform, der auch vom EVA befürwortet wird.  In dem Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz und Vize-Kanzler Lars Klingbeil hatte der DEVAP unter anderem eine solide Finanzierung der Pflegeversicherung und mehr unternehmerische Freiheit für die Träger durch Deregulierung des Pflegesystems gefordert. 

In ihrem Impuls thematisierte die Pflege-Expertin aber auch solche Dinge, die ihr trotz aller Probleme Hoffnung für die Zukunft der Pflege in Deutschland machten. Gesetzliche Novellen wie etwa die kommende "Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege" (BEEP) seien ein wichtiger Schritt nach vorn, so Leonhardi. Auch die bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung bewertet sie positiv. Vor allen Dingen sei es aber der „unerschütterliche Glaube an die Profession Pflege“, der Mut mache.

Im Anschluss an den Auftaktimpuls tauschten sich die Teilnehmenden in drei Workshops zu den Themenbereichen Gemeinwesenarbeit, Ausbildung und Planspiel nach PeBeM (Personalbemessungsverfahren) & KomIn aus. Hintergrund: Mit dem Projekt KomIn werden Kompetenzen für die Interaktionsarbeit in der Langzeitpflege untersucht und (digitale) Instrumente zur Kompetenzentwicklung ausgearbeitet. Im Zentrum von KomIn stehen die Beschäftigten und die Teams der Pflegeeinrichtungen. Das Projekt untersucht die Wechselwirkung zwischen Beruflichkeit, Interaktionsarbeit, Digitalisierung und Kompetenzentwicklung der Beschäftigten.

„Für unsere Workshops konnten wir externe Referentinnen gewinnen, die den Teilnehmenden gute Impulse mitgeben konnten“, sagt Daniel Novotny, Referent im Zentrum Pflege der Diakonie RWL, der als Geschäftsführer des EVA den Fachtag organisiert hatte.  „Mit Veranstaltungen wie dieser möchten wir unsere Mitgliedschaft stärken und den Teilnehmenden Möglichkeiten zum persönlichen Austausch bieten.“

Darüber hinaus stand an diesem Tag die EVA-Mitgliederversammlung mit der Neuwahl des Vorstands an. Daniel Novotny bedankte sich beim scheidenden EVA-Vorstand für dessen geleistete Arbeit und das Engagement in seiner zurückliegenden Amtszeit, bevor die Vorstandvorsitzenden den Geschäftsbericht der vergangenen zwei Jahre vorstellten. Darin skizzierte sie auch zentrale Entwicklungen im Fachverband, etwa die wirtschaftliche Situation der Einrichtungen, die Einführung einer Veranstaltungsreihe zum Personalbemessungsverfahren nach §113c sowie den Aufbau einer Regelkommunikation mit dem medizinischen Dienst Westfalen Lippe.

Für die Neuwahl des EVA-Vorstands stellten sich insgesamt zwölf Kandidat*innen zur Wahl. Den neuen EVA-Vorstand bilden Silke Beernink, Stephan Graue, Michael Heine, Christian Landau, Sven-Eric Leichner, Dirk Raskopf, Kerstin Schönlau und Marc Schué.

„Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für ihr reges Interesse an unserer Fachtagung und Mitgliederversammlung. Außerdem geht ein Dank an alle Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zur Wahl zur Verfügung gestellt haben und damit ihr großes Interesse an der aktiven Mitarbeit im EVA bekundet haben“, so Daniel Novotny.

Text: Daniel Novotny und Verena Bretz, Fotos: Ralph Vanhofen / Diakonie RWL, Kathrin Harms / Diakonie Deutschland, LAG FW NRW

Ansprechperson

Verena Bretz
Referentin
Politik und Kommunikation
V.Bretzatdiakonie-rwl.de