Aktuelles
Hauptversammlung 2025

Diakonie lebt Demokratie

Mit dem ehemaligen Bundestag in Bonn hat die Diakonie RWL einen ganz besonderen Ort für ihre diesjährige Hauptversammlung gewählt: Im Ambiente des alten Plenarsaals war das Jahresthema „Demokratie“ für alle Anwesenden deutlich spürbar. Warum die Demokratie-Kampagne 2025 erst der Auftakt ist und welche Herausforderungen in Zukunft anstehen.

Diakonie und Politik
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Klaus Tykwer / Diakonie RWL
Christian Heine-Göttelmann, Kirsten Schwenke, Vorstände Diakonie RWL
© Klaus Tykwer / Diakonie RWL
Visual Recording Hauptversammlung 2025, Marie Jacobi
Live Zeichnung © Marie Jacobi, visualrecording.de
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag, David Senz
© Klaus Tykwer / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Verena Bretz / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Verena Bretz / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Klaus Tykwer / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Verena Bretz / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Verena Bretz / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Verena Bretz / Diakonie RWL
Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag
© Klaus Tykwer / Diakonie RWL

Passender hätte die Kulisse nicht sein können.  An der Rückwand des Saals das deutsche Wappentier, der Bundesadler. In den Sitzreihen des alten Bonner Plenarsaals die Delegierten und Gäste der Diakonie RWL. Aus der Mitte des Plenums jüdische Psalmen des Gitarristen und Sängers David Senz. „Ich bin wirklich berührt von dieser Atmosphäre und ehrlich gesagt auch ein wenig aufgeregt“, sagt vor der Versammlung Kerstin Hensel, die als Verwaltungsrats-Vorsitzende die Hauptversammlung 2025 leitet und dafür gemeinsam mit den Vorständen der Diakonie RWL, Kirsten Schwenke und Christian Heine-Göttelmann, auf dem Podium des Bundestagspräsidenten Platz genommen hat.

Dietmar Arends, hinten Kirsten Schwenke, Kerstin Hensel, Christian Heine-Göttelmann

Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, hat die Versammelten im ehemaligen Plenarsaal mit einer Andacht auf den Tag eingestimmt. 

Bekenntnis zum Sozialstaat

Nach der Andacht von Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, schickt Alexander Schweitzer, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, sein digitales Grußwort an die Versammelten. Darin bekennt er sich klar zum Subsidiaritätsprinzip und zum Sozialstaat: „Eine starke Demokratie braucht einen starken Sozialstaat. Und für beides wollen und müssen wir gemeinsam eintreten“, so Schweitzer.

Seine Kollegin aus Rheinland-Pfalz, Sozialministerin Dörte Schall, betont in ihrem Grußwort ebenfalls den Wert der Demokratie und die Bedeutung eines stabilen Sozialstaats: „Der Sozialstaat lässt niemanden zurück. Er ist das, was uns alle betrifft und was uns als Gemeinschaft zusammenhält. Die Frage ist nicht: Was kostet der Sozialstaat? Sondern: Was kostet kein Sozialstaat?“ Die Freie Wohlfahrt übernehme im Sozialstaat eine Schlüsselrolle. Alle, die sich engagierten, seien Gesichter der Demokratie. Eine gemeinsame Aufgabe sei es nun, „die Demokratie auch dort hinzubringen, wo sie jetzt noch nicht ist“.

Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag

Professor Dr. Lorenz Narku Laing, Rassismusforscher an der Evangelischen Hochschule Bochum, diskutierte mit Dörte Schall, Sozialministerin von Rheinland-Pfalz, und Theresa Dissen, ehemalige Vorsitzende des AStA Münster. Moderiert wurde die Runde von WDR-Moderatorin Jessica Bloem (re.).

