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Sozialstiftung NRW

Super Sommer

Mehr als fünf Millionen Euro fließen in diesem Sommer aus dem Topf der Sozialstiftung NRW in Projekte für Kinder und Jugendliche. Rund 650 Anträge sind für das Sonderprogramm "Wir sind STARK!" eingegangen – viele aus Einrichtungen des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe. Wer sich über das Geld freut.

Fördermittel und Spenden
Ein Mädchen freut sich und lacht.
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Kinder schälen Kartoffeln im Kinder-Kochkursus.
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Kinder stehen hinter einem Gemüse-Hochbeet und jubeln.
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Den Kindern im "Kunterbunten Chamäleon" knurrt gelegentlich der Magen. Weil zuhause zum Ende des Monats das Geld für ein warmes Mittagessen fehlt oder den Eltern die Zeit, um eines zuzubereiten. In solchen Fällen treibt in dem Jugendkulturzentrum im Kirchenkreis Recklinghausen meistens irgendjemand eine Portion Nudeln auf oder einen kleinen Snack gegen den Hunger. "Das machen Spendengelder oder das persönliche Engagement von einzelnen Mitarbeitenden möglich", erzählt Dr. Stefanie Frings, die beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen im Bereich "Erziehung und Förderung" arbeitet.

Kinder kochen

Das Problem räumt die Portion Nudeln aber nicht aus der Welt. Doch das Sonderförderprogramm der Sozialstiftung NRW macht nun im "Kunterbunten Chamäleon" ein Projekt möglich, das den Hunger nachhaltig in Angriff nimmt. 20.000 Euro fließen aus dem Fördertopf in die Realisierung des Programms "Kitchen possible". Während der Sommerferien und in den Herbstferien kommt im Jugendzentrum mittags ein warmes Essen auf den Tisch – selbst gekocht und selbst geplant.

Hühner auf einer Wiese eines Biobauernhofs.

Besuch auf dem Biobauernhof

"Aber dabei bleibt es nicht", erklärt Dr. Stefanie Frings, "denn der Kern unserer Arbeit beruht auf dem Wunsch, die Menschen selbst zu befähigen." Und das gelte auch in der offenen Jugendarbeit.

Deswegen hat das Team des Jugendzentrums ein Konzept geschrieben, das von der Planung einer Mahlzeit über den Einkauf bis zum Kochen reicht – und auch die Eltern mit einbezieht, wenn sie denn wollen. "Viele Kinder haben eindeutig den Wunsch geäußert, die Situation Zuhause zu verändern", so Frings weiter.

In verschiedenen Workshops sind die Mitarbeitenden im Jugendzentrum nun gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aktiv: Es gibt ein Einkaufscoaching, das Sonderangebote unter die Lupe nimmt und auch auf Apps aufmerksam macht, die beim Einkaufen und Sparen helfen. Es werden spielerische Einheiten zum Thema gesunde Ernährung angeboten. Auch ein Besuch auf dem Biobauernhof ist geplant. Und Kinder und Jugendliche werden gemeinsam mit dem Team kochen – und die Eltern zum Essen einladen.

"Am Ende des Projekts wird es ein Padlet und ein Booklet geben, in dem die Kinder ihre Lieblingsessen zusammenstellen", beschreibt Dr. Stefanie Frings die mediale Begleitung des Projekts, die die Kinder mit professioneller Hilfe selbst übernehmen.

Eine Kürbissuppe mit Kürbiskernen garniert und Baguette dazu.

Lecker und günstig

Wie lecker ist ein Gericht? Was kostet es? Wie lange dauert die Zubereitung? Und welche Hürden gibt es? Alle Informationen sollen in den analogen und digitalen Produkten zusammengestellt werden. "Es gibt auch die Möglichkeit, eine Art Weiterbildung für Eltern anzubieten", sagt Frings, "aber es darf natürlich nie um Bevormundung gehen."

Die Fördergelder fließen in die Installation einer geeigneten Küche mit Herd, Spülmaschine und Großbackofen, in den Kauf der Lebensmittel und in die Ausgaben für Referenten. "Das Geld ermöglicht uns die Umsetzung eines großes Wunsches", fasst Dr. Stefanie Frings zusammen.

Ein Fächer aus verschiedenen Geldscheinen.

100 Prozent gefördert

Mehr als 650 Anträge sind in den vergangenen Monaten bei der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW für das Sommer-Förderprogramm "Wir sind STARK!" eingegangen. Rund fünf Millionen Euro fließen in Nordrhein-Westfalen aus dem Fördertopf in die Kinder- und Jugendarbeit. Inzwischen ist der Antragszeitraum beendet.

"Das Tolle an diesem Programm ist: Es sind keine Eigenmittel erforderlich. Es ist eine 100 Prozent-Förderung", erklärt Frank Ufermann, der die Mitglieder im Zentrum Drittmittel und Fundraising (ZDF) der Diakonie RWL bei der Antragsstellung begleitet hat.

