20. Januar 2016

Bundesgesundheitsminister würdigt "Pflege-Pioniere"

180 Jahre Kaiserswerther Diakonie

Vor 180 Jahren wurde die Kaiserswerther Diakonie als weltweit erste Diakonissenanstalt in Düsseldorf gegründet. Heute gehört sie zu den größten diakonischen Unternehmen in Deutschland. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres würdigte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Kaiserswerther Diakonie als Pflege-Pioniere. In seinem Vortrag sprach er sich für einen Ausbau der Palliativ- und Hospizangebote aus.

Portrait des Mutterhauses

Mutterhaus der Kaiserwerther Diakonie

"Krankenpflege ist eine Kunst" – Dieser Satz der berühmten Krankenschwester Florence Nightingale ist in der Kaiserswerther Diakonie allgegenwärtig. Hier entstand vor 180 Jahren die weltweit erste Ausbildungsstätte für evangelische Pflegerinnen. Und hier ließ sich 1851 auch Nightingale ausbilden. Was Diakonissen seit dem 19. Jahrhundert in dem großen diakonischen Unternehmen in Düsseldorf lernen konnten, zeigt das 2011 eröffnete Pflegemuseum. Er habe Respekt vor einer so langen Tradition der Pflege, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe nach seinem Besuch des Museums am Dienstag. "Die Kaiserswerther Diakonie war entscheidend an der Entwicklung unseres Sozialstaates beteiligt."

Aus Anlass des 180-jährigen Bestehens war Gröhe als erster prominenter Gast nach Düsseldorf gekommen, um über das Thema Sterbehilfe zu referieren. In der Pflege würden Menschen von Beginn bis zum Ende ihres Lebens begleitet. Daher gehöre die Auseinandersetzung mit dem Tod unbedingt dazu, so der Politiker. Unter dem Titel "Wenn das Leben nur noch Last ist – Sterbehilfe als theologische und ethische Herausforderung" sprach der Gesundheitsminister vor allem über Sterbebegleitung. Denn sie spielt für ihn auch beim Thema Sterbehilfe eine entscheidende Rolle.

Die Würde der Sterbenden schützen

Der Minister verwies auf eine Umfrage, der zufolge sich 61 Prozent der Deutschen vorstellen können, um todbringende Medikamente zu bitten, wenn sie sich nur noch als Last für ihre Angehörigen sehen. Die Angst vor dem Tod, vor Einsamkeit, Schmerzen und einem Ausgeliefertsein an die Apparatemedizin führe dazu, dass Menschen die Selbsttötung als „Akt der Freiheit“ verklärten. Die Erfahrung in der Hospiz- und Palliativversorgung zeige aber, dass der aufgekündigte Wille zu leben wieder erstarken könne, wenn Menschen auf dem letzten Weg ihres Lebens gut begleitet und medizinisch versorgt würden.

Hermann Gröhe steht mit dem Vorstand der Kaiserwerther Diakonie auf einer Treppe

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Mitte) mit dem Vorstand der Kaiserswerther Diakonie

So gebe es in der Palliativmedizin gewaltige Fortschritte in der Schmerzbehandlung. 1.500 ambulante und über 200 stationäre Hospize seien heutzutage in der Sterbebegleitung aktiv. "Die Würde von Sterbenden schützen wir am besten, indem wir ihnen menschliche Zuwendung geben, sie medizinisch und pflegerisch, aber auch psychologisch und seelsorgerlich gut betreuen", betonte Gröhe. Daher müsse die Versorgung mit Palliativ- und Hospizangeboten überall in Deutschland ausgebaut werden. "Hier gibt es leider noch weiße Flecken auf der Landkarte."

Suizidbeihilfe darf keine Behandlungsvariante sein

Bewusst sei das neue Gesetz zur Hospiz- und Palliativversorgung verabschiedet worden, bevor der Bundestag über das Thema Sterbehilfe abgestimmt habe. "Wir wollten erst darüber reden, wo wir helfen können, bevor wir über einen veränderten rechtlichen Rahmen für diejenigen diskutieren, die unbedingt sterben möchten." Er sei froh, so gab der Bundesgesundheitsminister zu, dass sich die große Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag letztlich klar dafür ausgesprochen habe, "dass die Suizidbeihilfe nicht zu einer Behandlungsvariante in Deutschland werden darf."

Der Bundesgesundheitsminister räumte ein, dass eine gute Pflege – gerade am Ende des Lebens – mehr gut ausgebildetes Personal erfordert. "Wir wollen die stationäre Altenhilfe noch mehr verpflichten, mit den Hospizdiensten zusammenzuarbeiten." Auch die Stationspflege in den Krankenhäusern sei vielfach personell unterbesetzt. Die verabschiedete Krankenhausreform sehe daher ein Pflegestellenförderprogramm vor.

Von der Diakonisse zur Pflegekraft

Einen Nachwuchsmangel in der Pflege sieht der Minister nicht. "Noch nie haben so viele Menschen eine Pflegeausbildung gemacht wie heute", betonte er.

Tatsächlich umfassen die modernen berufsbildenden Schulen im Bereich Gesundheitswesen und Erziehung rund 2.000 Ausbildungsplätze. Die Diakonisse in Tracht und mit weißem Häubchen ist in Kaiserswerth dagegen kaum noch zu sehen. Rund 2.000 Diakonissen gab es im Jahr 1936, heute besteht die Schwesternschaft nur noch aus 100 Diakonissen. "Das Berufsbild der Schwester hat sich verändert, geblieben aber ist die diakonische Grundhaltung der christlichen Nächstenliebe und fachlichen Kompetenz", betonte der theologische Vorstand der Kaiserswerther Diakonie, Pfarrer Klaus Riesenbeck.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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