22. Dezember 2016

Feiern in der Kinderwohngruppe:

Geborgenheit geben, Gelassenheit vermitteln

Edmund Grauthoff leitet die Heilpädagogische Kinderwohngruppe der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land. Der erfahrene 57-jährige Heilpädagoge feiert Weihnachten mit den sechs Jungen zwischen zehn und 16 Jahren, die derzeit in der Wohngruppe leben. An Heiligabend hofft er auf einen entspannten Dienst.

Portraitfoto vor Weihnachtsstern

Edmund Grauthoff freut sich auf Weihnachten

Weihnachten habe ich in den vergangenen Jahren schon häufiger mit den Kindern und Jugendlichen gefeiert und freue mich auf einen gemütlichen Abend. Unser Team, das aus sieben Pädagogen, einer FSJ-lerin und einer Hauswirtschafterin besteht, tut viel dafür, dass die Weihnachtszeit für unsere Kinder nicht zu stressig und emotional anstrengend wird.

Denn natürlich kommen in diesen besonderen Tagen viele Gefühle hoch. Daher basteln wir in der Adventszeit für die Eltern Geschenke. Es werden Wunschzettel geschrieben, Geschichten vorgelesen und Gespräche über Weihnachten geführt.

Alle würden gerne - wie es in unzähligen Filmen und der Werbung zu sehen ist - zuhause mit der Familie ein harmonisches Fest feiern und tolle Geschenke bekommen. Natürlich sind sie traurig, dass das mit ihren Eltern nicht möglich ist. Auch die Eltern wünschen sich das und manchmal rufen sie dann an Heiligabend an oder stehen sogar vor der Tür, weil sie ihre Kinder sehen möchten. Das sind auch für uns Erzieher immer wieder schwierige Situationen. Deshalb ist der Dienst an Heiligabend gerade für jüngere Kolleginnen und Kollegen auch mit etwas Unsicherheit verbunden.

Gedeckter Tisch

Ein festlich gedeckter Tisch für alle

Weihnachtsfest als Dreiklang

Um mit all den Sehnsüchten und Traurigkeiten, aber auch mit Wut und Neid besser umgehen zu können, die an Weihnachten hochkommen, haben wir aus diesem Fest einen "Dreiklang" gemacht. Am letzten Schultag gibt es eine große Weihnachtsfeier unserer gesamten Einrichtung, an der wir mit den Kindern teilnehmen.

Anschließend feiern wir in unserer Gruppe mit allen Kindern, Mitarbeitenden und Gästen weiter. An diesem Tag steht dann auch schon der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer und es gibt Geschenke von Sponsoren der Einrichtung. Wir lassen uns ein Festessen schmecken, das von einem Caterer geliefert wird, damit niemand kochen muss.

An Heiligabend dagegen hat nur ein Mitarbeiter Dienst, der den Abend gemeinsam mit den Kindern gestaltet. Wir kochen gemeinsam ein einfaches Lieblingsessen der Kinder und machen natürlich eine Bescherung. Geschenke sind für die Kinder immer sehr wichtig. Pro Kind haben wir 35 Euro zur Verfügung. Das ist nicht viel und da müssen wir ziemlich kreativ sein, um ihre Wünsche erfüllen zu können. Wir fangen deshalb frühzeitig damit an, Geschenke zu kaufen und schauen natürlich auch nach gut erhaltenen, gebrauchten Dingen.

Wünsche wahrmachen mit wenig Geld

Vor einigen Jahren hat sich ein Junge ganz doll ein neues Fahrrad gewünscht. Ich freue mich, dass wir ihm diesen Herzenswunsch erfüllen konnten! Er hat Taschengeld gespart und dazu gegeben. Mit unserem Fahrradhändler vor Ort konnte ich einen Rabatt aushandeln. Er hat sich unglaublich gefreut, als dann das neue Fahrrad am Weihnachtsbaum stand. Manchmal sind die Kinder auch enttäuscht, dass sie nicht das bekommen, was sie sich gewünscht haben. 

Edmund Grauthoff packt mit den Jungs die Geschenke aus

Enttäuschung gehört aber auch zum Leben und zu Weihnachten. Doch sie hält meistens nicht lange vor, denn die Kinder finden sich schnell in kleinen Gruppen zusammen, um ihr Lego-Spielzeug aufzubauen, Fanartikel auszuprobieren oder einen Film anzusehen. Bisher habe ich noch keinen Heiligabend erlebt, der aus dem Ruder gelaufen ist.

Wertschätzung für Kinder und Eltern

Am zweiten Weihnachtsfeiertag laden wir dann die Eltern ein. Wir richten mehrere Zimmer und Ecken in unserer Wohngruppe ein, damit sie dort mit ihren Kindern reden und sich beschenken können. Viele Kontakte dürfen nur begleitet stattfinden, deshalb sind wir Erzieher im Hintergrund. Natürlich gibt es auch Kinder, die ihre Eltern gar nicht sehen können oder dürfen. Mit ihnen fährt ein Teil unseres Teams an diesem Tag in eine Indoorhalle, in der sie sich austoben können. 

Seit wir dieses Weihnachtsprogramm eingeführt haben, laufen die Festtage sehr viel entspannter bei uns ab. Eltern und Kinder sind auf die Begegnung vorbereitet und überfordern sich weniger damit. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir als Pädagogen Gelassenheit, Ruhe und Wertschätzung für unsere Kinder und ihre Eltern vermitteln. So verstehe ich auch die Botschaft von Weihnachten.

Protokoll: Sabine Damaschke

Fotos: Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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