Neue Studie zu Langzeitarbeitslosigkeit
Durch qualitative Leitfaden-Interviews von eigens dafür geschulten Langzeitarbeitslosen mit anderen Betroffenen sind ehrliche Einblicke in individuelle Lebenslagen entstanden.
Zentrale Ergebnisse: Langzeitarbeitslosigkeit ist ein sich selbst verstärkender Zustand. Die Betroffenen haben Angst davor, auf dem ersten Arbeitsmarkt niemals wieder bestehen zu können. Dadurch verstärken sich Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Probleme und Einschränkungen, was den Wiedereinstieg zusätzlich erschwert. Begleitung auf Augenhöhe ist wichtig. Und: Die im SGB II vorhandenen Instrumente sind gut, können aber aufgrund von finanziellen und personellen Mängeln ihr Potenzial nicht voll entfalten. Zitat einer Betroffenen: „Die Krankheit hat mich arbeitslos gemacht und die Arbeitslosigkeit macht mich krank. Und das ist der Kreislauf, der sich immer weiter fortsetzen würde.“
Als langzeitarbeitslos gelten Menschen in Deutschland, wenn sie im erwerbsfähigen Alter ein Jahr lang ohne Arbeit waren. Die Studie möchte zur Versachlichung der Debatte um Langzeitarbeitslosigkeit beitragen, Ursachen benennen und Handlungsoptionen aufzeigen. Die Studie liefert Einblicke in die Isolation und die Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Ausgrenzung und Wertlosigkeit von Langzeitarbeitslosen, zeigt aber auch Lösungsansätze auf, wie die Rückkehr in den Arbeitsmarkt gelingen kann.
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass Betroffene individuell und vertrauensvoll begleitet werden müssen. Dies ist in der fragilen Phase des Übergangs in den ersten Arbeitsmarkt unbedingt notwendig. Kirsten Schwenke, Vorständin des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe, sagt dazu: „Statt Sanktionsandrohungen müssen die subjektiven Ängste der Betroffenen ernst genommen werden. Die Ideen und Ressourcen der Betroffenen müssen gespiegelt und verstärkt werden. Unsere diakonischen Beschäftigungsträger haben Erfahrungen damit, wie ein solches individuelles Coaching auf Augenhöhe gelingen kann und wie ein Teil der langzeitarbeitslosen Menschen an Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes herangeführt werden kann. Die Instrumente sind da – die Politik sollte sie aber cleverer einsetzen und mit ausreichend Geld untersetzen.“
Die Studie wurde unter anderem von der Evangelischen Kirche im Rheinland mitfinanziert und steht ab sofort kostenfrei zum Download bereit: https://arbeit-lohnt-sich-immer.de
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