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Nachhaltigkeit

Ausflug auf die "Neue Insel"

Ein Ort, der Arbeit und Erholung verbindet und gleichzeitig nachhaltig, ökologisch und sozial ist - den will die „Neue Arbeit“ der Diakonie Essen auf dem Areal der Spillenburger Mühle in Essen-Bergerhausen schaffen. Entlang des Ruhrtalradwegs sollen ein Fahrradhostel, eine Kapelle, Gastronomie sowie Eventräume und Büros entstehen. In unmittelbarer Nachbarschaft außerdem Werkstätten zur Arbeitsförderung. Der Name des innovativen Bauprojekts: "Neue Insel".

Arbeit und berufliche Bildung
Ein Bauarbeiter fährt mit einer Betonmaschine über den Boden der geplanten Eventhalle.
© Neue Arbeit
Die Luftaufnahme zeigt das Geländer der Spillenburger Mühle, das von einem Nebenarm der Ruhr umgeben ist.
© Neue Arbeit / Diakonie Essen
Ein Schild an der Außenmauer des Wasserkraftwerks Spillenburger Mühle.
© Neue Arbeit
Neben dem Gelände, das von viel Grün umgeben ist, fließt die Ruhr entlang.
© Neue Arbeit
Noch ist die Halle eine Baustelle. Wenn sie fertig ist, wird dort gefeiert.
© Neue Arbeit
Vor dem Gebäude auf dem Areal der Spillenburger Mühle steht ein Baugerüst.
© Neue Arbeit
Zwei Holzliegen zum Ausruhen auf dem Außengelände der "Neuen Insel".
© Neue Arbeit
Michael Stelzner, Geschäftsleitung "Neue Arbeit" Essen, und Andreas Bußmann, Projektleitung "Neue Insel", in der künftigen Eventhalle.
© Neue Arbeit

Dort, wo an diesem Nachmittag Baufahrzeuge über eine triste Betonfläche kurven, können in Zukunft Brautleute ihren Hochzeitswalzer tanzen. Aus der ehemaligen Schreinerei wird ein Restaurant. Und wo derzeit noch Dornenbüsche und Brennnesseln wuchern, soll schon bald ein Biergarten samt Kinderspielplatz entstehen. Das Prestigeprojekt der "Neue Arbeit der Diakonie Essen gGmbH" auf dem Areal der Spillenburger Mühle heißt "Neue Insel". Insel deshalb, weil das Gelände von einem Nebenarm der Ruhr umgeben ist. Der jetzige Eigentümer hat es vor mehr als 30 Jahren erworben und das Wasserkraftwerk, das einmal eine Mühle war, wieder in Betrieb genommen. In der neuen Planung spielt das Kraftwerk eine zentrale Rolle, denn aus Wasserkraft soll künftig auch der Strom für den gesamten Komplex gewonnen werden.

Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke hält die Gründungsurkunde der Inklusionsgesellschaft "Neue Insel" in den Händen, neben ihr stehen Michael Stelzner (li.) und Matthias Jacobstroer, beide Geschäftsleitung "Neue Arbeit".

Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke mit der Gründungsurkunde der Inklusionsgesellschaft "Neue Insel", neben ihr Michael Stelzner (li.) und Matthias Jacobstroer, beide Geschäftsleitung "Neue Arbeit". 

Inklusionsgesellschaft gegründet

"Wir möchten auf der Insel ein Nachhaltigkeitskonzept zum Anfassen schaffen: Umweltschutz verbindet sich mit sozialer Verantwortung und Inklusion, die Schleuse ist der ökologische Kern des Ganzen", sagt Michael Stelzner, Geschäftsführung "Neue Arbeit". Die Einrichtung der Diakonie setzt das Projekt in Kooperation mit der Stadt Essen und gemeinsam mit Stephan Rettenmaier, dem Eigentümer des Geländes, als Privatinvestor um und tritt selbst als Pächter auf. Eigens dafür hat sie eine Tochtergesellschaft gegründet: Mitte August wurde der entsprechende Vertrag für die Inklusionsgesellschaft "Neue Insel" unterschrieben, in der auch Langzeitarbeitslose beschäftigt werden.   

In dem restaurierten Foodtruck werden Waffeln und Getränke verkauft.

Gäste der "Neuen Insel" können am Foodtruck Waffeln, Kuchen und Salat kaufen.

Natur und Industriekultur

Erster Spatenstich für das umfangreiche Bauprojekt - umgebaut wird behutsam im Bestand - war schon im Mai 2021, doch seitdem kam es immer wieder zu Verzögerungen. Die ursprünglich für März 2023 geplante Eröffnung musste bereits verschoben werden. "Es geht voran, allerdings langsamer als geplant. Die Folgen der Corona-Pandemie und des Angriffskriegs in der Ukraine sind nicht spurlos an uns vorbeigegangen", berichtet Michael Stelzner. Doch trotz Bauarbeiten machen schon heute viele Radfahrer und Spaziergänger ihre Zwischenstopps auf dem Gelände, kaufen sich am himmelblauen Oldtimer-Foodtruck eine Limo, frisch gebackene Waffeln oder einen Salat im Glas und ruhen sich auf den Recycling-Möbeln aus, die in der Holzwerkstatt der "Neuen Arbeit" entstanden sind. "Der Ruhrtalradweg gehört zu den beliebtesten Fahrradrouten Deutschlands", sagt Stelzner. "Und die Lage hier auf der Ruhrinsel und das Ambiente mit Natur und Industriekultur sind einfach einmalig."

