Für mehr finanzielle Bildung
Die erste eigene Wohnung, der erste Job, die hohen Kosten eines Führerscheins. Und was sind eigentlich Steuern, wie schließe ich Verträge ab, wofür brauche ich Versicherungen? Das alles sind Themen, die Jugendliche beschäftigen. Doch im Lehrplan ist dafür oft kein Platz.

Thomas Raddatz, Marvin Schröder und Ramona Steffens von der Schuldnerberatung der Diakonie Leverkusen
Mit Finanzbildung "Fit fürs Leben"
Mit dem Präventivangebot "Fit fürs Leben" füllen Thomas Raddatz und sein Team vom Diakonischen Werk im Kirchenkreis Leverkusen diese Lücke. Sie gehen in Abschlussklassen, um junge Menschen in allen Finanzfragen auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. Das Ziel: Den Jugendlichen einen guten Umgang mit Finanzen beibringen und damit einen soliden Grundstein legen, um Schulden vorzubeugen. "Wir erleben häufig, dass bei den Schülerinnen und Schülern noch nicht so ein Bewusstsein dafür da ist, wie teuer das Leben ist und was man bezahlen muss, dass ich vielleicht nicht in der Ausbildung Urlaub, Auto und drei Hobbys haben kann", berichtet Berater Marvin Schröder. Hier gelte es dann, Realitätssinn zu vermitteln.
"Neben der klassischen Schuldnerberatung wurde es in den letzten Jahren immer wichtiger, dass die Ursachen für Verschuldung und Überschuldung beseitigt werden. Und das geht nur mit Prävention, mit Aufklärung und mit Bildung", erklärt Thomas Raddatz. Damit das auch in Zukunft möglich ist, fordert er von der Politik in NRW: "Dass die finanzielle Bildung abgesichert wird und nicht mehr nur projektbezogen finanziert wird. Damit wir besser planen können und Schülerinnen und Schüler auf Dauer mit diesem Angebot erreichen können."

Nadine Bouverie von der Schuldnerberatung der Diakonie Krefeld & Viersen
Präventivarbeit auch für Geflüchtete entscheidend
Die Diakonie Krefeld & Viersen spricht mit ihrer Präventivarbeit neben jungen Menschen auch Geflüchtete an: Dann "werden Sachverhalte erklärt, die vielleicht in dem Herkunftsland ganz anders gehandhabt werden oder auch gar nicht existieren. Was die Schufa ist, oder dass Verträge weiterlaufen, auch wenn man zum Beispiel das Fitnessstudio nicht nutzt. Thema ist auch der Stromabschlag: Viele wissen nicht, dass im Mietvertrag der Strom nicht enthalten ist und ein gesonderter Vertrag mit einem Stromanbieter gemacht werden muss", erklärt Schuldnerberaterin Nadine Bouverie.
Finanzielle Bildung sei letztlich für die gesamte Gesellschaft von Vorteil, fährt Bouverie fort: "Geldsorgen, Überschuldung und Armut führen dazu, dass Menschen ernsthaft krank werden. Sie stecken den Kopf in den Sand und fühlen sich handlungsunfähig. Das ist nicht nur für den Einzelnen schlecht, sondern auch gesamtgesellschaftlich problematisch. Das senkt zum Beispiel die Steuereinnahmen und erhöht die Kosten für das Gesundheitswesen. Finanzielle Bildung sichert wirtschaftliche Teilhabe und verringert das Risiko der Überschuldung."
Text: Katharina Kindsmüller, Fotos: Katharina Kindsmüller, Shutterstock
Ansprechperson
diakonie-rwl.deAktionswoche "Beste Investition Finanzbildung“
Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung findet dieses Jahr vom 2. bis 6. Juni unter dem Motto "Beste Investition Finanzbildung – Wenn aus Minus Plus wird" statt.


