Wo alte Menschen am Rad drehen
Erika Nürge dreht am Rad – im Haus Bethesda der Diakonie Stiftung Salem probiert sie gerade den neuen Plaudertisch aus. Das Übungsgerät macht die Mobilisation und kognitive Aktivierung der Bewohner*innen zu einem geselligen Erlebnis.
Am Plaudertisch lassen sich verschiedene Bewegungsabläufe simulieren. Die Dreh-, Zug- und Trittübungen fördern die Koordination und Beweglichkeit. Außerdem geht aus wissenschaftlichen Studien hervor, dass sich die parallele Stimulation von kognitiven und motorischen Fähigkeiten positiv auf Grunderkrankungen auswirken kann.
Für Erika Nürge steht allerdings der Trainingseffekt im Vordergrund. „Wenn man viel mit dem Rollator unterwegs ist, knarzt es schon mal da oben“, erzählt sie und deutet auf ihre Schultern. Das Training an den Drehrädern biete da eine gute Unterstützung. Das sieht ihr Mitbewohner Heinz-Dieter Andermann genauso. „In der Muckibude habe ich mit so einem Gerät auch schon trainiert“, sagt er. Schwere Gewichte müssen am Plaudertisch zwar nicht gestemmt werden, das Trainingsniveau lässt sich aber mittels einfacher Arretierschrauben individuell anpassen.

Erika Nürge aus dem Haus Bethesda der Diakonie Stiftung Salem probiert den Plaudertisch aus.
Plaudern und trainieren
Der Trainingseffekt sei aber nur ein Vorteil des Plaudertischs, sagt Einrichtungsleiterin Andrea Rose. „Die Bewohnerinnen und Bewohner kommen hier ganz einfach miteinander ins Gespräch.“ Die soziale Interaktion hat sich der Hersteller nicht umsonst mit der Namensgebung ins Programm geschrieben: Das Team des Hauses Bethesda erlebt immer wieder, dass bei den Übungen am Plaudertisch Menschen miteinander reden, die sich sonst eher wenig zu sagen haben. Auch in den Gruppenangeboten der Pflegeeinrichtung soll der Plaudertisch daher künftig verstärkt eingesetzt werden. Andrea Rose: „Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner ist das ein riesiger Gewinn.“

Ulrich Christenn (hinten 2. von rechts) und sein Team vom Zentrum Drittmittel und Fundraising der Diakonie RWL.
Mit Kollektenmitteln
Wie der Tisch im Haus Bethesda finanziert wurde? Mehrere Einzelspender*innen haben dafür gesorgt, dass der Plaudertisch nun jederzeit im Foyer des Hauses genutzt werden kann. Und auch das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL ist von den positiven Effekten des Plaudertischs überzeugt und unterstützte dessen Anschaffung mit rund 5.000 Euro aus Kollektenmitteln. „Wir freuen uns, dass wir dieses schöne Projekt mit finanzieren können“, sagt Ulrich Christenn, Leitung Zentrum Drittmittel und Fundraising der Diakonie RWL. „Am Beispiel des Plaudertischs sieht man, wie Kollektengelder sinnvoll und direkt bei den Menschen, in diesem Fall bei den Bewohner*innen der Einrichtung, wirken.“
Das Haus Bethesda der Diakonie Stiftung Salem ist nicht die einzige Einrichtung im Verbandsgebiet, die nun über einen Plaudertisch verfügt. Mit Mitteln aus den Kollekten der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen hätten in den vergangenen Wochen gleich mehrere Einrichtungen der Altenhilfe wirkungsvolle Projekte zur Förderung von Senior*innen umsetzen können, berichtet Christenn weiter. „Alle geförderten Maßnahmen wurden durch das Team vom Zentrum Drittmittel und Fundraising der Diakonie RWL beraten und begleitet.“
Besonders im Fokus gestanden habe dabei die Anschaffung solcher Geräte. „Denn Aktiv- beziehungsweise Plaudertische sind innovative, niedrigschwellige Angebote, die motorische und kognitive Fähigkeiten fördern, soziale Interaktion erleichtern und den Alltag in der Pflege spürbar bereichern“, so Christenn. Weitere Beispiele aus der aktuellen Förderung sind etwa der Ludwig-Steil-Hof Pflege gGmbH in Espelkamp und die Rheinische Gesellschaft für Diakonie gGmbH in Leichlingen.
Text: Christian Niemann, Verena Bretz, Fotos: Christian Niemann, Plaudertisch / Astro Sport GmbH
Ansprechperson
Über die Diakonie Stiftung Salem
Zu den Angeboten der Diakonie Stiftung Salem gehören die ambulante und stationäre Pflege und Betreuung von Senior*innen, Arbeits- und Qualifizierungsangebote für Menschen mit Behinderungen, Wohn- und Betreuungsangebote für Menschen mit Behinderungen, Kindertagesstätten, stationäre und ambulante Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie zahlreiche Beratungsstellen. Außerdem ein Frauenschutzzentrum, Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe und ein eigener Biohof sowie die Evangelische Pflegeakademie. In gut 100 Einrichtungen arbeiten rund 3.000 Menschen mit und ohne Behinderungen.






