28. Dezember 2016

Makhmudjon aus Tadschikistan

Mit deutschem Know-How zurück

Makhmudjon liebt seine Familie und sein Land. Daher ist für den 18-Jährigen klar, dass er nach Tadschikistan zurückkehrt. Den Bundesfreiwilligendienst will er nutzen, um die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen. Danach möchte er Medizin studieren, um später in seinem Heimatland als Arzt arbeiten zu können.

Portrait

Makhmudjon Rakhmatov

Schon lange wünsche ich mir, Arzt zu werden. Doch in Tadschikistan sind die Mediziner nicht so gut ausgebildet wie in Deutschland – und sie verdienen schlechter, wenn sie an einer unserer Universitäten studiert haben. Deshalb war für mich schon früh klar, dass ich mein Heimatland fürs Studium verlassen möchte. Außerdem interessieren mich andere Länder und Kulturen.

Der Bundesfreiwilligendienst ist eine tolle Chance, die Sprache, Kultur, Tradition und Wertevorstellungen der Deutschen kennenzulernen. Sie sind viel lockerer als ich gedacht habe. In dem Altenheim, in dem ich arbeite, begegnen mir alle sehr herzlich. Ich fühle mich dort wohl. Doch die Art und Weise, wie die Deutschen mit Beziehungen und Familie umgehen, ist mir sehr fremd. Ich finde es komisch, dass sich Mann und Frau auf der Straße küssen und auch, wie offen sich viele junge Mädchen in der Diskothek geben. In Tadschikistan sind Liebe und Sexualität absolute Privatsache. 

Undenkbar: Großeltern im Altenheim

Familie hat bei uns einen ganz hohen Stellenwert. Bei mir zum Beispiel wohnt die gesamte Großfamilie in der Nähe. Wir besuchen uns oft und stehen für einander ein. Die Frauen in meiner Familie sind nicht berufstätig, damit sie sich intensiver um ihre Kinder kümmern können. Unsere Großeltern würden wir niemals in ein Altenheim geben. Wir pflegen und betreuen sie zuhause, bis sie sterben.

Mir tun die alten Menschen leid, die im Heim leben und kaum oder sogar überhaupt nicht von ihren Angehörigen besucht werden. Ich versuche, sie aufzumuntern und mache deshalb oft Späße mit ihnen. Ich lese ihnen auch häufiger aus der Zeitung vor. Das gefällt ihnen, auch wenn mein Deutsch noch nicht fließend ist. Vielleicht mögen sie einfach meinen Akzent. Oft gehe ich auch mit ihnen spazieren, damit sie mal rauskommen. 

Nur Gutes ins neue Jahr mitnehmen

An Silvester werde ich Freunde aus Tadschikistan besuchen, die einen Bundesfreiwilligendienst in Chemnitz machen. Ich bin gespannt, welche Erlebnisse sie bisher in Deutschland hatten und wie es ihnen hier gefällt. Ich habe ja erst im Oktober mit dem Freiwilligendienst angefangen. Es wäre schön, wenn ich im Herbst des nächsten Jahres einen Studienplatz für Medizin bekommen könnte. Danach will ich auf jeden Fall zurück nach Tadschikistan zu meiner Familie und meiner Freundin.

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass ich weiterhin so viel Spaß mit den alten Leuten habe und ihnen Freude bringe. Natürlich wünsche ich mir auch, dass meine Eltern, meine Familie und meine Freundin gesund bleiben. Alles Schlechte soll im Jahr 2016 bleiben. Ich möchte nur das Gute ins neue Jahr mit hineinnehmen. Ich hoffe, das gelingt mir.

Protokoll: Sabine Damaschke/Foto: Christian Carls

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

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