Umdenken bei der Hungerbekämpfung
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe die Hungerkrise zwar nicht hervorgebracht, wohl aber verschärft, so Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, bei der Vorstellung des Jahresberichts. "Um Millionen Menschen vor dem Verhungern zu retten, müssen die reichen Industrieländer sofort mehr Geld für die Nothilfe bereitstellen."
Allerdings reichten kurzfristige Maßnahmen nicht aus, um den Hunger in der Welt dauerhaft zu überwinden. "Die politischen Entscheidungsträger müssen auch die Ursachen angehen und in der Agrarpolitik umsteuern. Die Antwort auf wiederkehrende Hungerkrisen muss ein anderes weltweites Ernährungssystem sein, das die armen Länder aus der Abhängigkeit befreit", sagt Dagmar Pruin.

Dagmar Pruin steht an der Spitze der Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe.
Klima ist der größte Hungertreiber
Die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe müssten steigen. "Stattdessen möchte die Bunderegierung laut aktuellem Haushaltsentwurf den Entwicklungsetat kürzen. Das ist angesichts der Lage verantwortungslos", so Pruin. Weltweit hungerten 828 Millionen Menschen im Jahr 2021, das sind 150 Millionen mehr als vor Ausbruch der Pandemie.
Zugleich mahnt die Präsidentin von Brot für die Welt steigende Mittel für die Klimaanpassung an: "Die Klimakrise befeuert die Hungerkrise. Doch die angekündigten sechs Milliarden Euro jährlich für Klimaschutz und Klimaanpassung sind zu wenig. Zumal bisher nur etwa vier Milliarden fest zugesagt sind." Aus Sicht von Brot für die Welt ist die Klimakrise – neben bewaffneten Konflikten und den Folgen der Corona-Pandemie – der größte Hungertreiber.

Ulrich Christenn. (Foto: Andreas Endermann/Diakonie RWL)
Jahresergebnis 2021
Die Bilanz von Brot für die Welt fällt für 2021 schlechter aus als für das Jahr zuvor. "Pandemiebedingt konnten Ende 2020 deutlich weniger Menschen die Weihnachts- und Adventsgottesdienste besuchen, daher mussten wir mit einem Rückgang der Kollekten-Einnahmen rechnen. Die hohe Spendenbereitschaft über das gesamte Jahr 2021 konnte den Rückgang der Kollekten etwas abfedern", erklärt Ulrich T. Christenn, Leiter des Zentrums Fundraising und Drittmittel des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe. Bundesweit haben Spenderinnen und Spender die Arbeit von Brot für die Welt im vergangenen Jahr mit mehr als 63,6 Millionen Euro unterstützt. Das ist ein Minus von 13,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.
Elf Millionen Euro der Summe stammen aus Rheinland, Westfalen und Lippe: In der rheinischen Kirche konnten 6,47 Millionen, in der westfälischen Kirche 4,27 Millionen und in der lippischen Landeskirche 271.474 Euro gesammelt werden. "Wir danken allen Spenderinnen und Spender herzlich, die sich gemeinsam mit Brot für die Welt für die Menschen in ärmeren Ländern der Welt eingesetzt haben", sagt Ulrich T. Christenn.

Partner des Projekts von Brot für die Welt mit Kleinbauern in Kabore Lassane ist ODE (L’Office de Developpement des Eglises Evangeliques).
1.800 Projekte in 90 Ländern
Neben Spenden und Kollekten sind kirchliche und Bundesmittel die beiden weiteren finanziellen Säulen von Brot für die Welt. Insgesamt standen dem Hilfswerk im vergangenen Jahr dadurch rund 312 Millionen Euro für die Entwicklungsarbeit zur Verfügung – das ist etwa das Niveau von 2020. Brot für die Welt konnte so in mehr als 1.800 Projekten in fast 90 Ländern Entwicklungsarbeit leisten. Insgesamt hat das Hilfswerk 277,7 Millionen Euro für Projekte ausgegeben und im vergangenen Jahr 646 neue Projekte bewilligt – Afrika und Asien waren dabei die Schwerpunktregionen. In den meisten neuen Projekten geht es um die Stärkung der Zivilgesellschaft und langfristige Hilfe gegen Hunger und Mangelernährung.
Text: Ilka Hahn (mit Material von Brot für die Welt), Fotos: Diakonie RWL, Brot für die Welt
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