Neue Studie zeigt: Freiwilligendienste wirken – Sprungbrett in die Pflege
Berufsfeld Pflege – oft entdeckt durch die Hintertür
Viele junge Menschen beginnen ihren Freiwilligendienst nicht direkt in der Pflege, sondern in der sozialen Betreuung, in der Hauswirtschaft oder Tagespflege. Im Kontakt mit den Pflegebedürftigen und durch Zusammenarbeit mit Pflegekräften entsteht Nähe – und Interesse an Pflegearbeit mit größerer Verantwortung. Viele entscheiden sich im Anschluss für eine Ausbildung oder ein Studium im Gesundheitsbereich. Eine Diakonie RWL-interne Untersuchung zeigt, dass jede zweite Person, die einen Freiwilligendienst bei uns absolviert, im Anschluss eine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Bereich beginnt.
Wer freiwillig beginnt, bleibt oft dabei
Ehemalige Freiwillige starten mit überdurchschnittlicher Motivation in eine Ausbildung, brechen seltener ab – und bleiben dem Berufsfeld oft langfristig treu. Und: Sehr oft entscheiden sie sich für eine Ausbildung in der Einrichtung, in der sie bereits ihren Freiwilligendienst geleistet haben. Die Studie betont das hohe Bindungspotenzial, das durch Vertrautheit, gewachsene Beziehungen und ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht.

Kompetenzen werden sichtbar
Der Freiwilligendienst ermöglicht jungen Menschen, ihre Kompetenzen zu zeigen. Sie begleiten pflegebedürftige Menschen, übernehmen Verantwortung, zeigen Einfühlungsvermögen, erleben Nähe und Grenzen: Die Grenzen des Machbaren, aber auch die Kraft kleiner Gesten. Die Studie spricht von Reifung, Orientierung und wachsender Entscheidungskompetenz. Diese Erfahrung wirkt über den Dienst hinaus – hinein in Ausbildung, Beruf und gesellschaftliches Engagement.
Kein Allheilmittel – aber ein wichtiger Baustein in der Personalplanung
Die Studie kommt zu dem Schluss: Wenn Freiwillige die Zeit bekommen, sich einzugewöhnen und echte Mitgestaltung erfahren, kann der Freiwilligendienst eine tragende Rolle dabei spielen, junge gute Fachkräfte zu finden und zu binden. Internationale Freiwillige brauchen dabei Zeit und Geduld beim Spracherwerb – und Kolleg*innen, die sprachliche Unsicherheiten in der Anfangszeit akzeptieren und die hohe Leistungsbereitschaft trotz erschwerter Startbedingungen sehen können.

"Gerade im Umgang mit Menschen mit Demenz habe ich viel gelernt, von dem ich bis heute profitiere." André Knüdeler, Teamleiter im Zentrum Freiwilligendienste, hat seine Laufbahn in der Pflege begonnen.
Fazit
"Die Berliner Studie zeigt eindrücklich: Freiwilligendienste wirken, wenn Einrichtungen Plätze bereitstellen und die Begleitung der Freiwilligen ernstnehmen", sagt André Knüdeler vom Zentrum Freiwilligendienste der Diakonie RWL. Er selbst hat seine berufliche Laufbahn einst in der Pflege begonnen. Richtig genutzt, seien FSJ und BFD "ein dreifacher Gewinn – für die Nachwuchsgewinnung, für die persönliche Entwicklung der Freiwilligen und für alle, die auf gute Pflege angewiesen sind".
Text: Christian Carls, Fotos: Christian Carls
Ansprechperson
Kurztext
Eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung ist der Frage nachgegangen, was der Freiwilligendienst bringt. Im Fokus steht dabei der Freiwilligendienst als Einstieg in den Pflegeberuf. Das Ergebnis: Viele Freiwillige beginnen ihren Dienst in der sozialen Betreuung und finden darüber den Weg in die Pflege.


