18. August 2015

Neue Allianzen zwischen Kirche und Diakonie

Gemeinsam handeln für Flüchtlinge

Kein Thema bewegt Kirche und Diakonie derzeit so stark wie die Integration der Flüchtlinge. An vielen Orten entstehen neue Allianzen zwischen Gemeinden und diakonischen Einrichtungen. So finden zwei Akteure wieder zusammen, die sich zum Teil auseinander entwickelt hatten. Ein neues Werkstattbuch für Gemeindediakonie analysiert die Gründe und zeigt Perspektiven für gute Kooperationen auf. Die Herausgeber stellten das Buch jetzt vor.

Gruppenfoto

von links: Gerhard K. Schäfer, Christian Heine-Göttelmann, Manfred Rekowski, Barbara Montag, Joachim Deterding

Nach dem Werkstattbuch gab es nun ein erstes Werkstattgespräch der Herausgeber Gerhard K. Schäfer, Joachim Deterding und Barbara Montag mit dem rheinischen Präses Manfred Rekowski und dem Vorstand der Diakonie RWL, Christian Heine-Göttelmann. „Kirche und Diakonie wollen nah bei den Menschen sein und ihnen Teilhabe an dieser Gesellschaft ermöglichen“, so Heine-Göttelmann. „Das gelingt besser, wenn wir unsere vielfältigen Hilfen vor Ort gut vernetzen und enger zusammenarbeiten.“

Kirchengemeinden unter der Lupe

Unter dem Titel „Nah dran“ hat das Werkstattbuch erstmals am Beispiel der Ruhrgebietsgemeinden wissenschaftlich untersucht, welche diakonischen Angebote es in den Gemeinden überhaupt gibt und wie die Gemeinden mit den professionellen Hilfen der institutionalisierten Diakonie vernetzt sind. Dabei kam heraus, dass vor allem Besuchsdienste für ältere Menschen, Angebote für Familien und Kinder, Gottesdienste zu diakonischen Themen und Partnerschaftsprojekte mit Entwicklungsländern im Fokus stehen. Die diakonische Arbeit in den untersuchten 215 Kirchengemeinden des Ruhrgebiets wird vielfach von Ehrenamtlichen geleistet. Eine gute Vernetzung mit den professionellen Angeboten der diakonischen Werke gibt es vor Ort aber noch selten.

Den Anstoß zum Werkstattbuch gaben die Superintendenten des Ruhrgebiets. Sie baten die Evangelische Fachhochschule Bochum und die Diakonie RWL, die Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie in ihrem Sozialraum wissenschaftlich zu analysieren. „Es ist ein absolutes Novum, dass Superintendenten, Wissenschaft und Diakonie auf diese Weise zusammenarbeiten. Solche konstruktiven evangelischen Kooperationsprojekte in unserer rheinischen Kirche sind zukunftsweisend und notwendig“, betonte der rheinische Präses.

Gute Projektbeispiele als Impulsgeber

Gerade beim Thema Flüchtlingsarbeit beobachten die Verantwortlichen in Kirche und Diakonie die Entstehung neuer Kooperationen. Herausgeber Joachim Deterding machte am Beispiel des Kirchenkreises Oberhausen deutlich, wie Kirche, Diakonie und Politik sich sinnvoll vernetzen können. „Der enorme Schatz der Kirchengemeinden sind die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die aber Begleitung und Schulung durch professionelle Flüchtlingsberater der Diakonie brauchen.“ Die Politik unterstütze die Arbeit in Oberhausen mit entsprechenden Fördergeldern.

Doch auch in anderen sozialen Handlungsfeldern findet bereits eine themenorientierte oder projektbezogene Zusammenarbeit statt, die das Werkstattbuch zur Nachahmung empfiehlt. Dazu gehört etwa die öko-pädagogische Kinder- und Jugendeinrichtung „Arche Noah“ der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop, das Netzwerk für Menschen im nachberuflichen Leben im Kirchenkreis An der Ruhr, das Trauerzentrum der Elias-Kirchengemeinde in Dortmund oder das Interkulturelle Zentrum „kreuzer“ der Kirchengemeinde Essen-Borbeck-Vogelheim.

Über die Chancen und Herausforderungen der Gemeindediakonie soll es weitere Werkstattgespräche geben. Am 19. September findet in Oberhausen ein öffentliches Fachgespräch mit Leitungsverantwortlichen von Kirche und Diakonie sowie der Oberhausener Sozialdezernentin Elke Münich statt. Sie treffen sich von 10 bis 14 Uhr im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde in der Forststraße 71.

Ansprechpartnerin bei der Diakonie RWL ist Pastorin Barbara Montag: 0211 6398-268, E-Mail: b.montag@diakonie-rwl.de

 

Literaturhinweis:

Gerhard K. Schäfer, Joachim Deterding, Barbara Montag, Christian Zwingmann (Hg): Nah dran, Werkstattbuch für Gemeindediakonie, Neukirchener Verlagsgesellschaft 2015, 455 Seiten, 28,99 Euro. Das Buch kann beim Verlag bestellt werden.

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