28. Dezember 2016

Christian aus Guatemala

Gutes tun und darüber schreiben

Reisen und Reportagen schreiben – das wünscht sich Christian für seine Zukunft. Am liebsten möchte der 18-jährige Freiwillige aus Guatemala später als Journalist arbeiten. Jetzt aber macht er erst einmal einen Bundesfreiwilligendienst in einer Klinik. Um das "echte Leben" kennenzulernen. Manch skurrile Geschichte aus dem Krankenhaus schreibt er auf. Denn vielleicht kann daraus später ein Roman werden.

Christian Daniel Padilla Cabrera
Christian im Video-Interview

Ich bin ein kontaktfreudiger und neugieriger Mensch. Vermutlich möchte ich deshalb so gerne Journalist werden. Mich interessiert, wie andere Menschen leben, wie Kultur, Religion und Politik sie prägt. Und auch, wie Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Armut sie prägen.

Guatemala hat diesbezüglich eine sehr wechselvolle Geschichte, von der mir meine Eltern viel erzählt haben. Ab 1960 herrschte bei uns ein Bürgerkrieg, der erst 1996 mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags endete. Und im Jahr 1976 gab es ein verheerendes Erdbeben, von dem meine Mutter immer noch voller Angst erzählt, bei dem rund 23.000 Menschen starben.

Als ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich nach der Schule gerne ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland machen möchte, waren sie sofort einverstanden. Aber sie wollten nicht, dass ich dafür nach Afrika gehe. Das hätte ich nämlich gerne getan. Die Wahl fiel dann auf Deutschland, weil ich die deutsche Sprache schon in der Schule gelernt habe und meine Eltern das Land für sicher halten. Seit zwei Monaten bin ich nun hier und arbeite in einem Krankenhaus in Lippstadt.

Skurrile Geschichten aus der Klinik

Mir gefällt es, anderen Menschen zu helfen. Pfleger oder Arzt möchte ich trotzdem nicht werden, sondern nach wie vor Journalist oder Schriftsteller. Was ich in der Klinik erlebe, schreibe ich auf. Vielleicht eignen sich die kleinen Geschichten später ja mal für einen Roman. Wer weiß, was ich noch daraus machen kann. Ich arbeite in der chirurgischen Abteilung, und da gibt es nicht nur tragische Unfälle, sondern auch solche, die eine gewisse Komik haben. So war ein Mann bei uns, der sich beim Rasenmähen verletzt hatte. Und warum? Weil er Streit mit seiner Frau gehabt hat. Er hat deshalb nicht aufgepasst und sein Bein war in den Rasenmäher hineingeraten und ganz verdreht. 

Mir gefällt es, wie offen die Deutschen sind und wieviel Freiheit sie bei der Gestaltung ihres Lebens haben. Jeder kann hier sagen, was er denkt. Damit sollte man auch heute noch in Guatemala vorsichtig sein. Deshalb möchte ich, sollte ich wirklich Journalist werden, nicht in meinem Heimatland arbeiten. Gerne würde ich nach dem Bundesfreiwilligendienst hier bleiben und Literatur studieren, vielleicht auch soziale Arbeit. Das weiß ich noch nicht so genau.

2017 stärker und selbstbewusster werden

Silvester werde ich mit zwei Freunden, die aus Guatemala kommen und hier studieren, in Hamburg verbringen. Darauf freue ich mich sehr, denn Lippstadt ist zwar hübsch, aber eine kleine Stadt, in der abends nichts mehr los ist. Ich vermisse das Großstadtleben, denn ich komme aus Guatemala-Stadt, wo über eine Million Menschen leben.

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass ich viel reisen und Deutschland und seine Nachbarländer erkunden kann. Hier liegt alles so nah zusammen und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell erreichbar. Außerdem wünsche ich mir, dass ich selbstbewusster und emotional stärker werde. Aber dafür ist die Arbeit in der Klinik sicher eine gute Schule.

Protokoll: Sabine Damaschke/Foto: Christian Carls

Video-Interview

 

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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