Unsere Quartiersmanager*innen auf Tour
Starkregen und große Wassermassen sind sein Ding. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich Michael Funke mit dem Thema Hochwasser-Prävention. Als Hochwasserbeauftragter der Berufsfeuerwehr Hagen ist er für Katastrophenschutz und Extremwetterlagen zuständig. Sein Wissen ist nicht nur in der Stadt am Rande des Ruhrgebiets gefragt, die von vier Flüssen und mehr als 600 Bächen durchkreuzt wird. Auch der Deutsche Wetterdienst und andere Feuerwehren profitieren von Funkes Erfahrung.
Und obwohl Funke schon mit vielen Akteur*innen in der Katastrophenhilfe zusammengearbeitet hat, empfindet er die Verbindung zur Diakonie Katastrophenhilfe RWL als eine besondere: "Die Zusammenarbeit mit dem Diakonie-Team in Hagen seit dem Hochwasser 2021 ist wirklich sehr eng und vertrauensvoll. Wenn wir nicht weiterhelfen können, dann hilft die Diakonie – das hatten wir so noch nie, und das hilft auch den betroffenen Menschen sehr."
Michael Funke war es nun auch, der zwölf Quartiersmanager*innen der DKH RWL mitgenommen hat zu einer besonderen Stadtführung. Zu Fuß und im Bus ging es etwa zu ehemaligen Flut- und Schadensstellen, von denen einige mittlerweile schon behoben oder im Aufbau sind, während andere noch immer davon erzählen, wie stark die Katastrophe im Juli 2021 auch Hagen getroffen hat.

Michael Funke (li.) zeigt der DKH RWL-Reisegruppe, welche Schäden das Hochwasser im Juli 2021 in Hagen angerichtet hat.
Vorsorge ist wichtig
Die Stadtführung und der Besuch in der Feuerwache Hagen inklusive Besichtigung der Leitstelle, des Stabsraums Katastrophe sowie der Fahrzeughalle waren Teil einer zweitägigen Exkursion nach Hagen, die Anette Becker und Rubina Fahad organisiert hatten. Beide sind bereits seit Juli 2021 als Fluthelferinnen für die DKH RWL im Einsatz und leiten nun ebenfalls für die DKH RWL das Quartier Hagen im Projekt "Soziale Gemeinschaften stärken". So wie ihre Kolleg*innen verfolgen sie dabei das Ziel, die Menschen über die gemeinsame Quartiersarbeit für das Thema Klimafolgenanpassung zu sensibilisieren und die teils zerstörten Nachbarschaften und Regionen wieder fit zu machen für mögliche künftige Katastrophen.
"Die Vorsorge ist das Wichtigste", bestätigt Katastrophen-Experte Michael Funke. "Deshalb arbeiten wir so gerne mit der DKH RWL zusammen, die das Thema Katastrophenprävention in den Alltag der Menschen bringt." Viele Betroffene hätten die Ratschläge von Feuerwehr und Diakonie mittlerweile angenommen und umgesetzt, berichtet er. "Aber sie waren teilweise erstaunt, wieviel sie selbst zur Vorsorge beitragen können", so der Feuerwehrmann weiter. "Und wir erleben immer mehr, dass die Leute erschreckend hilflos sind." Dabei sei Hochwasserschutz so einfach: "Einen Sandsack gibt es schon für weniger als zwei Euro, die Plane eines Müllsacks eignet sich zum Abdichten, und die regelmäßige Kontrolle und Reinigung des Gullis vor der eigenen Haustür kann Schlimmes verhindern."

Sozialpädagogin Melanie Timm begleitete die Gruppe durchs Floriansdorf in Iserlohn.
Besuch im Floriansdorf
Wie sich schon Kindergartenkinder spielerisch auf mögliche Katastrophen vorbereiten können, erlebte die Diakonie-Reisegruppe bei ihrem Besuch im Floriansdorf in Iserlohn. In dieser Miniaturstadt, die sich offiziell "Zentrum für Sicherheitserziehung und Aufklärung" nennt, können Kinder-, aber auch Erwachsenengruppen das richtige Verhalten im Katastrophenfall üben, im "Haus der Gefahren" drohende Risiken entdecken und in der Feuerwache ihren eigenen Einsatz leiten. Sozialpädagogin Melanie Timm beschreibt das Ziel der Einrichtung, die sich über Spenden finanziert und in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, so: "Wir wollen hier keine Angst schüren, sondern den Kindern spielerisch die Angst nehmen."
Dass das Konzept ankommt, belegen die Zahlen: Rund 10.000 Besucher*innen aus einem Umkreis von rund 80 Kilometer kommen jedes Jahr ins Floriansdorf. Wer einen Kindergeburtstag im Dorf feiern möchte, muss sich daher rund ein Jahr vorher anmelden. Worüber sich Melanie Timm, die auch die Kinderfeuerwehr in Iserlohn leitet, besonders freut: "Viele Kinder entdecken beim Besuch im Floriansdorf ihre Liebe zur Feuerwehr, sodass wir dort keine Nachwuchsprobleme haben, sondern Wartelisten." Und die Kinder bleiben dabei: Etliche ehemalige Feuerwehrkinder seien mittlerweile Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Iserlohn.

