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5. Jahrestag der Hochwasserkatastrophe

Die Diakonie kann Krise

In Erftstadt-Gymnich öffnen Schützen ihr Vereinsheim als Anlaufstelle für Menschen im Katastrophenfall. Diakonische Einrichtungen entwickeln Notfallpläne für Krisensituationen. Im Landtag NRW gedenkt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Todesopfer der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021. Die Trauer der Menschen ist längst nicht vorbei. Aber es gibt viele Dinge, die Mut machen.

Fördermittel und Spenden
Katastrophenschutzanlaufstelle Erftstadt Gymnich Generator
Jahrestag Hochwasser 2026 Landtag Gedenkstunde Gruppe DKH RWL
Jahrestag Hochwasser 2026 Landtag Gedenkstunde
Jahrestag Hochwasser 2026 Landtag Gedenkstunde Gruppe DKH RWL
Jahrestag Hochwasser 2026 Landtag Gedenkstunde Frank Walter Steinmeier

Im Landtag von Nordrhein-Westfalen ist es still, hektisches Treiben nur hinter den Kulissen. Unten im Plenarsaal und oben auf der Besuchertribüne sitzen Menschen in schwarzer Trauer-, aber auch bunter Sommerkleidung, außerdem Politiker*innen, zahlreiche Medienleute sowie Vertreter*innen von Verwaltung, Kirche, Bundeswehr, Feuerwehr und Hilfsorganisationen in ihren jeweiligen Uniformen. Darunter auch eine Gruppe der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe, schon aus der Ferne leicht zu erkennen in ihren blauen Shirts. Im Landtag NRW erinnert an diesem Nachmittag eine Gedenkveranstaltung an die Opfer der Hochwasserkatastrophe von 2021.

Jahrestag Hochwasser 2026 Landtag Gedenkstunde Claudia Müller-Bück

Pfarrerin und Superintendentin Claudia Müller-Bück

„Gehört zu unserer Geschichte“

Sichtlich bewegt sind die Gäste im Landtag, als Pfarrerin und Superintendentin Claudia Müller-Bück ans Mikrofon tritt und so anschaulich von den ersten Stunden der Flut in Swisttal berichtet, dass einige Besucher*innen weinen müssen. Sie erzählt von zwei betagten Schwestern, die mit dem Boot aus ihrem Haus gerettet wurden. Von der Nacht in der Turnhalle, in der sich Notfallseelsorger*innen bis zur Erschöpfung um traumatisierte Menschen kümmerten. Und von der etwas höher gelegenen Maria Magdalena Kirche in Heimerzheim, die spontan für alle geöffnet, mit Liegen, Spielzeug und weiteren Spenden ausgestattet und so zur Zuflucht für Senior*innen, Junge und Familien wurde. „Alles, was wir seit dem Abend des 14. Juli 2021 erlebt haben, gehört zu unserer Geschichte“, so Müller-Bück.

Zuvor sprechen der Präsident des Landtags, André Kuper, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Hendrik Wüst ihre Gedenkworte. In kurzen Einspielfilmen kommen außerdem Betroffene und Helfende zu Wort, die von den Tagen der Katastrophe und der Zeit danach erzählen. Kuper dankt denen, die vor fünf Jahren „mehr angepackt haben, als es zumutbar ist“. Die Gedenkstunde zum fünften Jahrestag solle aber auch Mahnung sein, „die richtigen Lehren aus der Katastrophe zu ziehen“.

Jahrestag Hochwasser 2026 Landtag Gedenkstunde Hendrik Wüst Ulrich Christenn

Pfarrer Ulrich Christenn, Leitung Zentrum Drittmittel und Fundraising Diakonie RWL, übergibt NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst einen HItzewarnaufkleber.

Solidarisch und stark

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der noch am Vormittag das Ahrtal besucht hat, erinnert in seiner Rede daran, dass das Leid nach wie vor präsent sei. „Aber ich will Ihnen sagen: Sie sind nicht allein. Wir stehen an Ihrer Seite, solange es nötig ist.“ Dankbar sei er für die „überwältigende Hilfsbereitschaft“. Steinmeier: „Wir sind ein starkes, solidarisches Land.“

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat in der Zeit nach der Katastrophe im Sommer 2021 beobachtet: „Unser Land hält zusammen, das ist gut, und das gibt Zuversicht.“ Nichtsdestotrotz gelte es, auf solche und andere Katastrophen künftig besser vorbereitet zu sein. „Wetterextreme sind eine Folge des Klimawandels. Wir alle müssen uns daran anpassen“, so Wüst.

Katastrophenschutzanlaufstelle Erftstadt Gymnich Thomas Müller

Thomas Müller, Präsident der Gymnicher St. Kunibertus Schützengesellschaft

Sichere Anlaufstelle für 300 Menschen

In Erftstadt, wo das Hochwasser vor fünf Jahren ebenfalls dramatische Schäden angerichtet hat, ist diese Botschaft längst angekommen. „Wo Zusammenhalt und gefestigte Strukturen bestehen, lassen sich Katastrophen leichter bewältigen“, sagt Thomas Müller, Präsident der Gymnicher St. Kunibertus Schützengesellschaft. Die Schützen haben ihr Vereinsgelände inzwischen mit Hilfe der der Diakonie Katastrophenhilfe RWL in eine Katastrophenschutzanlaufstelle für rund 300 Personen umfunktioniert.

