28. Dezember 2016

Ira aus Indonesien

Als Muslimin akzeptiert

Etwas Sorge hatte Ira schon, als sie sich vor zwei Monaten in ihrer Einsatzstelle mit Kopftuch vorstellte. Für die 21-jährige Muslimin aus Indonesien ist es ein Zeichen ihrer Religiosität, das sie nicht gerne ablegt. Doch das Personal wie auch die Patienten im Krankenhaus haben Verständnis dafür. Diese Offenheit gefällt Ira so gut, dass sie nach ihrem Bundesfreiwilligendienst gerne in Deutschland bleiben möchte.

Portrait

Ira Ambarwati

Für viele Menschen in Indonesien ist Deutschland sehr weit weg. Dort kennt man die Deutschen nur als Export- und Fußballweltmeister. Ich dagegen habe mich schon in der Schule viel mit Deutschland beschäftigt.

Ich hatte eine Lehrerin, die nicht nur die Sprache unterrichtet hat, sondern uns auch eine Menge über das Land und die Leute, die Geschichte, Kultur und Religion erzählt hat. Ihr toller Unterricht war auch der Grund, weshalb ich Sprachwissenschaft und Germanistik in Indonesien studiert habe.

Für mich war schon lange klar, dass ich irgendwann mal hierher kommen möchte. Am liebsten zum Studium, denn die deutschen Universitäten haben einen guten Ruf, und man zahlt hier in der Regel keine Studiengebühren. Aber meine Familie hat wenig Geld und kann meinen Aufenthalt in Deutschland nicht finanzieren. Als ich dann vom Bundesfreiwilligendienst hörte, war das eine gute Gelegenheit, doch noch hierher kommen zu können.

Verständnis für Kopftuch und Gebet

Natürlich weiß ich, dass Deutschland ein christlich geprägtes Land ist und hatte deshalb etwas Angst, wie meine Einsatzstelle darauf regieren würde, dass ich ein Kopftuch trage. In Indonesien ist das selbstverständlich. Bei uns gibt es gut 200 Millionen Muslime. Doch meine Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus, aber auch die Patienten haben bisher überhaupt nicht reserviert oder gar verärgert reagiert. Im Gegenteil. Ich darf mir in der Mittagspause fünf Minuten für das Gebet nehmen. Meine Kolleginnen haben mir auch eine Dienstkleidung besorgt, die meine Arme vollständig bedeckt. Das hat mich sehr gerührt.

Auch wenn ich mich sehr wohl in meiner Einsatzstelle fühle, weiß ich bereits jetzt, dass ich später nicht als Pflegekraft arbeiten möchte. Es ist ein stressiger Job. Außerdem mag ich das frühe Aufstehen nicht. Einen Beruf zu haben, in dem ich mich darum kümmere, dass es benachteiligten Menschen besser geht, finde ich aber schön. Gerne würde ich daher soziale Arbeit studieren. In Indonesien gibt es ein solches Studium leider nicht.

Soziales Know How nach Indonesien bringen

Für 2017 wünsche ich mir, dass ich nach dem Bundesfreiwilligendienst in Deutschland bleiben und hier studieren kann. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, ein Stipendium zu bekommen oder sich neben dem Studium Geld in der Pflege zu verdienen. Ich kann mir gut vorstellen, mit den Erfahrungen aus Deutschland wieder nach Indonesien zurückzugehen und dort irgendwo zu arbeiten, wo ich die guten Ideen, wie wir arme Menschen unterstützen können, weitergebe.

Silvester verbringe ich mit einer Freundin in Hamburg. Ich hoffe, dass ich dort ein tolles Feuerwerk zu sehen bekomme! Silvester wird in Indonesien immer sehr groß gefeiert. In meiner Heimatstadt Bandung sind ganz viele Menschen auf der Straße. Es ist die drittgrößte Stadt Indonesiens, die sehr modern und für ihre unzähligen Outlets und Shopping Malls bekannt ist. Da ist dann richtig etwas los.

Protokoll: Sabine Damaschke/ Foto: Christian Carls

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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