28. Dezember 2016

Valentina aus Nicaragua

Raus aus der Machokultur

Valentina arbeitet seit September im Evangelischen Krankenhaus Hattingen. "Deutschland gefällt mir, weil hier alle so leben können, wie sie wollen", sagt sie. Vor allem Frauen hätten es hier besser als in Nicaragua, meint sie. Für 2017 hat sie sich vorgenommen, viel zu reisen. Die 18-Jährige will Land und Leute in Deutschland und Europa besser kennenlernen. 

Portrait

Valentina Perezalonso
Valentina im Video-Interview

Immer, wenn ich im Evangelischen Krankenhaus in Hattingen ein paar Worte mit den Patienten wechsle, kommt eine Frage: "Wieso sprechen Sie so gut Deutsch?" Auch wenn mich das Kompliment freut, nervt es inzwischen ein bisschen.

Ich bin zwar in Nicaragua aufgewachsen, aber in der Hauptstadt Managua auf eine deutsche Schule gegangen. Das wollte meine Mutter so. Sie liebt Deutschland, denn sie hat hier studiert. Das möchte ich auch gerne. Nach meiner Schulzeit war es mir aber wichtig, praktisch zu arbeiten und mich beruflich zu orientieren.

Der Bundesfreiwilligendienst ist dafür sehr gut geeignet. Ich wollte gerne etwas mit alten Leuten machen, weil ich sie sehr süß finde oder im Krankenhaus arbeiten, denn dort komme ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen.

Pflegerin – kein Beruf für mich

Mein Freiwilligendienst macht mir viel Spaß. Die Ärzte, Schwestern und Patienten sind sehr freundlich und geduldig. Ich komme auch besser mit den ekeligen Sachen zurecht als ich dachte. Blut, Urin oder Erbrochenes zu sehen und zu riechen macht mir weniger aus als ich dachte. Dennoch möchte ich nicht als Pflegerin oder Ärztin arbeiten. Das ist kein Beruf für mich.

Ich interessiere mich sehr für Land und Leute in Europa. Daher möchte ich meinen Bundesfreiwilligendienst auch dafür nutzen, viel zu reisen. Silvester werde ich mit ein paar Freunden aus Nicaragua, die in Deutschland studieren, in Prag sein. Darauf freue ich mich schon.

Möglichst nicht zurück in die Diktatur

Am liebsten würde ich in Deutschland Politik oder Soziologie mit dem Schwerpunkt "gender and diversity" studieren. Ich wünsche mir für 2017, dass ich hier einen Studienplatz bekomme. Später will ich in einer internationalen Organisation arbeiten, die sich für Menschen- und insbesondere für Frauenrechte engagiert.

Ich komme aus einem Land mit einer ausgeprägten Machokultur. Frauen haben dort nicht die gleichen Rechte und Chancen wie Männer. Die freie Körperkultur in Deutschland gefällt mir sehr gut. Hier können alle so leben wie sie wollen. In Nicaragua ist das nicht möglich. Da dürfte ich als "ehrbares Mädchen" nie mit Piercings oder Tattoos herumlaufen. Es gibt keine wirkliche Meinungs- und Pressefreiheit. Unsere Regierung ist eigentlich eine Diktatur.  Deshalb möchte ich lieber nicht nach Nicaragua zurückgehen. 

Protokoll: Sabine Damaschke/Foto: Christian Carls

Video-Interview

 

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