Projekte zwischen 2.000 und 20.000 Euro seien gefördert worden. "Und wir haben uns gemeinsam über schnelle Bewilligungsprozesse gefreut", sagt Ufermann. Für Projekte, die bereits begonnen hatten, konnte ebenso Geld aus dem Fördertopf beantragt werden wie für Projektideen.

Ein Tandem steht auf einer Wiese.

Auf einem solchen Tandem mit elektrischer Unterstützung können auch Kinder mit Beinträchtigungen Fahrradausflüge machen. 

Radfahren für alle

Währenddessen erfüllen sich die Kinder und Jugendlichen im Wohnhaus in Gronau mit dem Fördergeld einen lang gehegten Traum: Die Stiftung Wittekindshof hat für die Einrichtung die Anschaffung eines E-Tandems beantragt. Kostenpunkt: rund 9.700 Euro. "Dieses E-Tandem war schon lange ein großer Wunsch der Kinder und Jugendlichen des Wohnbereichs und auch der Mitarbeitenden", erzählt Katharina Prüßner von der Stiftung Wittekindshof, Trägerin des Wohnhauses.

In der Vergangenheit seien Ausflüge mit dem Fahrrad für diejenigen nicht möglich gewesen, die nicht selbst Fahrrad fahren können – wegen schwerer Beeinträchtigungen oder weil sie sich im Straßenverkehr nicht sicher fortbewegen können. "Dieses E-Tandem bietet jetzt die Möglichkeit, dass Mitarbeitende mitfahren", erklärt Katharina Prüßner, "als Co-Pilot hält die Bewohnerinnen und Bewohner nun nichts mehr auf."

Noch warten die Kinder und Jugendlichen auf die Lieferung des Fahrrads. Sobald es angekommen ist, soll es in den Alltag integriert werden.

"Auch unsere Ausflüge im Sommer und Herbst in die Umgebung können dann erweitert werden", erzählt die Stiftungsmitarbeiterin. Ideen für Ausflüge und Fahrradtouren jedenfalls haben die jungen Bewohner*innen zwischen sieben und 18 Jahren schon reichlich. "Und auch für die Mitarbeitenden ist es eine große Bereicherung", erklärt Katharina Prüßner, "denn es gibt ihnen ganz neue Möglichkeiten, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit zu unterstützen."

Jemand sprüht mit einer Sprühdose ein Graffiti auf die Wand.

Vielfalt sprühen

Die Selbstwirksamkeit der jungen Menschen steht auch bei einem weiteren Projekt des Diakonischen Werks in Recklinghausen im Mittelpunkt. Ebenfalls im "Kunterbunten Chamäleon" wird dank der Sozialstiftung NRW nämlich noch ein zweites Projekt umgesetzt: "Spray your spirit – Vielfalt sprühen".

Nach den Sommerferien beginnen im Jugendkulturcafé Workshops rund um das Thema "Sprayen". In den Herbstferien soll die Kunst dann ihren Weg auf die Fassade des Gebäudes finden.

"Wir haben oft mit illegalen Graffiti auf dem Gebäude zu kämpfen", erzählt Dr. Stefanie Frings. Regelmäßig müssten Hassparolen und rechtsradikale Symbole übermalt oder entfernt werden. "Dann kamen wir mit den Jugendlichen auf die Idee: Warum können wir nicht etwas sprayen, das für uns steht?" Zumal der Ehrenkodex unter Sprayern es auch verbietet, wirklich lohnende Kunst einfach zu übersprühen.

Für ein buntes Miteinander

Also entstand ein Konzept, das nun weit über das Vermitteln von Sprayfertigkeiten hinausgeht. Am Anfang steht ein Workshop über das Verständnis von Vielfalt und den Wert der Demokratie. "Die Jugendlichen haben schon klar formuliert: Wir stehen gegen soziale Ausgrenzung und für ein buntes Miteinander", berichtet Frings.

Auch der Einkauf und Umgang mit Farben sollen Themen für die Projektwoche sein. Außerdem werden die Jugendlichen Hinweise mit auf den Weg bekommen, wo Sprayen erlaubt ist – und wo nicht.

Das Projekt soll medial in den sozialen Netzwerken begleitet und erklärt werden. Mit Unterstützung eines professionellen Sprayers sollen dann Motive für die Hauswand entstehen. "Wir gehen derzeit davon aus, dass er als Profi Schablonen für alle erstellt", sagt Dr. Stefanie Frings. "Aber am Ende entscheiden die Kinder und Jugendlichen selbst. Denn wir wollen, dass hier etwas Echtes, etwas Authentisches entsteht."

Text: Theresa Demski, Fotos: Pixabay, Shutterstock

Ansprechperson

Ulrich Christenn
Zentrumsleitung
Drittmittel und Fundraising
U.Christennatdiakonie-rwl.de

Kurztext

Mehr als fünf Millionen Euro fließen in diesem Sommer aus dem Topf der Sozialstiftung NRW in Projekte für Kinder und Jugendliche. Rund 650 Anträge sind für das Sonderprogramm "Wir sind STARK!" eingegangen – viele aus Einrichtungen des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe.