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Gemeinsame Plattform

Digitaler Marktplatz für ambulante Pflege

Die Suche nach einem ambulanten Pflegedienst kann für alle Beteiligten mühsam sein. Anders in Münster. Dort haben die Stadt und ein Netzwerk ambulanter Pflegedienste – unter ihnen auch die Diakonie – gemeinsam ein innovatives Projekt auf den Weg gebracht.

Gesundheit, Pflege und Alter
Seniorin schaut auf dem Bildschirm eines Laptops
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Vertrag über ambulante Pflegeleistungen mit Taschenrechner und Brille
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Pflegekraft cremt Seniorin im Gesicht ein
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Früher klingelte in der Zentrale des ambulanten Pflegedienstes der Diakonie in Münster ständig das Telefon. Angehörige oder Mitarbeitende des Sozialdienstes in Krankenhäusern waren auf der Suche nach einem Dienst, der die ambulante Pflege von Patient*innen übernehmen würde. Telefonisch fragten sie mögliche Kapazitäten ab.

"Das hat bei uns natürlich Arbeitszeit gekostet und Personal gebunden. Aber vor allem hatten wir dann oft verzweifelte Angehörige am Telefon, die schon zehn Absagen hinter sich hatten", berichtet Stefanie Duesmann, Leiterin der "Diakonie mobil" in Münster. Sowohl an den Suchenden, die in angespannten Lebenssituationen dringend auf Lösungen angewiesen waren, als auch an den Mitarbeitenden der Diakonie sei diese Situation nicht spurlos vorbeigegangen.

Eine Anfrage für alles

Im Netzwerk "Starke Pflege Münster" fanden die Akteur*innen der verschiedenen Träger in der Arbeitsgruppe "Ambulante Dienste" dann eine gemeinsame Lösung: einen digitalen Marktplatz. Wer in Münster jetzt nach ambulanter Pflege sucht, braucht nun nur noch eine einzige Anfrage zu stellen – über ein Onlineformular, das über die Internetseite der Stadt angeboten wird. Die Zeiten, in denen sich Suchende mühsam durchtelefonieren müssen und möglicherweise eine Absage nach der anderen bekommen, sind damit vorbei. Was Stefanie Duesmann dabei ganz wichtig ist: Die digitale Plattform kann und soll niemals die persönliche Beratung von Hilfesuchenden ersetzen. "Sie ermöglicht den Angehörigen jedoch eine gute erste Kontaktaufnahme."
 

Stefanie Duesmann, Leitung Diakonie mobil in Münster

Die digitale Plattform ermögliche Angehörigen eine gute erste Kontaktaufnahme, sagt Stefanie Duesmann, Leiterin der "Diakonie mobil" in Münster. 

Verlässliche Rückmeldung

Angehörige oder Mitarbeitende des Sozialdienstes in Krankenhäusern geben in dem Onlineformular nicht nur Adressdaten an, sondern informieren auch über Pflegegrad, Wohnsituation, Abwesenheitszeiten und nachgefragte Leistungen. Die Anfrage landet dann gleichzeitig bei allen 38 registrierten ambulanten Pflegediensten. "Die Daten sind schon so konkret, dass jeder Pflegedienst direkt prüfen kann, ob Zeiten und Kapazitäten für den möglichen Kunden frei sind", erklärt Stefanie Duesmann. Passt die Adresse in eine bestehende Runde, die der Pflegedienst bereits in einem Stadtteil fährt? Sind die Leistungen – von Körperpflege über Hauswirtschaft bis hin zu medizinischen Leistungen – personell zu stemmen? 

Kann ein Pflegedienst zusagen, nimmt er direkt Kontakt mit dem Suchenden auf. Und er hinterlässt eine Markierung im System, die alle anderen Pflegedienste über den Status der Anfrage informiert. Kommt ein Vertrag zustande, verschwindet die Anfrage aus dem System. Gibt es fünf Tage lang keine positive Rückmeldung eines Pflegedienstes, bekommt der Suchende Post mit dem Verweis, dass es aktuell leider kein Angebot gebe. Eine verlässliche Rückmeldung, auch wenn sie negativ ausfällt, ist damit sichergestellt.

Gemeinsame Herausforderungen

Nahezu alle ambulanten Pflegedienste in Münster sind beim digitalen Marktplatz "Ambulante Pflege" registriert. Auch die Sozialplanung der Stadt sitzt mit im Boot. "Diese Zusammenarbeit war vor allem deswegen möglich, weil wir als Träger schon zuvor im Netzwerk zusammengewachsen waren", sagt Stefanie Duesmann. Man kenne sich und wisse um die gemeinsamen Herausforderungen in der Pflege. Gerade vor diesem Hintergrund mache die Initiative Mut und zeige, wie verschiedene Akteure kooperieren, um gemeinsam Lösungen zu suchen.

Frau hebt Telefonhörer ab

Früher riefen in der Zentrale der ambulanten Pflegedienste oft verzweifelte Angehörige auf der Suche nach Unterstützung an.

Individuell und übersichtlich

Unterstützung bei der technischen Umsetzung des Projekts gab es von der Initiative "Münster-Hack". Die Tech-Szene der Stadt – Profis sind genauso dabei wie Studierende – kommt dabei regelmäßig zusammen und entwickelt gemeinsam Ideen. Initiativen in Münster können zuvor ihre Projekte bewerben und bei den Computerfachleuten um technische Lösungen bitten. Die Anfrage der Pflegedienste gefiel der Tech-Szene offensichtlich so gut, dass die IT-ler die ersten Ideen für eine Plattform zur Onlineanfrage entwickelten. Gemeinsam mit der Stadt und dem Arbeitskreis des Netzwerks "Starke Pflege Münster" wurde das System auf die speziellen Bedürfnisse zugeschnitten. Die Citeq, das ist die IT der Stadt Münster, hat die Plattform dann technisch umgesetzt. Nun können dort Suchende auf drei übersichtlichen Formularseiten ihre Daten angeben und abschicken.

Start gelungen

Der digitale Marktplatz wurde im Oktober 2024 freigeschaltet. "Die Resonanz ist schon ganz gut", sagt Stefanie Duesmann, die die Plattform als Chance begreift. Vor allem die Sozialdienste der Krankenhäuser würden den Marktplatz bereits rege nutzen. Das Angebot müsse nun noch mehr in der Gesellschaft ankommen, wünscht sie sich. "Wir können sehen, dass viele Anfragen positiv beantwortet werden konnten", sagt die Leiterin der "Diakonie mobil" in Münster. Außerdem sind die Anrufe in der Zentrale seitdem zurückgegangen. Und fragt doch mal ein Angehöriger nach den Kapazitäten des Pflegedienstes, dann wird er freundlich auf die Möglichkeiten des digitalen Marktplatzes hingewiesen.
 

Text: Theresa Demski, Fotos: Diakonie mobil Münster, Shutterstock