22. Dezember 2016

Dienst in der Hausnotrufzentrale:

Hilfe organisieren, Ruhe vermitteln

Ein Knopfdruck und schon eilt Hilfe herbei. So funktioniert der Hausnotruf, den die Johanniter bereits seit rund dreißig Jahren für kranke oder ältere Menschen anbieten. Alexander Maihoff ist einer der Mitarbeiter der Hausnotrufzentrale in Essen. Der 28-jährige Rettungssanitäter organisiert mit seinen Kollegen die Hilfe für die Notrufenden - auch an Heiligabend.

Portraitfoto

Unsere Hausnotrufzentrale in Essen betreut rund 28.000 Menschen in ganz Nordrhein-Westfalen, die an dieses Hilfesystem angeschlossen sind. Heiligabend herrscht eine besondere Stimmung. Wir haben einen Weihnachtsbaum und einen Adventsteller aufgestellt. Es geht insgesamt etwas fröhlicher zu als sonst.

Diesmal bin ich für die Frühschicht eingeteilt, die um 5:45 Uhr beginnt und um 14:15 Uhr endet. In dieser Schicht kommen erfahrungsgemäß die meisten Notrufe bei uns an, weil unsere Teilnehmer zum Beispiel im Bad gestürzt sind.

In der Früh- und Spätschicht arbeite ich mit mehr Kolleginnen und Kollegen in der Notrufzentrale als in der Nacht. Insgesamt gehören zu unserem Leitstellenteam rund 30 Mitarbeitende. Jeder von ihnen hat eine umfangreiche rettungsdienstliche Ausbildung durchlaufen und ist mindestens als Rettungssanitäter qualifiziert. Wenn ein Teilnehmer des Hausnotrufes den Alarm an seinem Sensor, den er um Hals oder Arm trägt, auslöst, erscheint bei mir nicht nur sein Name und die Anschrift. Ich sehe direkt die Telefonnummern der Bezugspersonen, die er für Notfälle angegeben hat sowie weitere persönliche medizinische Daten, die mich dabei unterstützen die Situation vor Ort richtig einzuschätzen.

Aufregung um Weihnachten

In der Frühschicht gehen schätzungsweise ein bis zwei Notrufe pro Minute in der Zentrale ein. An Heiligabend kommt es etwas häufiger vor, dass ein Sicherheitsuhr-Alarm eingeht. Die Hausnotrufgeräte sind standardmäßig mit dieser Funktion ausgestattet, bei der der Teilnehmer dem System mindestens einmal täglich per Knopfdruck signalisiert, dass es ihm gut geht. Manchmal wird das in der Aufregung von Weihnachten einfach vergessen. Dann fahren ältere Menschen zu ihren Kindern, haben sich bei uns aber nicht abgemeldet. Wenn bei mir der Sicherheitsuhr-Alarm losgeht und ich höre, dass alles in Ordnung ist, bin ich natürlich erleichtert. Andernfalls entsende ich den Einsatzdienst, um vor Ort überprüfen zu können, ob Hilfe benötigt wird.

Eine Mitarbeiterin der Johanniter betreut bei einer Teilnehmerin des Hausnotrufes

Es gibt auch einige Teilnehmer, die an Heiligabend den Notruf drücken, weil sie sich einsam fühlen. Gerade an Weihnachten kommen ja viele Erinnerungen und Sehnsüchte hoch. Es tut ihnen gut, dann mit jemandem zu sprechen. Manchmal rufen bei uns im Nachhinein noch einmal der Teilnehmer selbst oder auch Verwandte an, um sich für unseren Einsatz zu bedanken.

Teilnehmer zeigen ihre Dankbarkeit

Überhaupt sind viele Teilnehmer an Weihnachten besonders dankbar. Manche entschuldigen sich sogar dafür, dass sie sich an Heiligabend bei uns melden. Andere sind sehr traurig, weil sie ausgerechnet an diesem Festtag, den sie mit der Familie verbringen wollten, wieder in die Klinik müssen. Sie versuche ich zu trösten. Bei den klassischen Notfällen, etwa wenn Menschen schlecht Luft bekommen, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall droht, muss schnell gehandelt werden.

Meine Aufgabe ist es, in der Leitstelle über die bei einem Notruf automatisch bestehende Sprechverbindung einzuschätzen, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist. Manchmal ist klar, dass neben dem Einsatzdienst der Johanniter auch der Rettungsdienst oder ein Notarzt dazukommen muss. In der Zeit, bis die Hilfe eintrifft, gebe ich unseren Teilnehmern klare Anweisungen, wie sie sich verhalten sollen. Dabei hilft es mir, dass ich selbst immer noch ehrenamtlich als Rettungssanitäter unterwegs bin. So kenne ich nicht nur die theoretischen Symptome einer Krankheit, etwa im Falle einer Lungenembolie, sondern weiß auch, wie sich solche Notfallbilder in anderer Weise darstellen können und kann entsprechend handeln und gezielt danach fragen.

Oberstes Gebot: Ruhe bewahren

Ruhe zu bewahren und auch Ruhe zu vermitteln ist an diesem Arbeitsplatz enorm wichtig. Wenn ein Teilnehmer bei uns anruft, weil er Atemnot hat, können wir ihn bereits über das Hausnotrufgerät unterstützen, indem wir ihm konkrete Atemanweisungen geben. Die Sicherheit und Ruhe, die wir bei der Notrufbearbeitung ausstrahlen, sind ein wichtiger Faktor, um auch den aufgeregten Teilnehmer zu beruhigen, der sich oft in einer Ausnahmesituation befindet.

Schichtdienst – auch an Heiligabend – gehört nun mal dazu. Wer Hilfe braucht, der bekommt sie – das ist doch der Sinn der Frohen Weihnacht!

Protokoll: Sabine Damaschke

Fotos: Johanniter

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Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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