Mehr als nur ein Ausflug

Bewohner*innen und Pflegekräfte des Haus Simeon bestaunen im Allwetterzoo Münster die Tiere.
Wochenlange Vorbereitung
Seit März hat das Organisationsteam um Einrichtungsleiter Klaus Wienker und die Leiterin des Sozialen Dienstes, Petra Behrens, den Ausflug bis ins kleinste Detail geplant. "Es ist ein enormer Aufwand, so etwas für viele hochbetagte Menschen zu planen", sagt Klaus Wienker. Man wollte eine Eins-zu-eins-Betreuung sicherzustellen – dafür müsse man eine große Zahl von Personen ansprechen und koordinieren. Auch Petra Behrens betont: Eine der größten Herausforderungen sei die Abstimmung mit den zahlreichen Beteiligten gewesen. Zunächst galt es, ein Busunternehmen zu finden, das nicht nur zwei Niederflurbusse, sondern auch zwei Anhänger für die vielen Rollstühle und Rollatoren bereitstellen konnte. Mit dem Allwetterzoo mussten Details geklärt werden. Zum Beispiel: Können wir vor Ort essen? Auch passiertes Essen musste für einzelne Teilnehmende mitgebracht werden.
Nichts dem Zufall überlassen
Außerdem war die Abstimmung mit den Pflegekräften entscheidend: Welche Medikamente und Hilfsmittel müssen mitgenommen werden? Für den Fall der Fälle wurden zusätzliche Rollstühle organisiert. Neben den Pflegefachkräften wurden Betreuungsassistentinnen, Mitarbeitende aus dem Sozialen Dienst und dem Service sowie Freiwilligendienstleistende gewonnen. Auch das Wetter spielte in den Planungen eine Rolle: Werden Sonnenschutz oder doch eher Regenschirme benötigt? Und schließlich stellte sich die Frage: Wer unterstützt das Team an diesem Tag? Gibt es helfende Hände aus dem Kreis der Ehrenamtlichen und Angehörigen?
Nicht zuletzt musste auch der Tagesablauf im Seniorenzentrum selbst für diesen besonderen Tag umorganisiert werden. "Der Ausflug wurde nach Wohnbereichen geplant, auch damit alle rechtzeitig fertig sind", erklärt Petra Behrens. Denn der Zeitplan war ein entscheidender Faktor für das Gelingen des aufwendigen Unternehmens. Sogar das Ein- und Aussteigen in die Busse folgte einem genauen Ablaufplan. Der Rundgang durch den Zoo wurde in kleinen Gruppen unternommen. Jede und jeder trug ein unterschiedlich farblich gekennzeichnetes Bändchen mit einer Mobilfunknummer für Notfälle am Arm. Jede Gruppe wurde von einer Pflegekraft begleitet. "Die Fachkräfte sind ungemein wichtig, falls doch mal eine Krisensituation auftreten sollte", betont Klaus Wienker.
Mehr als nur ein Ausflug
Die Planungen waren aufwendig, die Vorfreude dafür umso größer. In der Vergangenheit hatte ein "rollender Zoo" das Haus Simeon besucht und für strahlende Gesichter gesorgt. So entstand bei den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst der Wunsch, den Allwetterzoo zu besuchen. Wirklich daran geglaubt hatte allerdings niemand. "Ich – in den Zoo? Das schaffe ich doch nicht mehr", hieß es zunächst immer wieder ungläubig. Dabei sei ein solcher Zoobesuch für die Bewohnerinnen und Bewohner von großer Bedeutung, betonen Klaus Wienker und Petra Behrens: Er steigere die Lebensfreude und -qualität, bringe Abwechslung in den Alltag und stärke das Gemeinschaftsgefühl. Tiere zu beobachten wirke beruhigend, wecke Kindheitserinnerungen, und die frische Luft sowie die Natur täten Körper und Seele gut. "Die Eindrücke und Gespräche über die Tiere regen das Gedächtnis an, fördern die Aufmerksamkeit, motivieren zur Bewegung und schaffen neue gemeinsame Erlebnisse."
Unvergessliche Momente
So kullerten bei einer Bewohnerin die Freudentränen, als sie die tanzenden Bewegungen der tropischen Fische im Aquarium beobachtete. "Es ist einfach schön", schwärmt ein Angehöriger, dessen Ehefrau im Haus Simeon lebt. Früher seien sie oft gemeinsam mit den Enkelkindern im Allwetterzoo gewesen. "Jetzt ist es spannend zu sehen, wie sehr sich alles verändert hat." Auch seine Frau erinnert sich lächelnd an frühere Reisen: Gemeinsam hätten sie ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika unterstützt und Länder wie Uganda und Tansania bereist. Da würden beim Anblick der Kattas, Tiger und Elefanten viele Erinnerungen wach.
Die hundertjährige Anneliese Ronnewinkel zeigt sich beeindruckt: "Es ist bemerkenswert, was hier alles geboten wird." Besonders die botanische Anlage habe ihr gefallen. Außerdem lobt sie die Organisation: "Das war wirklich eine Meisterleistung." Nach einem leckeren Mittagessen brachten die Busse alle 75 Beteiligten am frühen Nachmittag zufrieden und voller neuer Eindrücke zurück ins Haus Simeon.
Text und Fotos: Karen Rosenwerth-Schiffbauer
Ansprechperson
diakonie-rwl.de
diakonie-muenster.deKurztext
Die Bewohner*innen des Haus Simeon haben gemeinsam mit ihren Pflegekräften den Allwetterzoo Münster besucht. Ermöglicht wurde der Ausflug durch Kollektenmittel der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.