Erftstadt Gymnich Thomas Hammer und Carolin Weitzel

Erftstadts Feuerwehrchef Thomas Hammer und Bürgermeisterin Carolin Weitzel

Im Ernstfall selbst helfen

Im Notfall soll es dort Wasservorräte, Verpflegung aus der Vereinsküche und medizinische Versorgung geben. Außerdem gehören zur Anlage zwei Kühlräume, eine eigene Backstube und sogar eine Spielecke für Kinder. Unterstützt wird Schützengesellschaft dabei von der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe, die auf dem Gelände ein Notstromaggregat finanziert hat, das im Krisenfall eine unabhängige Stromversorgung garantieren soll. Auch die Stadt und die Feuerwehr unterstützen das Vorhaben der Schützen: „Es ist wichtig, dass sich die Menschen im Ernstfall selbst helfen und aufeinander aufpassen“, sagt Erftstadts Feuerwehrchef Thomas Hammer. 

Zwei weitere solcher Katastrophenschutzanlaufstellen in Kooperation mit der Diakonie Katastrophenhilfe RWL entstehen in Eschweiler und in Hönningen in Rheinland-Pfalz. Das Projekt läuft bis Ende 2027 und schließt an bisherige Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge und bedarfsorientierter Quartiersarbeit an. Die neuen Katastrophenschutzanlaufstellen sollen den vorhandenen Bevölkerungsschutz ergänzen, Schnittstelle für Behörden sein und die Selbsthilfe der Bevölkerung fördern. Dafür kooperiert die Diakonie Katastrophenhilfe RWL etwa mit Schützenvereinen wie in Gymnich, aber auch mit Kirchengemeinden, Schutzhüttenbetreibern, Quartierstreffs und Bürgervereinen.

Schützenfesthalle Katastrophenschutzanlaufstelle Erftstadt Gymnich

Die Festhalle der Schützen soll im Katastrophenfall Anlaufstelle für 300 Menschen sein.

Kinder und Katastrophe

Um das Thema Katastrophenvorsorge möglichst breit in die Öffentlichkeit zu bringen, hat die Diakonie Katastrophenhilfe außerdem gemeinsam mit der Bildungsagentur „fs Infotainment“ die interaktive Aufführung „Die Vorsorgebande“ kreiert und sowohl finanziell als auch inhaltlich unterstützt. „Das ist eines meiner Lieblingsprojekte“, sagt Markus Koth, Koordinator nationale Katastrophenhilfe der Diakonie Katastrophenhilfe, „weil es so kreativ ist und wir damit wirklich viele Menschen erreichen können.“

Die Vorsorgebande, das sind Quinn, das Eichhörnchen, Lumi, die Warnleuchte, Dezibell, der Hund, und Checker, der Notizblock. Gemeinsam mit ihnen lernen Dritt- und Viertklässler in Filmen und Ratespielen, mit Gesang und Bewegung spielerisch, worauf es bei der Vorsorge ankommt. „Und wenn die Kinder dann Lust auf Vorsorge bekommen, werden sie zuhause auch ihren Eltern davon erzählen und sie zum Mitmachen motivieren“, sagt Geschäftsführer Friedhelm Susok, der selbst die Schulen besucht und das Stück dort mit viel Einsatz und Witz moderiert.

Schützenfesthalle Katastrophenschutzanlaufstelle Erftstadt Gymnich Theaterstück die Vorsorgebande

Die Vorsorgebande macht Kindern Lust auf Katastrophenvorsorge.

Krisenresilienz in diakonischen Strukturen

Ein weiteres neues Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe richtet den Blick nach innen in die eigene Organisation und beschäftigt sich mit dem Thema „Krisenresilienz in diakonischen Strukturen“. Julia Schaaf, Koordinatorin Hochwasserhilfe der Diakonie RWL, sagt: „Wir wollen uns breit aufstellen und gemeinsam mit den Einrichtungen auf verschiedene Szenarien wie Hitze, Hochwasser und Stromausfall vorbereiten.“ Dafür sollen Risiken, aber auch vorhandene Ressourcen identifiziert werden. „Viele Einrichtungen verfügen beispielsweise über passende Räumlichkeiten für den Katastrophenfall und Großküchen, aber auch über zahlreiche Ehrenamtliche.“

Für die Pilotphase konnten die Diakonie Düsseldorf und das Diakonische Werk Köln gewonnen werden, die sich mit vier Einrichtungen aus den Bereichen Kita, Pflege, Beratung und Wohnungslosigkeit beteiligen. Ziel ist es, dass innerhalb der zweijährigen Projektlaufzeit beispielsweise Checklisten entstehen, Übungen und Planspiele absolviert sowie Pläne entwickelt werden, damit der Betrieb der Einrichtungen im Krisenfall aufrechterhalten bleibt und die Klient*innen geschützt werden können.   

Text und Fotos: Verena Bretz

Ansprechperson

Verena Bretz
Referentin
Politik und Kommunikation
V.Bretzatdiakonie-rwl.de

Kurztext

Die Diakonie Katastrophenhilfe und das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL kooperieren in der Hochwasserhilfe unter dem Namen Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL). Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sind nahezu alle eingegangenen Spendengelder in Höhe von 47,87 Millionen Euro ausgegeben oder für laufende Projekte fest verplant. Beispielhafte Förderlinien aus dem Diakonie Katastrophenhilfe RWL-Hochwasserhilfeprogramm: Soforthilfen, Haushaltsbeihilfen, Wiederaufbauhilfen, Härtefallhilfen.