Freiwilligendienste stärken heißt, sie verlässlich zu finanzieren
„Freiwilligendienste stehen und fallen mit ihrer Finanzierung“, sagt Mathias Schmitten, Leiter des Zentrums Freiwilligendienste der Diakonie RWL. „Hier sind Bund und Länder gemeinsam gefordert.“
Für den Bundesfreiwilligendienst trägt der Bund einen wesentlichen Teil der Förderung. Beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) sind auch die Länder gefragt. In Nordrhein-Westfalen fehlt bislang eine Regelförderung des FSJ aus Landesmitteln. Schmitten: „Wenn Freiwilligendienste für alle zugänglich und attraktiver werden sollen, muss Nordrhein-Westfalen auch beim FSJ seinen Beitrag leisten. Andere Bundesländer fördern das FSJ längst zusätzlich aus eigenen Mitteln. Nordrhein-Westfalen muss hier nachziehen.“
Ministerin Prien kündigte zugleich an, noch in diesem Jahr einen Entwurf für das Bundesgesellschaftsdienstegesetz vorzulegen. Das geplante Gesetz soll den Bundesfreiwilligendienst und einen möglichen neuen Zivildienst neu regeln. Aus Sicht der Diakonie RWL muss der Anspruch der Ministerin dabei für alle Freiwilligendienste gelten. „Die Weiterentwicklung des BFD und die Vorbereitung eines möglichen Zivildienstes dürfen nicht dazu führen, dass das FSJ und andere Jugendfreiwilligendienste zurückbleiben“, sagt Schmitten. Dabei gehe es auch um Fairness: „Es wäre schwer erklärbar, wenn ein Mann im Zivildienst deutlich bessergestellt wäre als eine Frau, die eine vergleichbare Tätigkeit in derselben Einrichtung freiwillig im FSJ leistet.“
Schon heute schreibt das Bundesfreiwilligendienstgesetz vor, dass Freiwillige im BFD das gleiche Taschengeld erhalten wie FSJ-Freiwillige mit vergleichbarer Tätigkeit in derselben Einsatzstelle. Aus Sicht der Diakonie RWL muss dieser Grundsatz auch bei der Neuordnung gelten – auch im Verhältnis zu einem künftigen Zivildienst.
Für Schmitten liegt eine besondere Stärke der Freiwilligendienste in ihrer Offenheit. Sie stehen Menschen unabhängig von Geschlecht und Wehrfähigkeit offen, der BFD zudem Menschen jeden Alters. In den Freiwilligendiensten engagieren sich Frauen und Männer, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen aus dem Ausland und Menschen nach dem Berufsleben. Ein möglicher Zivildienst wäre dagegen an eine Einberufung im Rahmen der Wehrpflicht gebunden. Schmitten: „Diese Offenheit darf bei der Neuordnung keinesfalls aus dem Blick geraten. Wer Freiwilligendienste für alle stärken will, muss auch das FSJ stärken.“
Zahlenmäßig spielt dabei das FSJ eine zentrale Rolle: Von den bundesweit rund 80.000 Freiwilligen in FSJ und BFD leisten rund 60 Prozent ein FSJ – also genau der Dienst, für den die Landesförderung in NRW fehlt. Für Mathias Schmitten geht es dabei um mehr als Finanzierung und gesetzliche Rahmenbedingungen: „Freiwilligendienste sind mehr als die zivile Seite einer Wehrdienstdebatte. Freiwillige erleben in ihrem Dienst, dass sie wirklich etwas bewegen können – jetzt, an einem konkreten Ort, mit konkreten Menschen. Solche Erfahrungen tragen eine Demokratie und machen eine Gesellschaft widerstandsfähig. Dieses Potenzial schöpft Deutschland noch lange nicht aus.“
Die Diakonie RWL erprobt selbst, wie Freiwilligendienste für unterschiedliche Menschen zugänglich werden können – etwa mit einem Programm für benachteiligte Jugendliche, inklusiven Freiwilligendiensten und einem Modellprojekt für Menschen ab 60 Jahren.
Über das Zentrum Freiwilligendienste der Diakonie RWL
Das Zentrum Freiwilligendienste des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe – Diakonie RWL begleitet jährlich fast 2.000 Freiwillige im FSJ und im BFD in rund 1.500 Einsatzstellen.
Pressekontakt
Für Rückfragen und Interviews gern direkt und kurzfristig telefonisch:
Mathias Schmitten, Leiter des Zentrums Freiwilligendienste der Diakonie RWL
Tel. 0160 8473650 | m.schmitten [at] diakonie-rwl.de (m[dot]schmitten[at]diakonie-rwl[dot]de)
Ansprechperson

