Statement

"Soziale Herkunft darf nicht über Lebensläufe entscheiden"

Porträtfoto von Christian Heine-Göttelmann
Diakonie RWL-Statement zu Kinderarmut in Deutschland

Gemeinsam mit dem "Ratschlag Kinderarmut" fordert die Diakonie massive Investitionen in die soziale Infrastruktur, um Kindern und Jugendlichen bessere Startchancen zu ermöglichen. In Deutschland ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen - das sind mehr als 2,8 Millionen Kinder.

Dazu sagt Pfarrer Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe:

"Als Diakonie erleben wir täglich, was es bedeutet, wenn soziale Infrastruktur brüchig wird: Familien, die keinen Kita-Platz finden. Kinder, die ohne Sprachförderung oder Schulsozialarbeit aufwachsen. Erzieher*innen und Lehrkräfte, die über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten. Und am härtesten trifft es jene, die ohnehin mit knappen Ressourcen leben.

Deshalb unterstützen wir als diakonischer Landesverband mit Nachdruck die Forderungen des Ratschlags Kinderarmut. Es braucht jetzt entschlossene politische Investitionen in die soziale Infrastruktur – bitte nicht nur in Beton denken, sondern in Beziehungen: in Bildung, Betreuung, Beratung und Beteiligung. Das 500 Milliarden Euro umfassende Sondervermögen der Bundesregierung ist dafür eine gute Grundlage.

Die soziale Herkunft darf nicht länger über Lebensläufe entscheiden. Ein gerechter Zugang zu Kitas, Schulen, Freizeitangeboten und Beratungseinrichtungen ist keine freiwillige Leistung, sondern Kern staatlicher Verantwortung. Es ist Teil unserer diakonischen Überzeugung, gerade dort stark zu sein, wo Strukturen schwach sind. Doch das entlässt den Staat nicht aus seiner Pflicht.

Wenn wir Armut wirksam bekämpfen wollen, müssen wir früh ansetzen – mit verlässlicher Betreuung, multiprofessionellen Teams, niedrigschwelligen Hilfen im Sozialraum. All das gelingt nur mit ausreichender Finanzierung, klaren politischen Prioritäten und dem Willen, Kindern nicht nur Chancen zu versprechen, sondern sie konkret zu ermöglichen.

Kinder und Familien dürfen nicht die Leidtragenden politischer Versäumnisse sein. Gute soziale Infrastruktur ist eine Investition in soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Stabilität und in die Zukunft unserer Demokratie. Wer Kinder alleinlässt, gefährdet den sozialen Zusammenhalt.

Jetzt ist die Zeit zu handeln – mit Weitblick, Verantwortung und dem klaren Ziel: Kein Kind darf zurückgelassen werden."

Pressekontakt

Franz Werfel
Franz Werfel
Stabsstellenleitung
F.Werfelatdiakonie-rwl.de