Diakonie als Ort der Begegnung

Warum Demokratie so wertvoll ist, wo sie aber auch bedroht ist, darüber diskutiert die Politikerin im Anschluss weiter mit Professor Dr. Lorenz Narku Laing, Rassismusforscher an der Evangelischen Hochschule Bochum, und Theresa Dissen, ehemalige Vorsitzende des AStA Münster. Moderiert wird die Runde von WDR-Moderatorin Jessica Bloem. Die will beispielsweise von Theresa Dissen wissen, was sich junge Menschen von der Diakonie wünschen. „Diakonie sollte seine Funktion als Ort der Begegnung nutzen und mehr junge Leute reinholen“, fordert diese. Außerdem betont sie, wie wichtig es sei, dass sich die Befürworter der Demokratie stärker über Partei- und Altersgrenzen hinweg verbündeten, „um gemeinsam gegen die Feinde der Demokratie zu kämpfen“.

Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag

Die beiden Vorstände der Diakonie RWL, Kirsten Schwenke und Christian Heine-Göttelmann.

Diakonie als "Game-Changer"

Wissenschaftler Laing sieht die Diakonie und all ihre Mitarbeitenden, egal ob haupt- oder ehrenamtlich, als die, „die Demokratie wahr machen und umsetzen“. Ähnlich formuliert es Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke: „Die zentralen Botschaften unserer Demokratie-Kampagne ,Vielfalt leben, Hoffnung geben‘ sind das, was uns als Diakonie ausmacht. Das sehen wir auch hier und heute wieder. Wir können der Game-Changer sein und wollen das als Diakonie weiterhin versuchen.“ Deshalb ende das Jahresthema Demokratie auch nicht mit Ablauf des Jahres 2025. Schwenke: „Demokratie bleibt unser Schwerpunkt.“

Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag, Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat der Diakonie RWL ist das Aufsichtsgremium des Vereins.

Gut vernetzt

Ihre Stärke als Spitzenverband hat die Diakonie RWL im ausklingenden Jahr 2025 erneut in der politischen Lobbyarbeit bewiesen. Die beiden Vorstände Kirsten Schwenke und Christian Heine-Göttelmann haben wieder zahlreiche Anlässe genutzt und geschaffen, um mit Politiker*innen ins Gespräch zu kommen und Politik mitzugestalten, etwa beim Eckpunkte-Papier zur Kita-Finanzierung in NRW, in der Pflege- und Migrationspolitik sowie in der Frage, wie sozialer Wohnraum künftig gestaltet werden kann. „Als Diakonie RWL wollen wir auch künftig unsere Strategie in Dienstleistungsarbeit und Lobbyarbeit für unsere Mitglieder weiterverfolgen“, so Schwenke. Das kommende Jahr wird außerdem geprägt sein von Kirsten Schwenkes Übernahme des LAG-Vorsitzes. Außerdem wird am 1. Januar 2026 die Reform der Anerkennungsverfahren in RWL starten.

Den Einsatz ihres Spitzenverbandes wissen auch die Mitglieder zu schätzen. „Die Diakonie RWL ist in Rheinland-Pfalz bekannt und geschätzt“, sagt Landespfarrer Albrecht Bähr, Vorstandvorsitzender der Diakonie Pfalz.  „Uns alle eint die Demokratie als übergreifendes Thema und das hoffnungsvolle Nach-vorne-Gehen.“ Pfarrerin Barbara Montag, Geschäftsführerin im Diakoniewerk Duisburg, beschreibt die Diakonie als „weites Feld mit komplexen Themen“. Man ringe zusammen und man arbeite zusammen. „Und wie man heute sieht, feiern wir auch zusammen.“ Ähnlich sei es im Verwaltungsrat, deren Mitglied Montag außerdem ist. „Auch dort ringen wir um unsere Positionen, aber die unterschiedlichen Stimmen ergänzen sich gut und wir können gemeinsam lachen“, sagt sie. 
 

Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag

Silvia Raffel, Marvin Schmidt und Alexander Hundenborn (alle Diakonie RWL) auf dem Markt der Möglichkeiten.

