Gute Beratung nicht aufs Spiel setzen
"Erste diakonische und kirchliche Träger haben ihren Ausstieg aus der Asylverfahrens- sowie Psychosozialen Erstberatung und den Beschwerdestellen in den Landesunterkünften bereits beschlossen, sofern nicht eine andere unmittelbare finanzielle Unterstützung zeitnah und verbindlich zugesagt wird", warnt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers. "Weitere Träger werden folgen, wenn die Landesregierung jetzt nicht gegensteuert."
Dringend notwendig: Berater mit hoher Expertise
Für viele der rund 150.000 Geflüchteten in NRW, über deren Bleibeperspektive noch entschieden werden müsse, sei das fatal, ergänzt Manfred Hoffmann, Migrations- und Flüchtlingsexperte der Diakonie RWL. "Diese Menschen, von denen etwa 40 Prozent als traumatisiert gelten, brauchen Fachleute mit Expertise, die sie bei ihren Asylanträgen beraten und auch psycho-sozial unterstützen." Das entlaste die Behörden und ebne den Weg zu einer gelingenden Integration.
Doch bei den neuen Fördervorgaben legt das Land das Gehalt von Berufseinsteigern zugrunde und entzieht der qualifizierten Beratungsarbeit damit die Grundlage. "Die örtlichen Träger der freien Wohlfahrt wissen nicht, wie sie die Gehälter ihrer erfahrenen Fachleute auf tariflicher Grundlage weiter finanzieren können", erklärt Oelkers.
Stellen künftig nur zu 80 Prozent finanziert
NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp will die Regeln des Förderprogramms "Soziale Beratung von Geflüchteten" ändern. Bisher hat das Land 99 Prozent der tatsächlichen Personalkosten bei der Flüchtlingsberatung in Landesunterkünften refinanziert. Ab Januar 2021 bekommen die Wohlfahrtsverbände nur noch maximal 80 Prozent der Personalkosten erstattet. Betroffen sind insgesamt 134 Stellen: 81 in der Asylverfahrensberatung, 38 Beschwerdestellen (Teilzeit), 26 Stellen in der Psychosozialen Erstberatung und fast 30 in der Ausreise- und Perspektivberatung.
Die Diakonie RWL würde es begrüßen, wenn die Mitglieder des Integrationsausschusses nun ihre fachpolitische Expertise wirkungsvoll in den Diskurs mit der Landesregierung einbringen.