
Vier Fragen an... Dr. Julian Höbsch
Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW

Für die Weiterentwicklung der LAG FW ist es ein Meilenstein: Mit Beginn der Vorsitzenden-Zeit von Kirsten Schwenke zum Jahreswechsel hat die LAG FW nun einen ständigen Koordinator und eine ständige Assistenz eingerichtet. Dr. Julian Höbsch (43) hat sich der Aufgabe des Koordinators angenommen und ist mit viel Elan in diese gestartet.
Lieber Herr Dr. Höbsch, Sie haben als Führungskraft in der Sozialwirtschaft gearbeitet. Was finden Sie an der Aufgabe der Koordination der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW (LAG FW) besonders reizvoll?
Julian Höbsch: Ich habe meine Aufgabe zum 1. Dezember übernommen und konnte bereits erste Einblicke gewinnen. Besonders reizvoll finde ich, dass die Koordinationsarbeit an zentralen Rahmenbedingungen für die Wohlfahrtsarbeit ansetzt und damit eine verbindende Funktion zwischen unterschiedlichen Akteuren einnimmt. Weiterhin reizt mich die thematische Vielfalt und die Zusammenarbeit in wechselnden Konstellationen – das macht die Aufgabe anspruchsvoll und abwechslungsreich. Und schließlich möchte ich mich fachlich und strukturell in neue Themen einarbeiten und sie mitentwickeln – mit hoher Motivation und großer Lust an dieser Aufgabe.
In Ihrer Dissertation haben Sie die Frage untersucht, wie die katholische Kirche Polens gesellschaftliche Wandlungsprozesse wahrnimmt und ihr eine schwindende Anschlussfähigkeit attestiert. Stellt sich diese Frage auch für die LAG FW und wie kann sie anschlussfähig bleiben? Wie kann Ihre Wirkung im politischen Raum gestärkt werden?
Julian Höbsch: Anschlussfähigkeit ist für mich in diesem Kontext eine sehr praktische Frage: Wie übersetzen wir fachliche Expertise so, dass sie im jeweiligen politischen Kontext verstanden und aufgegriffen werden kann? Für die LAG FW bedeutet das aus meiner Sicht, ihre Rolle im politischen Raum klar zu bestimmen und ihre Anliegen entlang der Logiken politischer Entscheidungsprozesse zu formulieren. Fachliche Kritik oder Bedarfe müssen so aufbereitet sein, dass sie anschlussfähig für politische Akteure sind. Eine bewusste strategische Ausrichtung kann dazu beitragen, Wirkung zu entfalten und Positionen nachhaltig zu platzieren.
Wir erleben in vielen Bereichen eine Privatisierung der sozialen Versorgung. Welchen Wert messen sie der gemeinnützigen Trägerschaft sozialer Angebote zu und wie kann die LAG FW diesen zur Geltung bringen?
Julian Höbsch: Gemeinnützige Trägerschaften haben für mich einen hohen gesellschaftlichen Wert, weil sie soziale Angebote nicht primär an wirtschaftlicher Verwertbarkeit ausrichten, sondern am Bedarf der Menschen. Gerade in sensiblen Bereichen der sozialen Versorgung stehen sie für Verlässlichkeit, Solidarität und den Einsatz für benachteiligte Gruppen. Die LAG FW kann diesen Wert sichtbar machen, indem sie als Fürsprecherin sowohl für die Träger als auch für die Menschen wirkt, die auf die unterschiedlichen Angebote zurückgreifen. Nach meinen bisherigen Eindrücken nimmt die LAG FW diese Rolle sehr konsequent wahr.
Wenn Sie zehn Jahre nach vorne schauen, wie steht die Freie Wohlfahrtspflege idealerweise dann da?
Julian Höbsch: Wenn ich zehn Jahre nach vorne schaue, wünsche ich mir eine Freie Wohlfahrtspflege, die weiterhin als verlässliche und kompetente Ansprechpartnerin für Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Ihre Angebote sind bedarfsgerecht, auskömmlich finanziert und personell gut ausgestattet. Die Arbeitsbedingungen sind attraktiv und Fachkräfte arbeiten gerne in den Einrichtungen. Insgesamt haben sich die Rahmenbedingungen so verbessert, dass sich die Träger stark auf ihre fachliche Arbeit konzentrieren können.