28. Dezember 2016

Iván aus Nicaragua

Von der Pflege zur Fotografie

Schon als Jugendlicher war es Iváns Traum, Fotografie zu studieren. Doch seine Familie in Nicaragua ist arm und konnte kein Studium an einer Privatuniversität finanzieren. Jetzt macht der 26-Jährige einen Bundesfreiwilligendienst im Evangelischen Krankenhaus Hattingen. Mit dem Ziel, Pfleger zu werden und nebenbei Fotografie zu studieren.

Portraitfoto

Iván Marcello Alejandro Bermudez

Deutsch zu verstehen und zu sprechen, ist schon eine echte Herausforderung. Denn ich habe erst 2014 mit dem Deutschlernen angefangen, weil ich mich in Nicaragua mit Deutschen angefreundet hatte, die dort ein freiwilliges soziales Jahr gemacht haben.

Für einen richtigen Kurs fehlte mir das Geld, also habe ich mir die Sprache mit kostenfreien Onlinekursen selbst beigebracht und viele Bücher auf Deutsch gelesen. Meine Freunde brachten mich auch auf die Idee, mich für einen Bundesfreiwilligendienst in Deutschland zu bewerben.

Eine Ausbildung in Deutschland machen

Seit drei Monaten arbeite ich nun auf der neurologischen Station im Evangelischen Krankenhaus in Hattingen. Mir fällt es immer noch schwer, mich ausführlicher mit den Patienten zu unterhalten. Dazu ist mein Deutsch nicht gut genug. Aber es wird jeden Tag besser. Die Pfleger und Ärzte praktisch zu unterstützen, fällt mir dagegen leicht. Nach dem BfD würde ich gerne eine Pflegeausbildung beginnen. Das ist mein großer Wunsch für das Jahr 2017.

Für ein Studium habe ich kein Geld. Meine Familie ist arm und kann mich nicht unterstützen. Daran ist auch mein Traum, Fotografie zu studieren, gescheitert. Es wäre viel zu teuer gewesen. Ich habe dann an einer anderen Universität, die nicht so hohe Studiengebühren nimmt, mit einem Informatikstudium begonnen, musste aber meinen Lebensunterhalt selbst verdienen und deshalb viel arbeiten. Das Studium habe ich schließlich abgebrochen.

Fotografie bleibt die große Leidenschaft

Mein Traum ist es, in Deutschland zu bleiben, denn in Nicaragua ist die Arbeitslosigkeit hoch und die politische Lage unsicher. Es ist schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden. Das hat auch meine Familie auseinandergerissen. Ich bin auf dem Land bei Oma und Opa groß geworden. Meine Eltern, Tanten und Onkel mussten alle in die größeren Städte ziehen, um Arbeit zu finden. Doch dort ist das Leben teuer und niemand kann sich um die Kinder kümmern.

Silvester fahre ich nach Berlin und treffe mich mit meinen deutschen Freunden, die ich aus Nicaragua kenne. Da gibt es sicher viel zu fotografieren. Das ist nach wie vor meine Leidenschaft. Und wenn ich in Deutschland bleiben und als Pfleger arbeiten kann, würde ich gerne noch nebenbei Fotografie studieren.

Protokoll: Sabine Damaschke/Foto: Christian Carls

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Sabine Damaschke

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