Neue Anlaufstellen für den Katastrophenfall
Für den Ernstfall vorbereitet
Fünf Jahre sind vergangen, seit das verheerende Hochwasser im Juli 2021 in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 180 Menschen das Leben genommen und materielle Schäden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verursacht hat.
„Drei Tage im Juli 2021 haben das Schicksal tausender Menschen in den Hochwasserregionen einschneidend verändert. Ihre Wunden werden nie ganz verheilen“, sagt Kirsten Schwenke, Vorständin Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL. „Dank der großen Spendenbereitschaft konnten unsere mobilen Teams seitdem mehr als 25.000 Betroffene umfassend beraten sowie finanziell und psychosozial unterstützen. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit nutzen wir, um künftig besser auf Krisensituationen vorbereitet zu sein. Je mehr Menschen im Ernstfall eigenverantwortlich und richtig handeln, um ihre Familien, Nachbarn und Freunde zu unterstützen, desto besser.“ Für schnelle und passgenaue Hilfe wird die Diakonie Katastrophenhilfe RWL dafür bereits vorhandene lokale Strukturen nutzen.
Gefahr für Jahrhunderthochwasser steigt
An drei Standorten – in Erftstadt und Eschweiler in NRW sowie in Hönningen in Rheinland-Pfalz – baut die Diakonie Katastrophenhilfe RWL zivilgesellschaftlich getragene Katastrophenschutzanlaufstellen (Kat-A) auf. Dafür greift sie auf vorhandene lokale (Infra-)Strukturen zurück und kooperiert etwa mit Schützenvereinen, Kirchengemeinden, Schutzhüttenbetreibern, Quartierstreffs und Bürgervereinen.
Das Projekt läuft bis Ende 2027 und schließt an bisherige Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge und bedarfsorientierter Quartiersarbeit an. Bereits in den vergangenen Jahren wurden an zehn Standorten im Hochwassergebiet zusammen mit Kooperationspartnern Quartiere gefördert, in denen Menschen gemeinschaftlich ihre Ideen umsetzen, um sich besser an Klimawandelfolgen anzupassen und Katastrophenvorsorge umzusetzen.
Die neuen Katastrophenschutzanlaufstellen entwickeln diesen Ansatz weiter. Sie sollen den vorhandenen Bevölkerungsschutz ergänzen, Schnittstelle für Behörden sein und die Hilfe und Selbsthilfe der Bevölkerung fördern.
„Die Katastrophe vor fünf Jahren hat gezeigt: Die Folgen des Klimawandels machen sich auch in Deutschland bemerkbar. Die Menschen müssen sich besser auf Krisensituationen wie etwa Überschwemmungen oder lange Hitzeperioden einstellen. Das Risiko für Jahrhunderthochwasser steigt in vielen Landkreisen Deutschlands an. Für solche potenziellen Katastrophen kann man sich gemeinschaftlich wappnen und vorbereiten“, sagt Martin Keßler, Leiter Diakonie Katastrophenhilfe.
Neben möglichen Naturkatastrophen kämen auch andere Herausforderungen auf die Menschen zu. „Der tagelange Blackout in Berlin im Winter hat deutlich gemacht, wie wichtig funktionierende Strukturen sind und Selbsthilfe über Krisen hinweghilft“, so Keßler weiter. „Vorsorge macht sich bezahlt.“
Info
Die Diakonie Katastrophenhilfe und das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL kooperieren in der Hochwasserhilfe unter dem Namen Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL).
Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sind nahezu alle eingegangenen Spendengelder in Höhe von 47,87 Millionen Euro ausgegeben oder für laufende Projekte fest verplant.
Beispielhafte Förderlinien aus dem Diakonie Katastrophenhilfe RWL-Hochwasserhilfeprogramm: Soforthilfen, Haushaltsbeihilfen, Wiederaufbauhilfen, Härtefallhilfen.
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