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Hochwasserhilfe

Teamgeist (auch) auf dem Wasser

Wer in weniger als einer Stunde aus leeren Fässern, Seilen und Rundhölzern ein stabiles Floß bauen kann, der ist nicht nur teamfähig, sondern auch strategisch, kreativ und ein echter Problemlöser. Wie sich die mobile Hochwasserhilfe der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe nach der Flut im Juli 2021 zum Erfolgsprojekt entwickelt hat.

Fördermittel und Spenden
Teaserfoto Floßbau Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe
Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe
Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe, Floßbau
Station beim Gottesdienst Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe
Station beim Gottesdienst Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe
Gottesdienst Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe

Anfangs haben die Diakonie-Mitarbeitenden in ihren blauen Jacken Bautrockner verteilt und Suppe gekocht. Später dann Quittungen sortiert und zahllose Anträge ausgefüllt. Immer wieder haben sie in kürzester Zeit unkonventionelle Lösungen für verschiedene Probleme entwickelt.  Außerdem haben die "blauen Flut-Engel" an Haustüren geklingelt, sich mit den vom Hochwasser betroffenen Menschen unterhalten, sie beraten oder ihnen einfach nur zugehört. Dabei haben sie ihr Ziel immer im Blick gehabt: Im gesamten Hochwassergebiet von Hagen im Norden bis Trier im Süden so viele Menschen wie möglich zu befähigen, trotz Verlust und Zerstörung zurück ins Leben zu finden.

"Von Beginn an war unser Maßstab, ganzheitliche Unterstützung anzubieten", sagt Ulrich Christenn, Leitung Zentrum Drittmittel und Fundraising bei der Diakonie RWL. "Denn aus unserer diakonischen Arbeit wissen wir: Bargeld allein hilft den Menschen nicht." Unmittelbar nach der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli 2021 haben die Diakonie RWL und die Diakonie Katastrophenhilfe deshalb das Projekt "Mobile Beratung Hochwasserhilfe" entwickelt. Beim Teamtag der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe in Köln kamen nun rund 40 aktuelle und ehemalige Mitarbeitende zusammen, um auf die zurückliegenden Jahre zurückzuschauen und gleichzeitig nach vorne zu blicken.

Gottesdienst Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe, Ulrich Christenn und Superintendent Markus Zimmermann

Pfarrer Ulrich Christenn, Leitung Zentrum Drittmittel und Fundraising bei der Diakonie RWL, und Superintendent Markus Zimmermann begleiteten die Teams durch den interaktiven Gottesdienst. 

Antragsfristen verlängert

Denn ab sofort arbeitet die Hochwasserhilfe-Beratung mit kleineren Teams. Offene Anträge werden abgeschlossen und Klient*innen verabschiedet oder in bestehende Beratungsstrukturen begleitet. Die Antragsfristen für die beiden Förderlinien Wiederaufbau und Härtefälle werden bis Ende 2025 verlängert. Was feststeht: Irgendwann wird die Mobile Hochwasserhilfe 2021 Geschichte sein. "Ich kann jetzt schon sagen, dass das der Höhepunkt meines beruflichen Lebens ist, und ich bin dankbar für alles, was wir gemeinsam mit unseren tollen Teams bewegen konnten", sagt Ulrich Christenn, der das Projekt mit konzipiert und von Tag eins an eng begleitet hat.

Auch Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke bedankt sich für den Einsatz aller Beteiligten und lobt deren Kompetenz und Empathie. "Sie haben Unglaubliches geleistet, und in vielen Gesprächen mit Betroffenen habe ich immer wieder gehört, wie wichtig und hilfreich Ihre Arbeit war und ist." Wesentlich für das Gelingen des Projekts sei auch die Kooperation mit der Diakonie Katastrophenhilfe gewesen. Schwenke: "Die DKH hat uns von Beginn an mit ihrer jahrelangen Erfahrung professionell zur Seite gestanden, denn tatsächlich waren wir als Diakonie RWL vor vier Jahren nicht auf eine solche Katastrophe vorbereitet."

Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe, Kirsten Schwenke, Vorständin Diakonie RWL

Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke bedankt sich für den Einsatz der mobilen Hochwasserhilfe-Teams.

