Team Lila vernetzt sich
Wer beim HR-Barcamp einen klassischen Fachtag erwartet hatte, wurde gleich zu Beginn überrascht: Statt langer Vorträge stand zunächst gemeinsames Singen auf dem Programm. Mit einer eigenen Personal-Version von Hape Kerkelings „Das ganze Leben ist ein Quiz“ kamen die Teilnehmenden in Bewegung und ins Gespräch.
Der ungewöhnliche Eisbrecher setzte den Ton für den weiteren Tag: offen, unkompliziert und auf Augenhöhe. Denn genau darum ging es beim ersten HR-Barcamp West in Düsseldorf. Rund 60 Personalverantwortliche aus diakonischen Einrichtungen tauschten Erfahrungen aus, diskutierten aktuelle Herausforderungen und entwickelten gemeinsam Ideen für die Personalarbeit von morgen.
Vernetzung ermöglichen
Entwickelt wurde das Format von der Diakonie Deutschland. Gemeinsam mit den Landesverbänden lädt sie bundesweit Personalverantwortliche zum Austausch ein. In Düsseldorf richtete der Bundesverband die Veranstaltung gemeinsam mit der Diakonie Hessen und der Diakonie RWL aus.
„Ich weiß, dass Recruiterinnen und Recruiter manchmal für sich alleine kämpfen. Mit den Barcamps möchten wir ihnen ein schönes Format anbieten, damit sie sich begegnen und vernetzen können“, sagte Jana Achtert von der Stabsstelle Fach- und Arbeitskräftestrategie der Diakonie Deutschland. Viele Personalverantwortliche in ihren Einrichtungen stünden vor ähnlichen Herausforderungen, hätten aber nur selten Gelegenheit, sich über Organisationsgrenzen hinweg auszutauschen.

Jana Achtert von der Stabsstelle Fach- und Arbeitskräftestrategie der Diakonie Deutschland spricht beim Barcamp.
Themen aus der Praxis
Bei Barcamps legen die Teilnehmenden die Agenda selbst fest. Dementsprechend vielfältig war der Sessionplan: Diskutiert wurden unter anderem Social Media im Recruiting, modernes Onboarding, internes Talentmanagement, Recruiting mit Künstlicher Intelligenz sowie Employer Branding in der Sozialwirtschaft. Welche Bewerbermanagementsysteme sind wirklich hilfreich? Wie lassen sich Talente im eigenen Haus erkennen und fördern? Und wie gehen Einrichtungen mit einer steigenden Zahl unqualifizierter Bewerbungen um? Dabei stand nicht die Suche nach Patentlösungen im Vordergrund. Vielmehr tauschten die Teilnehmenden Erfahrungen aus und lernten voneinander.
So auch bei der Frage nach der Balance zwischen Seriosität und Attraktivität auf Social Media. Ein Fazit aus der Session: Für viele Interessierte sind Social-Media-Kanäle heute die erste Anlaufstelle, eine Art Visitenkarte im Netz. Sie entscheiden oft darüber, ob eine Organisation als moderner Arbeitgeber wahrgenommen wird. Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag und echte Geschichten aus den Einrichtungen gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung.

Yvonne Donath von der Graf Recke Diakonie schreibt ihren Vorschlag für eine Session auf.
Mensch bleiben im digitalen Wandel
Wie wichtig persönliche Begegnungen trotz aller Digitalisierung bleiben, zeigte die Session „Alles wird digital, aber wie bleiben wir Menschen?“ von Melanie Welp-Bach und Leonie Dahlem, die ihr K3 von der Kaiserswerther Diakonie als Best Practice Beispiel mitgebracht hatten. Der zentrale Treffpunkt wurde geschaffen, um Menschen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen miteinander ins Gespräch zu bringen, Vernetzung zu fördern und neue Ideen entstehen zu lassen.
Ein Gedanke aus der Diskussion, der bleibt: Digitale Prozesse können den Arbeitsalltag erleichtern. Gemeinschaft, Unternehmenskultur und Identifikation entstehen jedoch weiterhin vor allem durch Begegnungen.

Melanie Welp-Bach (links) und Leonie Dahlem pitchen das K3 als Sessionthema.
„Man merkt, dass man mit seinen Fragen nicht allein ist“
Genau dieser Austausch war für viele Teilnehmende der größte Gewinn des Tages. „Ich bin heute hergekommen, weil ich die Gelegenheit nutzen wollte, mich mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen diakonischen Unternehmen auszutauschen. Um ein bisschen aus der eigenen HR-Blase herauszukommen und zu schauen, wo die Personalarbeit insgesamt hingeht“, sagte Janina Leimkühler, Leitung Recruiting bei der Bergischen Diakonie. Auch Yvonne Donath von der Graf Recke Diakonie lobte das Format: „Was ich toll finde am Barcamp ist, dass die Themen aus dem Plenum kommen. Das sind Themen, die die Teilnehmenden wirklich interessieren.“
Ähnlich erlebte es Teemu Schulz von der Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort: „Ich freue mich über den Austausch mit anderen Recruiterinnen und Recruitern außerhalb des normalen Büroalltags. Ich konnte Ideen, Probleme und Lösungsansätze teilen und viele Anregungen mit nach Hause nehmen.“

Janina Leimkühler von der Bergischen Diakonie im Gespräch in ihrer Session.
Aus dem Barcamp soll ein Netzwerk werden
Die Idee der Vernetzung endet dabei nicht mit den Barcamps. Nach den Veranstaltungen im Norden, Süden und Westen folgt im November noch ein weiteres HR-Barcamp für die östlichen Bundesländer in Berlin. „Das wird dann unser großes Finale von vier bundesweiten Barcamps“, sagte Jana Achtert. Darüber hinaus können Personalverantwortliche den Austausch auch in anderen Formaten der Diakonie Deutschland, etwa bei den Recruiting Rockets, fortsetzen.

Diakonie RWL-Recruiterin Leona Roderhoff will den Austausch im Verband stärken.
Auch im Landesverband geht die Vernetzung weiter. „Viele Einrichtungen liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt und beschäftigen sich mit denselben Themen“, sagte Leona Roderhoff, Recruiterin bei der Diakonie RWL. „Wir haben gesehen, wie groß der Bedarf nach Austausch ist. Deshalb möchten wir die entstandenen Kontakte weiterführen und die regionale Vernetzung stärken.“
Die Gespräche sollen deshalb nicht mit dem Veranstaltungsende enden. Aus dem Kick-off soll ein dauerhaftes Netzwerk entstehen, in dem sich Personalverantwortliche regelmäßig austauschen und voneinander lernen können. Dass dieser Wunsch von vielen geteilt wird, zeigte sich am Ende der Veranstaltung: Als gefragt wurde, wer sich ein weiteres HR-Barcamp wünsche, standen alle Teilnehmenden auf. Kein Stuhl blieb besetzt.
Text und Fotos: Jana Hofmann / Diakonie RWL
Ansprechperson
Weitere Informationen
Die ausführliche Session-Dokumentation stellt die Diakonie Deutschland zur Verfügung. Interessierte können eine E-Mail an Jana Achtert schicken: ohneunsgehtnichts [at] diakonie.de (ohneunsgehtnichts[at]diakonie[dot]de)