Markt der Möglichkeiten

Im Foyer vor dem Plenarsaal bilden mehr als 30 Stände den „Markt der Möglichkeiten“. Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2027 in Düsseldorf, der Wittekindshof und die Pflegekammer NRW präsentieren sich dort ebenso mit ihrer Arbeit wie die Neue Insel in Essen, die evangelische Jugendhilfe Recklinghausen und gleich mehrere Teams der Diakonie RWL. Am Marktstand der Johanniter-Unfall-Hilfe etwa können die Gäste im Fahrsimulator einen Eindruck davon bekommen, wie es sich anfühlt, einen Rettungswagen mit Blaulicht über rote Ampeln zu lenken. „Mit diesem Gerät sensibilisieren wir unsere Beschäftigten für den realen Einsatz, was eine echte Herausforderung sein kann“, sagt André Schmitz von den Johannitern Bergisches Land.

Das Diakonische Werk Saar ist an diesem Vormittag mit seiner lila Couch nach Bonn gereist. Auf dem Sitzmöbel können die Besucher*innen sich mit verschiedenen Mottokarten („Hoffnung macht den Unterschied“, „Diakonie never looked better“) fotografieren lassen. „Diese Aktion haben wir schon in Gottesdiensten und bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen angeboten und freuen uns, dass wir mit unserer Couch auf Reisen nun auch auf dem Markt der Möglichkeiten präsent sind“, sagt Anne Fennel, Geschäftsführerin der Diakonie Saar. „Die heutige Hauptversammlung an diesem historischen Ort zeigt auf beeindruckende Art und Weise, wie sich der Begriff Demokratie mit Leben füllen lässt.“

Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag, Amos Comenius Gymnasium

Diese Mädchen und Jungen besuchen in Bonn das Amos-Comenius-Gymnasium und haben auf dem "Markt der Möglichkeiten" von ihrem Austausch mit Schüler*innen aus dem estnischen Tallinn berichtet.

Jugend und Demokratie

An einem anderen Stand berichten Neuntklässler*innen des evangelischen Amos-Comenius-Gymnasiums in Bonn von ihrem Austausch mit Schüler*innen aus dem estnischen Tallinn. „Wir haben dort in Gastfamilien gelebt, sind zur Schule gegangen, haben aber auch Schlösser und Museen angeschaut“, erzählt der 15-jährige Konstantin. Ihn habe besonders der Besuch im KGB-Museum beeindruckt, das sich der Überwachung und Kontrolle in der ehemaligen Sowjetunion widmet. „Das Tragische ist ja, dass die Esten heute wieder Angst um ihre Demokratie haben.“ Welche Begriffe den Gymnasiasten spontan zum Thema Demokratie einfallen? Solidarität, Unabhängigkeit, Reisefreiheit und Gemeinschaft.

Hauptversammlung 2025 in Bonn, alter Bundestag

Jakov Spiro Culina absolviert sein FSJ in einer Förderschule in Neukirchen-Vluyn. Er ist ein großer Demokratie-Fan. 

"Demokratie ist alles"

Auch Jakov Spiro Culina, der derzeit sein FSJ in einer Förderschule in Neukirchen-Vluyn absolviert und parallel im Delegiertenrat der FSJ-ler aktiv ist, ist ein großer Demokratie-Fan. „Demokratie ist einfach alles“, sagt der junge Mann, der den Marktbesucher*innen die Arbeit der Freiwilligendienste der Diakonie RWL vorstellt. Und während er sich am Markstand des NRW-Landtags ein paar Demokratie-Buttons einsteckt, erzählt er: „Das möchte ich auch den Kindern in meiner Schule klar machen. Deshalb sage ich denen immer, dass Demokratie das Boot ist, das uns alle über Wasser hält.“  

Text: Verena Bretz, Fotos: Klaus Tykwer, Live Zeichnung © Marie Jacobi, visualrecording.de, Verena Bretz

Ansprechperson

Verena Bretz
Referentin
Politik und Kommunikation
V.Bretzatdiakonie-rwl.de

Kurztext

Die Delegierten nahmen in der Hauptversammlung 2025 den Jahresabschluss 2024 sowie den Wirtschaftsplan für das Jahr 2026 an. Außerdem entlasteten sie den Vorstand der Diakonie RWL und den Verwaltungsrat.