In Vorsorge investieren

Martin Keßler, Direktor der Diakonie Katastrophenhilfe, lobt seinerseits die gute Zusammenarbeit mit der Diakonie RWL: "Wir haben hier gemeinsam etwas richtig Gutes geschaffen, und das sollte uns allen Ansporn sein, auch künftig in Vorsorge zu investieren." Ebenso wie Michael Frischmuth, Kontinentalverantwortlicher für Europa bei der DKH, ist Keßler begeistert vom Teamspirit der mobilen Teams: "Sie alle sind rheinische Frohnaturen, und es macht einfach Spaß, hier sein zu dürfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen in den Hochwasserregionen sich noch lange an Sie erinnern werden."

Markus Koth, Fluthilfekoordinator der DKH, fokussierte sich in seinem Vortrag auf die Katastrophenvorsorge. Die Erkenntnisse aus dem Projekt Mobile Hochwasserhilfe 2021 werde die DKH für mögliche künftige Katastrophen nutzen. Ziel sei es beispielsweise, ein Netzwerk von Katastrophenhilfebeauftragten in diakonischen Werken aufzubauen. Koth: "So können wir auch künftig Menschen in Not effektiv und effizient unterstützen."

Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe, Vortrag Markus Koth, DKH

Markus Koth, Fluthilfekoordinator der DKH, will die Erkenntnisse aus dem Projekt Mobile Hochwasserhilfe 2021 für mögliche künftige Katastrophen nutzen. 

Was bleibt?

Pfarrer Ulrich Christenn animierte die Teilnehmenden im interaktiven Dankgottesdienst gemeinsam mit Superintendent Markus Zimmermann dazu, sich an vier Stationen nochmals intensiv mit den Erlebnissen aus vier Jahre Hochwasserhilfe auseinanderzusetzen: Wofür sind wir dankbar? Was lässt uns nicht los? Was hat uns verändert? Welche Dinge sind offengeblieben und konnten wir nicht lösen? Außerdem hatten alle Teams für die offizielle Abschlussveranstaltung individuelle Rückblicke vorbereitet und präsentierten sich und ihre Arbeit in kreativen Bildershows als Kurzgeschichte und sogar in Form eines Hochwasserhilfe-Bingos.

Gottesdienst Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe

Nach einem Blick in den Spiegel notierten die Teilnehmenden, wie die Arbeit in der mobilen Hochwasserhilfe sie verändert hat.

Großer Zusammenhalt

An Tag zwei der Abschlussveranstaltung drehte sich alles um den Teamzusammenhalt: Wie lässt sich als Gruppe in weniger als einer Stunde aus ein paar leeren Fässern, einigen Rundhölzern und Seilen ein schwimmfähiges Floß bauen? Die Antwort: Mit der richtigen Strategie, Geschick und dem nötigen Mut zum Anpacken. Die beiden Diakonie-Teams schafften es tatsächlich, ihre Flöße innerhalb der vorgegebenen Zeit zum finalen Wettrennen auf den Fühlinger See zu schicken. Und auch dabei zeigte sich, was die Arbeit der mobilen Hochwasserhilfe ausmacht: "Ich mache diesen Job jetzt schon so viele Jahre und habe unzählige Gruppen beim Floßbau begleitet", sagte Team-Coach Sascha nach dem Event. "Aber ihr seid tatsächlich die erste Gruppe, bei der die Gewinner den Verlierern freiwillig beim Auseinanderbauen der Flöße helfen – ganz ohne Aufforderung."

Abschlussveranstaltung Mobile Hochwasserhilfe, Floßbau Daniel Pfeiffer

Beim Auseinanderbauen der Flöße packen alle mit an, egal ob Gewinner oder Verlierer.

Text und Fotos: Verena Bretz, Diakonie RWL

Ansprechperson

Verena Bretz
Referentin
Politik und Kommunikation
V.Bretzatdiakonie-rwl.de
Ulrich Christenn
Zentrumsleitung
Drittmittel und Fundraising
U.Christennatdiakonie-rwl.de

Kurztext

Vom Hochwasser Betroffene können bis zum 31. Dezember 2025 Anträge für die Hilfslinien Wiederaufbau und Härtefälle stellen.