Die alte Industriehalle wird umgebaut, damit dort künftig gefeiert werden kann.

Die Bauarbeiten haben sich verzögert, noch ist die künftige Eventhalle eine Baustelle. 

Feiern und arbeiten

Für ihn ist es daher wenig überraschend, dass es schon jetzt zahlreiche Buchungsanfragen für die Eventhalle gibt, obwohl das Gebäude noch Baustelle ist. Im Idealfall sollen aber schon im Frühjahr 2024 bis zu 150 Personen in der Halle feiern und durch eine große Glasfront über die Insel schauen können. Auch Büros für Verwaltungsmitarbeitende der "Neue Arbeit" sind dort geplant.

Die Betten im Fahrradhostel werden aus recycelten Kirchenbänken gebaut.

Die Betten im Fahrradhostel werden teils aus recycelten Kirchenbänken gebaut.

Nachhaltig und barrierefrei

Gleich neben der Brücke, die von der Westfalenstraße auf die Insel führt, soll ein Fahrradhostel entstehen. "Alle knapp 30 Zimmer werden barrierefrei sein", kündigt Andreas Bußmann, Projektleiter "Neue Insel", an. Und die Möbel, so Bußmann weiter, werden größtenteils in der eigenen Holzwerkstatt recycelt und gebaut. "Wir verwenden dafür ausschließlich Altholz. Aus ausrangierten und gespendeten Kirchenbänken bauen wir dann etwa Betten", erklärt er. Ein Großteil der Inneneinrichtung sei bereits fertig. "Die Möbel lagern wir derzeit noch ein." 

Ebenfalls an der Einfahrt zur Insel ist eine Kapelle für Taufen und Trauungen geplant. Die Idee dahinter: "Paare können sich bei uns auf der Insel das Ja-Wort geben und dieses gleich nebenan im Trauzimmer standesamtlich besiegeln lassen", kündigt Bußmann an. "Später können sie in unserem Restaurant regionale Crossover-Küche genießen und abends in der Halle ihre große Party feiern – das komplette Rundum-Paket." Auf der Außenfläche gleich hinter der Eventhalle soll darüber hinaus eine außergewöhnliche Fotokulisse mit Oldtimerfahrzeugen entstehen, die ebenfalls größtenteils in den Diakonie-eigenen Gewerken restauriert werden. Auch ein Schiff ist als besondere Attraktion dabei: die "Moornixe".

Michael Kobsa und Thomas Hülsmann (v.l.) zeigen Michael Stelzner, Geschäftsführung "Neue Arbeit", und Andreas Bußmann, Projektleitung "Neue Insel", das Wrack der "Moornixe".

Die "Moornixe" soll künftig als begehbares Denkmal und Fotomotiv ihren Platz auf der "Neuen Insel" finden. 

Rückkehr der "Moornixe"

Die "Moornixe" wurde im Jahr 1930 in Essen gebaut, war ab 1933 als erster Ausflugsdampfer auf dem Baldeneysee unterwegs, wurde zwischendurch nach Norddeutschland verkauft, dann wieder zurückgekauft, aufwändig restauriert und zuletzt als Liebhaberobjekt heimgeholt ins Ruhrgebiet. Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 jedoch wurde das Schiff von seinem Ankerplatz in Mülheim losgerissen, zwischen die Walzen eines Wehrs getrieben und darin zerquetscht. Fahren wird die "Moornixe" also nie wieder. "Aber wir wollen das Wrack so gut es geht restaurieren, auf die Bordwand wieder den ursprünglichen Namen 'Baldeney' pinseln und es dann als begehbares Denkmal den Menschen zugänglich machen", kündigt Bußmann an.

Eine Besuchergruppe der Diakonie RWL auf der Zufahrtsbrücke zur "Neuen Insel".

(v.l.) Marc Nottelmann, Ina Heythausen, Heike Moerland, Anke Klanten und Vorständin Kirsten Schwenke von der Diakonie RWL sowie Michael Stelzner, Andreas Bußmann und Matthias Jacobstroer, alle "Neue Arbeit" Essen. 

Riesiges Potential

Vor einigen Wochen hat Diakonie RWL-Vorständin Kirsten Schwenke die "Neue Insel" besucht, um sich einen ersten Eindruck von dem Projekt zu machen. Ihr Fazit: "Was hier geschaffen wird, ist innovativ und wirklich tief beeindruckend. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Standort riesiges Potential hat und ein beliebter Anlaufpunkt für die Menschen in der gesamten Region werden kann." Für die Verantwortlichen soll die Insel in der Ruhr darüber hinaus "ein wichtiges Standbein" werden, betont Michael Stelzner: "Dieses Projekt trägt hoffentlich dazu bei, dass wir auch künftig  - besonders vor dem Hintergrund zahlreicher Sparmaßnahmen - gut aufgestellt sind."

Text: Verena Bretz, Fotos: Neue Arbeit, Luca Korthals/Neue Arbeit, Bretz

Ansprechperson

Ina Heythausen
Referentin
Berufliche und soziale Integration
I.Heythausenatdiakonie-rwl.de

Infobox

Rückkehr der "Moornixe"

Am Freitag, 20. Oktober, feiert die "Neue Insel" die Rückkehr der "Moornixe" als Denkmal in ihrem Heimathafen. Das Inselfest beginnt um 14 Uhr und dauert das ganze Wochenende.