Brücke zwischen Patient*innen und Krankenhaus
Der Austausch beim Netzwerktreffen machte deutlich, was dieses Ehrenamt ausmacht. Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen, betonte die Bedeutung der Patientenfürsprache. „Im Mittelpunkt eines Krankenhauses stehen die Menschen. Menschen, die krank sind, die sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtfinden müssen, die Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen sollen, obwohl sie möglicherweise gerade nicht die Kraft dazu haben. Genau deshalb ist Ihre Arbeit so wichtig“, lobte sie das Engagement der Ehrenamtlichen. Sie verwies auf das Krankenhausgestaltungsgesetz in Nordrhein-Westfalen, das als erstes Bundesland die gesetzliche Verankerung von Patientenfürsprache eingeführt hat.
„Patientenfürsprecherinnen und Patientenfürsprecher übernehmen eine besondere Aufgabe. Sie hören zu, vermitteln, begleiten und helfen dabei, dass Anliegen, Fragen und auch Beschwerden Gehör finden. Sie stärken damit die Perspektive der Patientinnen und Patienten in einem Gesundheitssystem, das für viele Menschen zunehmend komplex und unübersichtlich geworden ist“, sagte Matthias Schmitt, stellvertretender Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum Köln, beim Netzwerktreffen. „Gerade in Zeiten von Krankheit und Unsicherheit ist es wichtig, Menschen an der Seite zu wissen, die zuhören, Orientierung geben und Vertrauen schaffen.“

Mensch im Mittelpunkt
Axel Bremecke, Referent im Geschäftsfeld Krankenhaus und Gesundheit der Diakonie RWL, betonte: „Patientenfürsprecher*innen machen den Krankenhausalltag menschlicher und verständlicher. Sie unterstützen Patient*innen bei Fragen, Sorgen und Problemen und tragen dazu bei, dass ihre Perspektive ernst genommen wird. Ihr ehrenamtliches Engagement stärkt die Patientenrechte und fördert eine Gesundheitsversorgung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Und das wiederum gehört zur DNA der christlichen Krankenhäuser: Der Mensch im Mittelpunkt.“
„Ich persönlich kann mir eine Welt ohne dieses Ehrenamt für unsere Häuser gar nicht mehr vorstellen“, sagte die Geschäftsführerin der St. Elisabeth-Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr, Dr. Sabine Edlinger. „Bei knapp 100.000 stationären und 250.000 ambulanten Patientinnen und Patienten ist es utopisch zu sagen, es läuft immer ganz rund. Sie sind die neutrale Instanz, die für unsere Patientinnen und Patienten eine Anlaufstelle bieten.“
Dr. Karl Blum vom Deutschen Klinikinstitut berichtete aus der Arbeit im Projekt „Patient-Empowerment durch Patientenfürsprache und Beschwerdemanagement im Krankenhaus“. Eine bundesweite Befragung von über 470 Patientenfürsprecher*innen aus ganz Deutschland ergab, dass die meisten Beschwerdefälle auf mangelnde Kommunikation und zu geringe Verfügbarkeit durch Zeitdruck und hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen sind. Er mahnte die Krankenhäuser an, die ehrenamtlich Engagierten zu unterstützen, Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen und Strukturen mit Leben zu füllen.
Zwei Ehrenämter für Patientinnen und Patienten
Im Mittelpunkt des Netzwerktreffens stand auch die Zusammenarbeit mit der Krankenhaushilfe. Deren Ehrenamtliche begleiten Patient*innen durch Besuche, Gespräche und praktische Unterstützung im Krankenhausalltag.
„Beide Ehrenämter leisten auf unterschiedliche Weise einen wertvollen Beitrag für Patientinnen und Patienten“, erklärt Oliver Lohr, Referent für Krankenhäuser im Diözesancaritasverband Paderborn. „Während Patientenfürsprecherinnen und Patientenfürsprecher als unabhängige Ansprechpersonen vermitteln und Beschwerden aufnehmen, begleiten Ehrenamtliche der Krankenhaushilfe Patientinnen und Patienten mit Zeit, Zuwendung und praktischer Unterstützung durch den Krankenhausalltag.“
Für die Ehrenamtlichen bot der Tag viel Erfahrungsaustausch und Netzwerkmöglichkeiten über die eigenen Verbandsgrenzen hinweg. Die gemeinsame Organisation von Diakonie und Caritas unterstrich auch Matthias Schmitt. „Uns verbindet über konfessionelle Grenzen ein gemeinsames Anliegen: die Stärkung der Patientenorientierung, die Unterstützung ehrenamtlichen Engagements und die Förderung einer Gesundheitsversorgung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.“
Text: Markus Lahrmann, Jana Hofmann. Fotos: Leonie Menne, DiCV Paderborn
Ansprechperson
Info
Patientenfürsprecher*innen sind unabhängige, meist ehrenamtlich tätige Ansprechpartner*innen für Patient*innen während eines Krankenhausaufenthaltes. Das heißt, sie sind weisungsunabhängig und keine Angestellten des Krankenhauses. Sie vertreten die Interessen der Patient*innen, nehmen Lob, Kritik und Wünsche entgegen und vermitteln bei Problemen zwischen den einzelnen Akteur*innen. Die Patientenfürsprechenden unterliegen der Schweigepflicht und dürfen vertrauliche Informationen nur mit Einverständnis der Patient*innen weitergeben. In Nordrhein-Westfalen verpflichtet Paragraf 5 des Krankenhausgestaltungsgesetzes (KHGG NRW) alle Krankenhäuser des Landes, solche unabhängigen Beschwerdestellen für Patient*innen einzurichten.