Roman Krüger (li.) und Jessica Bönn berichten von ihren Projekten.
Die Leute mitnehmen
Neben der Katastrophenprävention verfolgt das Projekt "Soziale Gemeinschaften stärken" das Ziel, mit geeigneten Aktionen und Veranstaltungen die Klimafolgenanpassung voranzutreiben. Passend dazu lernten die Quartiersmanager*innen das Projekt "Klimapositives Wehringhausen" kennen. Die Initiative will gemeinsam mit den Menschen im Stadtteil ein nachhaltiges und klimapositives Viertel entwickeln und ist Teil des Nachhaltigkeitszentrums Hagen e.V. Ein Verein, der aus der Initiative "Hatopia" hervorgegangen ist und im vergangenen Jahr mit dem Engagementpreis NRW ausgezeichnet wurde.
Roman Krüger und Jessica Bönn stellten den Gästen ihre Projekte vor, etwa den Umsonstladen, den offenen Hochbeet-Garten, eine offene Werkstatt, Nachhilfeangebote und den ParkingDay. Bei dieser Veranstaltung, die im September erneut in Wehringhausen stattfindet, werden Parkflächen ein Wochenende lang begrünt und in belebte Aufenthaltsflächen umgewandelt.

Im Hochbeet-Garten des Nachhaltigkeitszentrums Hagen steht ein solcher Regenwassertank. Er gehört zum Projekt "Gießkannenheld*innen".
Starkregen und Trockenperioden
Regelmäßiger Gast bei "Hatopia" ist auch Tim Stockmann, seit anderthalb Jahren der Klimaanpassungsmanager der Stadt Hagen. "Zu meinen Aufgaben gehört es, die Menschen auf Extremwetterlagen wir Hitze, Starkregen und Tornados vorzubereiten, dafür gehe ich beispielsweise auch in Kitas und Schulen." Außerdem betreut er das städtische Projekt "Gießkannenheld*innen". Die Initiative stellt kostenlos 1000-Liter-Wassersammeltanks auf und verteilt Gießkannen an alle, die sich ums Stadtgrün kümmern möchten. "Durch das Sammeln und Nutzen von Regenwasser tragen wir dazu bei, Stadtbäume in Trockenperioden zu erhalten und entlasten gleichzeitig die Kanalisation bei Starkregenereignissen", erklärt Stockmann.

Andreas Vollmert koordiniert bei der Diakonie RWL die Arbeit der zehn Quartiersstandorte.
Spannend und intensiv
Ulrich Christenn, Leiter Zentrum Drittmittel und Fundraising bei der Diakonie RWL und Mitentwickler des Hochwasserhilfeprogramms der DKH RWL, war beeindruckt von den Ideen des Teams im Hagener Nachhaltigkeitszentrum: "Wir können auf jeden Fall von hier einige Konzepte mitnehmen und uns von der Energie der Beteiligten inspirieren lassen."
Auch sein Kollege Andreas Vollmert, der für die Diakonie RWL die Arbeit an den zehn Quartiersstandorten koordiniert, zieht ein positives Fazit: "Es waren zwei spannende, lehrreiche und intensive Exkursionstage in Hagen. Ich bin allen dankbar, die zum Gelingen beigetragen haben."
Text: Verena Bretz, Fotos: Verena Bretz, Andreas Vollmert
Ansprechperson
Kurztext
Die DKH RWL setzt das Projekt "Soziale Gemeinschaften stärken" an zehn Standorten im Hochwassergebiet zwischen Mosel, Kyll, Ahr, Wupper, Ruhr und Volme um. Die Quartiersmanager*innen in jeder Projektregion stehen in engem Austausch mit den Kommunen und anderen Kooperationspartner*innen und sind verantwortlich für die Umsetzung sogenannter Mikroprojekte. Begleitet werden die Maßnahmen von einem Koordinator bei der Diakonie RWL.








