Aktuelles
Treffen von Menschen mit Armutserfahrung

Armutsmauer durchbrechen. Lasst uns aktiv werden!

Wie kann Armut sichtbar gemacht und Betroffene aktiv werden? Damit befassten sich die 80 Teilnehmenden des Treffens von Menschen mit Armutserfahrung in Köln. Das öffentliche Sichtbarmachen des Themas Armut, Formen des Protestes und des Widerstandes standen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Veranstaltung. Mit einem Protestzug durch Köln setzten die Teilnehmenden ein klares Zeichen: Soziale Ausgrenzung muss überwunden werden – Engagement und Zusammenhalt können Veränderung bewirken. 

Armut und soziale Notlagen
Demo beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung
Demo beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung_Heike Moerland
Begrüßung beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung
Demo beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung

Ein Protestzug durch Köln, zahlreiche Workshops und immer wieder Zeit für Gespräche auf Augenhöhe – mit Menschen, die ähnliches durchleben. Zum achten Mal fand nun das Treffen von Menschen mit Armutserfahrung statt. Das Motto in diesem Jahr: "Wir haben die Schnauze voll von Ausgrenzung, Kürzungen im Sozialbereich und bei den Regelsätzen! Lasst uns aktiv werden!" 80 Teilnehmende vernetzten sich in diesem Jahr in der Karl-Rahner-Akademie in Köln. Und erarbeiteten gemeinsam mit Expert*innen in Workshops Strategien, wie sie das Thema Armut in der Öffentlichkeit sichtbar machen können und welche Formen des Protestes und Widerstandes sie dafür nutzen können. 

Begrüßung beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung

Vor und zwischen den Workshops treffen sich die Teilnehmenden immer wieder im großen Saal und tauschen sich aus.

"Lasst uns aktiv werden!

Michaela Hofmann von der Freien Wohlfahrtspflege NRW erläutert: "Beim letzten Treffen ging es darum, lauter und stärker zu werden, damit Armut und soziale Ausgrenzung sichtbar werden. Es war ein gutes Treffen, welches gezeigt hat, dass wir in diesem Jahr in die Aktion kommen müssen.

Und aktiv wurden die Teilnehmenden in diesem Jahr allemal. Beispielsweise im Workshop "Mahnwache und Kundgebung", in dem Interessierte einen Protestzug am Nachmittag inklusive einer kleinen Kunstaktion planten. Im Workshop rund um die Pressearbeit lernten die Teilnehmenden erst, wie sie ihre Botschaften mithilfe von Nachrichtenwerten besser für die Presse aufbereiten können und wurden dann im Interviewtraining selbst aktiv. Aufgenommen und angehört konnten sie von den Rückmeldungen aus der Gruppe lernen. Und wer nicht vor dem Mikro oder der Kamera stehen wollte, aber dennoch künftig seiner Botschaft mehr Gehör verschaffen wollte, der fand sich im Workshop "Petitionen, Widersprüchen, Klagen" wieder oder holte sich Tipps zum Gründen von Netzwerken. 

Demo beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung_Michaela Hofmann

Michaela Hofmann von der Freien Wohlfahrtspflege NRW berichtet vom Treffen von Menschen mit Armutserfahrung.

Mauer zwischen Arm und Reich einreißen 

Am Nachmittag wurde das Theoretische gemeinsam in der Gruppe praktisch umgesetzt: Mit einem Protestzug durch Köln haben die Teilnehmenden auf die schwierige Lage einkommensarmer Menschen aufmerksam gemacht. Dabei trugen sie die Last der Armen und die Leichtigkeit der Reichen auf ihren Schultern – für die Öffentlichkeit sichtbar durch gestaltete Kartons. So stand auf der Seite der Reichen beispielsweise "Zeit für Luxusreisen" und auf der Seite der Armen "Kein Geld für Hobbies". Die Kluft zwischen Arm und Reich wurde dabei spätestens auf dem Neumarkt in Köln deutlich. Die Protestierenden fügten die Kartons – 26 an der Zahl – zu einer Mauer zusammen. Standen auf der bunten Seite, die Seite der Reichen, viele schöne Dinge, hinterließ die Kehrseite der Mauer bei den Betrachter*innen ein mulmiges Gefühl. Auf großen roten Zetteln wurde der Alltag von Menschen mit Armutserfahrung abgebildet: "Brille oder Schuhe","Kein Internet", "Armut macht einsam", "Kein Dach über dem Kopf", "Armut kennt keine Pause". Getreu dem Motto des Treffens "Wir haben die Schnauze voll von Ausgrenzung, Kürzungen im Sozialbereich und bei den Regelsätzen! Lasst uns aktiv werden!" rissen die Protestierenden die Mauer ein. Die Aufmerksamkeit der Passant*innen war ihnen damit gewiss.  

Demo beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung

Protestierende ziehen mit plakativen Sprüchen die Aufmerksamkeit der Passant*innen auf sich und machen so das Thema Armut in der Öffentlichkeit sichtbar. 

Heike Moerland, Armutsexpertin und Leitung des Geschäftsfelds Berufliche und soziale Integration bei der Diakonie RWL, blickt auf das diesjährige Treffen: "Ich bin wieder einmal beeindruckt von der Entschlossenheit und dem Engagement der Teilnehmenden: Ihr Einsatz, ihre Offenheit und Bereitschaft, sich gemeinsam für ein Leben ohne Armut und eine Beseitigung der strukturellen Ungleichheit einzusetzen, sind ein starkes Zeichen dafür, dass Veränderung möglich ist." Aber sie macht auch deutlich: "Ein soziales Miteinander ist schwer möglich, wenn sich Reich und Arm immer weiter voneinander entfernen.

Deshalb machen sich Caritas, AWO, Diakonie, DRK, Der Paritätischer und die Jüdischen Gemeinden seit Jahren dafür stark, dass das Thema Armutsbekämpfung auf der Agenda bleibt. Gute Ideen und Projekte gibt es schließlich genug. 

Demo beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung_Heike Moerland

Heike Moerland, Armutsexpertin bei der Diakonie RWL, hat das Treffen und die Demo begleitet und ist wieder einmal beeindruckt von der Entschlossenheit und dem Engagement der Teilnehmenden.

Text: Andreas Brockmann und Celina Winter, Fotos: Andreas Brockmann und Celina Winter 

Ansprechpersonen

Heike Moerland
Geschäftsfeldleitung
Berufliche und soziale Integration
H.Moerlandatdiakonie-rwl.de
Celina Winter
Referentin
Politik und Kommunikation
C.Winteratdiakonie-rwl.de

Kurztext

Beim Treffen von Menschen mit Armutserfahrung nahmen in diesem Jahr 80 Menschen teil. Das Motto: "Wir haben die Schnauze voll von Ausgrenzung, Kürzungen im Sozialbereich und bei den Regelsätzen! Lasst uns aktiv werden!"