Pflegekräfte im Spezialeinsatz
Die Diakoniestation der Stiftung St. Johannisstift in Paderborn gehörte zu den ersten Einrichtungen in der Region, die die neue Qualifizierung gemäß §§ 132, 132a Abs. 4 SGB V erhalten haben. „Als spezialisierter Leistungserbringer für die Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden wird das Ziel einer hochwertigen medizinisch-pflegerischen Betreuung in der häuslichen Umgebung weiter gestärkt“, sagt Andreas Bogusch, Fachbereichsleiter ambulante Altenhilfe in der Stiftung St. Johannisstift. „Den unmittelbaren Vorteil davon haben Patientinnen und Patienten, die auf eine individuelle und fachlich fundierte Wundversorgung angewiesen sind.“

Swetlana Merkel, verantwortliche Fachtherapeutin und Leiterin des Expertenteams der Diakoniestation der Stiftung St. Johannisstift in Paderborn.
Umfassende Expertise
Denn chronische oder schwer heilende Wunden bedeuteten für viele Betroffene eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. „Unsere spezialisierten Pflegefachkräfte in der Diakoniestation verfügen jetzt über erweiterte Kompetenzen in der Wundversorgung und beraten nach ganzheitlichen Gesichtspunkten“, beschreibt Pflegedienstleiter Michael Rempel den Nutzen für Betroffene. „Der besondere Vorteil, den wir als ambulanter Pflegedienst haben, ist die umfassende Perspektive: Weil wir die Menschen regelmäßig zuhause besuchen, können wir in unsere Anamnese und Behandlung die jeweilige Erkrankung, das soziale Umfeld und die persönlichen Bedürfnisse mit einbeziehen.“
Was das konkret bedeutet, erklärt Swetlana Merkel, verantwortliche Fachtherapeutin und Leiterin des Expertenteams der Diakoniestation. „Durch unseren besonderen Zugang zu den Patientinnen und Patienten haben wir die Möglichkeit, das Problem an der Basis nachhaltig zu behandeln und im besten Fall langfristig zu beseitigen.“ So könne das Wundexpert*innen-Team auch herausfordernde Situationen, etwa bei schmerzenden und stark nässenden Wunden, gezielt verbessern. Das Ergebnis: mehr Wohlbefinden für die Betroffenen, mehr Selbstvertrauen und dadurch wieder eine stärkere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Anja Köhler, Referentin im Zentrum Pflege der Diakonie RWL
Kosten reduzieren
Von der neuen Qualifikation profitierten auch die behandelnden Ärzt*innen. Denn durch die digitale Wunddokumentation, die fundierte pflegerische Anamnese und die Vorbereitung von Verordnungsformularen werde die ärztliche Arbeit deutlich entlastet, so Merkel weiter. Das Kompetenzteam der Diakoniestation könne seine Expertise aktiv in die Behandlungsplanung einbringen und durch aktuelle pflegerisch-medizinische Erkenntnisse die Wundheilung unterstützen – mit dem Ziel, Heilungsprozesse zu beschleunigen und Komplikationen zu vermeiden.
Auch für Krankenkassen bedeute die spezialisierte Wundversorgung einen Mehrwert, sagt Anja Köhler, Krankenschwester und Referentin für ambulante Pflege bei der Diakonie RWL. Moderne Behandlungsmethoden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft könnten die Behandlungsdauer verkürzen, Nebenwirkungen reduzieren und so zur Kostenreduktion beitragen.
Die Integration der spezialisierten Wundversorgung in das Leistungsangebot der Diakoniestation biete auch pflegenden Angehörigen spürbare Entlastung. So könnten durch die Begleitung zuhause beispielsweise Fahrten zum behandelnden Arzt reduziert werden. Zudem profitierten das Entlassmanagement und die Sozialdienste der Krankenhäuser. Köhler: „Durch die qualifizierte Nachsorge im häuslichen Umfeld können Krankenhausaufenthalte verkürzt oder Wiedereinweisungen vermieden werden.“
Attraktiv für Pflegefachkräfte
Mit der neuen Anerkennung positioniert sich die Diakoniestation zudem als attraktiver Arbeitgeber für Pflegefachkräfte, die ihre Kenntnisse in moderner Wundversorgung anwenden und weiterentwickeln möchten. „Die Zertifizierung ist für uns ein Meilenstein“, sagt Andreas Bogusch. „Sie bestätigt unsere fachliche Kompetenz und ermöglicht es uns, Patientinnen und Patienten in komplexen Versorgungssituationen noch gezielter zu unterstützen. Damit stärken wir die Lebensqualität der Menschen, die uns ihr Vertrauen schenken.“
Die Zulassung erfolgte in enger Abstimmung mit der Diakonie RWL und setzt die bundesweite Rahmenempfehlung zur besseren Versorgung von Menschen mit chronischen und schwer heilenden Wunden gemäß §§ 132, 132a Abs. 4 SGB V um. Der Weg zur Leistungserbringung sei lang und nicht einfach gewesen, berichtet Diakonie RWL-Referentin Anja Köhler. Zwischen den Landesvertretern der Kostenträger und den Vertretern der Leistungserbringer musste vor dem Hintergrund unterschiedlicher Interessen der passende Rahmen zwischen wirtschaftlicher Leistungserbringung und Kostenexplosion im Gesundheitswesen gefunden werden. Köhler: „Eine Einigung konnte erst im Sommer 2025 mittels einer externen Schiedsperson in Form eines Schiedsspruches zur Leistungserbringung erreicht werden.“
Seit Oktober 2025 können ambulante Pflegedienste nun unter bestimmten Voraussetzungen der Ergänzungsvereinbarung beitreten. Die Diakonie RWL ist dafür in engem Austausch mit interessierten Diensten. Inzwischen haben rund zehn weitere ambulante Dienste die spezialisierte Wundversorgung in ihr Leistungsangebot integriert.
Text: Kristina Schütze / Johannisstift, Verena Bretz Fotos: Harald Merbecks / Johannisstift, Verena Bretz / Diakonie RWL, LAONG / Shutterstock.com, Diakonie Wuppertal
Ansprechperson
Kurztext
Leistungserbringer, die sich auf die Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden spezialisiert haben (sogenannte spezialisierte Leistungserbringer) können diese Leistung beim Patienten im häuslichen Umfeld erbringen (ambulante Pflegedienste). Die Versorgung kann aber auch in spezialisierten Einrichtungen erfolgen, in sogenannten Wundzentren.





