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Besuch von NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann

„Die Bahnhofsmissionen sind wichtig für die Menschen in NRW“

NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann stattet der Bahnhofsmission in Dortmund einen Besuch ab. Mit dabei hat er einen Scheck über 1,25 Millionen Euro. Mit dieser Summe fördert die Landesregierung in den nächsten Monaten die Arbeit aller 23 Bahnhofsmissionen in NRW. Wie sie damit Gutes tun können – und was der Minister bei seinem Besuch erlebt hat.

Ehrenamt
Bahnhofsmission Dortmund Karl Josef Laumann
© Katharina Kindsmüller / Diakonie RWL
Bahnhofsmission Dortmund Gruppenbild mit Laumann
© Katharina Kindsmüller / Diakonie RWL
Förderbescheid Bahnhofsmission Dortmund
© Katharina Kindsmüller / Diakonie RWL
Bahnhofsmission Dortmund Karl Josef Laumann
© Katharina Kindsmüller / Diakonie RWL

Im Minutentakt schellt die Glocke an der Eingangstür der Bahnhofsmission am Dortmunder Hauptbahnhof. „Guten Tag, herzlich willkommen bei uns“, begrüßt ein freundlicher Herr in blauer Weste die Klientinnen und Klienten. Die berühmte Weste der „Bahnhofsmission“ zeigt, wer er ist – ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bahnhofsmission.

Jürgen Fuchs ist 66, Sozialpädagoge von Beruf und seit drei Jahren in Rente. „Gutes tun tut gut“, zitiert er ein altes Diakonie-Motto und verdeutlicht damit zugleich seine Motivation für den Job hier. „Ich mache das hier nicht nur für mich, sondern auch, um anderen das Leben ein bisschen leichter zu machen“, erzählt er. Ein- bis zweimal pro Woche schiebt er in der Dortmunder Bahnhofsmission eine Vier-Stunden-Schicht. Ihn begeistert sein Ehrenamt sehr. Und er ist beeindruckt von der Professionalität und Ernsthaftigkeit, mit der Haupt- und Ehrenamtliche hier zusammenarbeiten. „Die Übergabe der einzelnen Dienste ist sehr wichtig. Damit man Bescheid weiß, ob an dem Tag irgendetwas Schwieriges vorgefallen ist.“ So hat er vor Kurzem eine junge Erwachsene mit einer Behinderung, die desorientiert war, in den richtigen Zug zu ihrer Mutter gesetzt – und dabei den Telefonkontakt zur Mutter aufrechterhalten, bis die Frau gut zu Hause angekommen war.

Bahnhofsmission Dortmund Jürgen Fuchs Ehrenamtlicher

Einer von mehreren ehrenamtlich Mitarbeitenden der Bahnhofsmission Dortmund ist Jürgen Fuchs: 66 Jahre alt, Sozialpädagoge von Beruf und seit drei Jahren in Rente.

Zunehmend multikomplexe Probleme

Generell falle auf, sagt Christina Wittler, die stellvertretende Leiterin der Dortmunder Bahnhofsmission, dass einerseits die Bedarfe in den Bahnhofsmissionen ständig steigen würden. Im vergangenen Jahr haben beispielsweise die 23 Bahnhofsmissionen in NRW mehr als eine Million Unterstützungsleistungen für Reisende und Menschen in Notlagen erbracht. Und die Herausforderungen werden zunehmend komplexer, Stichworte: Schulden, Sucht, Sprache. „Wir haben hier manchmal Gäste, da wissen wir gar nicht, was wir zuerst machen sollen“, sagt Wittler. Das aktuell größte Problem sei Wohnungslosigkeit oder drohende Obdachlosigkeit. Und obwohl in der Bahnhofsmission ein strenges Alkohol- und Drogenverbot gelte, habe ihr Team quasi täglich mit Gästen zu tun, die aggressiv seien oder ausfällig werden. „Die psychosozialen Einschränkungen haben deutlich zugenommen“, sagt Christina Wittler. Das sei nicht nur traurig für die Betroffenen. Sondern auch herausfordernd für ihr Team, das hauptsächlich aus ehrenamtlich Engagierten besteht. Deshalb absolviere ihr Team nicht nur regelmäßig Erste-Hilfe-Trainings sondern auch – gemeinsam mit der Polizei – Sicherheitstrainings. „Alle unsere Mitarbeitenden, egal ob haupt- oder ehrenamtlich unterwegs, bekommen auf Wunsch auch regelmäßig Supervision.“

Hoher Besuch mit großem Scheck

Wieder klingelt die Tür – ein älterer Mann, der ein Bein nachzieht, kommt herein, erblickt den Minister und murmelt: „Ach ja, da war ja was.“ Schnell hat er den Weg zum Kaffee-Spender und zu den noch warmen, frischgebackenen Waffeln gefunden.

In der Tat ist an diesem Montagmorgen etwas los in der Bahnhofsmission. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann hat sich angekündigt – und er kommt nicht einfach so aus purem Interesse vorbei, um sich die Arbeit anzuschauen, sondern hat auch richtig viel Geld im Gepäck. Mit 1,25 Millionen Euro fördert die Landesregierung die Arbeit der Bahnhofsmissionen in den kommenden Monaten. Aufgeteilt auf die 23 Bahnhofsmissionen in Nordrhein-Westfalen sind für jede Einrichtung rund 41.000 Euro drin. Insgesamt 300.000 Euro gehen an die drei Landesverbände, die die Bahnhofsmissionen mit ihren Mitgliedseinrichtungen ökumenisch tragen: die Diakonie RWL; der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln und der In Via e.V. Köln. Damit sollen sie landesweite Schulungen durchführen, Fachveranstaltungen und Netzwerkarbeit. Nicht zuletzt sollen damit die öffentliche Sichtbarkeit und die Fundraising-Strukturen gestärkt werden.

