29. Dezember 2015

"Die Gesellschaft humaner gestalten"

Klaus Graf ist Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim, die knapp 400 Mitarbeitende im Großraum Köln beschäftigt. Derzeit betreut der diakonische Kinder- und Jugendhilfeverband rund 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. "Das große Ziel sollte sein, unsere Gesellschaft humaner zu gestalten. Dafür gehört für mich, an der Integration der vielen Flüchtlinge mitzuwirken", sagt Klaus Graf.

Foto Klaus Graf

Klaus Graf

Wie möchten Sie persönlich 2016 dazu beitragen, diese Welt im Kleinen oder auch Größeren zu verbessern? 

Wenn es darum geht, die Welt zu verändern, dann fällt mir eine Geschichte ein, die mehr sagt als viele Worte. Es geht darin um drei Steinmetze, die gefragt werden, was sie am Kölner Dom machen. Der erste Steinmetz sagt, er behaue Steine, der zweite, er gestalte eine Statue, der dritte aber betont, dass er eine Kathedrale baut. In der Diakonie werden wir oft in die Rolle gedrängt, einzelne Steine zu behauen und sehen über all den wirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Zwängen, in denen wir stecken, nicht mehr das große Ganze, die Kathedrale. Unser großes Ziel sollte nämlich sein, unsere Gesellschaft humaner zu gestalten. Dafür gehört für mich, an der Integration der vielen Flüchtlinge mitzuwirken. Als freie Träger der Jugendhilfe haben wir die einmalige Chance, hier eigene Akzente zu setzen und das möchte ich nutzen.

Welche Vorbilder haben Sie, wenn es darum geht, Veränderungen anzustoßen?

In meinem Büro hängen zwei große Porträts von Martin Buber und Albert Schweitzer. Diese beiden Männer sind schon lange ein Vorbild für mich. Martin Buber, weil er mit seinem schönen Satz „Am Du wird der Mensch zum Ich“ für Mitmenschlichkeit eingetreten ist. Albert Schweitzer beeindruckt mich, weil er es so wunderbar verstanden hat, pragmatisch Hilfe zu leisten.

Was tun Sie, damit Ihr guter diakonischer Vorsatz für das kommende Jahr auch gelingt?

Im neuen Jahr werde ich die Geschichte der drei Steinmetze rahmen und unter die beiden Porträts in mein Büro hängen. Sie erinnert mich daran, die große Kathedrale trotz der vielen kleinen Steine, die ich täglich zusammenfügen muss, nicht aus dem Blick zu verlieren.

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