Christina Wittler, Karl Josef Laumann, Niels Back

NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann im Gespräch mit Christina Wittler, stellvertretende Leiterin der Dortmunder Bahnhofsmission. 

300 Tassen Kaffee pro Tag

Pfarrer Niels Back, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes in Dortmund und Lünen, erzählt, was er mit dem Fördergeld machen möchte: „Im Sommer heizen sich die Räume unserer Bahnhofsmission stark auf. Deshalb werden wir neue Rollos kaufen. Außerdem bauen wir auf der dem Gleis zugewandten Seite ein Vordach.“ Oft gebe es so viel Andrang, dass die Menschen auch bei Regen und Kälte draußen vor der Bahnhofsmission warten würden. Das soll sich bald ändern.

Zwischen 60 und 160 Menschen würden die Bahnhofsmission in Dortmund an einem durchschnittlichen Tag aufsuchen, berichtet Christina Wittler. „Wir können das nie so genau planen.“ Was aber immer klar sei: Die allermeisten Gäste freuen sich über einen Kaffee. „Bisher haben wir in diesem Jahr 90.000 Tassen Kaffee ausgeschenkt, das sind 300 pro Tag“, sagt sie. Da die Kaffeepreise so stark gestiegen sind, werde man von dem Fördergeld auch Kaffee einkaufen. Und eine neue Spülmaschine sowie einen neuen Kühlschrank. „Damit verbessern wir unsere Energiebilanz“, sagt Wittler.

Minister Laumann ist begeistert von der Arbeit, die hier geleistet wird. „Was am Ende zählt: Man braucht irgendwie einen Zugang zu Barmherzigkeit“, sagt der Minister mit ruhiger Stimme. „Die Bahnhofsmissionen sind wichtig für die Menschen in Nordrhein-Westfalen“, so Laumann. „Als Anlaufstellen für hilfesuchende Reisende, vor allem in der Mobilitätsunterstützung, haben die Bahnhofsmissionen eine großartige Tradition. Für diese Hilfe genießen sie zu Recht Vertrauen und Wertschätzung vieler Reisender. Mehr und mehr leisten die Ehrenamtlichen dort zudem Lebens- und Krisenhilfe in akuten Notsituationen und schaffen Orte gegen Einsamkeit. Mit viel ehrenamtlichem Engagement sind sie ein Musterbeispiel für eine solidarische Gesellschaft, die zusammenhält und jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit unterschiedslos annimmt. Mit unserer Unterstützung wollen wir ein Stück weit dazu beitragen, dass die Bahnhofsmissionen ihre Arbeit unter stabilen Bedingungen fortsetzen können“, erklärt Minister Laumann.
 

Bahnhofsmission Dortmund Karl Josef Laumann

NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann ist begeistert von der Arbeit, die am Bahnhof Dortmund geleistet wird. „Was am Ende zählt: Man braucht irgendwie einen Zugang zu Barmherzigkeit“, sagt er. 

23 Bahnhofsmissionen in Nordrhein-Westfalen 

Neben den engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort freut sich auch Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann sehr über die Förderung: „Wir danken der Landesregierung, insbesondere dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, für die Förderung der 23 Bahnhofsmissionen in Nordrhein-Westfalen und freuen uns, dass die Landesregierung die Bedeutung der Bahnhofsmissionen mit ihren vielfältigen Angeboten und Hilfen vor Ort anerkennt. Etwa eine Million Unterstützungen leisten die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden der Bahnhofsmissionen pro Jahr – allein in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Geld aus dem Landeshaushalt können zum Beispiel neue Unterstützungsmöglichkeiten entwickelt oder die Ehrenamtsarbeit besser gefördert werden.“

Bahnhofsmission Dortmund Karl Josef Laumann, Christian Heine-Göttelmann

Mit dem Geld aus dem Landeshaushalt könnten zum Beispiel neue Unterstützungsmöglichkeiten entwickelt oder die Ehrenamtsarbeit besser gefördert werden, so Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann, hier im Gespräch mit Karl-Josef Laumann.

Wichtiges Signal der Anerkennung

Dr. Frank Johannes Hensel, Direktor des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln, ergänzt: „Diese Förderung ist ein wichtiges Signal der Anerkennung und stärkt alle, die sich in den 23 Bahnhofsmissionen haupt- und ehrenamtlich engagieren. Hilfe, die ankommt bei Reisenden und Menschen in Notlagen, direkt bei geschwächten, beladenen und einsamen Mitmenschen. Bahnhofsmissionen sind Orte der Begegnung.“

In diesem Sinne: Möge das eingesetzte Steuergeld gute Frucht bringen.

Text: Franz Werfel, Fotos: Katharina Kindsmüller / Diakonie RWL

Ansprechperson

Franz Werfel
Stabsstellenleitung
Politik und Kommunikation
F.Werfelatdiakonie-rwl.de

Hintergrund

Die verschiedenen selbstständigen, lokalen Bahnhofsmissionen werden personell und finanziell von den Wohlfahrtsverbänden der Evangelischen und der Katholischen Kirche wie etwa der Diakonie, Caritas oder IN VIA und ihren regionalen und lokalen Unterorganisationen getragen. Oft arbeiten katholische und evangelische Träger dabei vor Ort ökumenisch zusammen.