30. November 2022

Wiederaufbauhilfen

Weihnachten im eigenen Haus

Die Flut im Juli 2021 hat große Teile des Elternhauses von Johanna Eifel zerstört. Seitdem unterstützt das mobile Team Trier/Hocheifel der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe die 68-Jährige. Die Rentnerin hat bereits Spenden aus den beiden Förderlinien Haushaltsbeihilfen und Wiederaufbauhilfen bekommen. Sie sagt: "Ohne die Diakonie hätte ich das nie geschafft."

  • Friedhelm Simon und Johanna Eifel sitzen auf dem neuen Sofa.
  • Das Elternhaus von Johanna Eifel wurde bei der Flut zerstört.
  • Johanna Eifel lagert im Dachgeschoss viele Dinger. Hier zeigt sie eine Zierpuppe.
  • Bei der DKH RWL können Flutbetroffene Wiederaufbauhilfen bekommen.
  • Johanna Eifel zeigt an der Außenwand ihres Hauses, wie hoch das Wasser in der Flutnacht stand.
  • Johanna Eifel, Cornelius Günther und Friedhelm Simon in der Stube des Hauses in Kordel.

Endlich wieder Hoffnung

Mit einem Seufzer lässt sich Johanna Eifel auf das neue Cord-Sofa fallen. Im Kamin flackert das Feuer, den Tisch schmückt ein Gesteck aus Trockenblumen. "Endlich ist es hier wieder gemütlich", sagt die 68-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Ort Kordel. "Weihnachten möchte ich in der guten Stube einen Weihnachtsbaum aufstellen – natürlich einen echten - und gemeinsam mit meinen Söhnen, den Schwiegertöchtern und den acht Enkelkindern feiern. Darauf freue ich mich."

So voller Hoffnung war die Rentnerin lange Zeit nicht. Nachdem die Flut im Juli 2021 große Teile ihres Elternhauses in dem kleinen Eifel-Ort am Fluss Kyll zerstört hatte, war sie verzweifelt, kraftlos und erschöpft. "Hier in Kordel sind wir Hochwasser gewöhnt. Aber so eine Katastrophe haben wir noch nie erlebt", berichtet sie. Den neuen Schrank konnte sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Friedhelm Simon aus dem Erdgeschoss nach oben tragen und vor dem Wasser retten. "Danach haben wir vier Tage lang nur Dreck rausgeschleppt und funktioniert; unten war alles kaputt und verschlammt." Später sei dann die Angst vor der Zukunft hinzugekommen. "Ich habe nur eine kleine Rente und wenig Ahnung von Bürokratie. Ich wusste gar nicht, wie ich das alles schaffen sollte", erzählt die 68-Jährige. "Aber dann habe ich zum Glück Herrn Günther von der Diakonie getroffen."

Das Trierer Fluthilfeteam: Eva-Maria Schmitt, Andrea Martini (vorne v.l.) und hinten (v.l.) Carsten Stumpenhorst, Mihaela Milanova und Cornelius Günther.

Das Trierer Fluthilfeteam: Eva-Maria Schmitt, Andrea Martini (vorne v.l.) und hinten (v.l.) Carsten Stumpenhorst, Mihaela Milanova und Cornelius Günther.

Fluthilfeteam unterstützt

Diplom-Sozialpädagoge Cornelius Günther bildet gemeinsam mit Eva-Maria Schmitt, Andrea Martini, Mihaela Milanova und Carsten Stumpenhorst das mobile Fluthilfeteam Trier/Hocheifel der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe (DKH RWL). Gemeinsam unterstützen und beraten sie die Betroffenen in der Region bei allen Fragen und Problemen rund um die Folgen der Jahrhundertflut. Sie suchen die Menschen auf - selbst in den entlegensten Dörfern, informieren sie über deren Ansprüche auf finanzielle Hilfen, helfen beim Ausfüllen von Formularen, hören zu und spenden Trost. "Bei Frau Eifel war mir schon nach unserem ersten Telefonat klar, dass sie unbedingt Hilfe benötigt", erinnert sich Cornelius Günther. Deshalb blieb er hartnäckig – sogar, als Johanna Eifel sich anfangs nicht zurückmeldete. "Ich hatte einfach keine Energie dafür", erzählt diese rückblickend.

Cornelius Günther und Johanna Eifel stehen vor deren Haus.

Dank der Unterstützung des Trierer Fluthilfeteams mit Cornelius Günther (li.) blickt Johanna Eifel wieder hoffnungsvoll in die Zukunft.

Spendengelder kommen an

Mittlerweile begleitet der Fluthilfe-Berater Johanna Eifel intensiv seit mehr als einem Jahr, und gemeinsam haben sie schon viel erreichen können: Aus Spendenmitteln der DKH RWL konnte die Rentnerin über die Förderlinie Haushaltsbeihilfe bereits kurz nach der Flut ihren zerstörten Hausrat ersetzen. Und sie gehört außerdem zu denen, deren Antrag auf Wiederaufbauhilfe bei der DKH RWL bewilligt und deren Geld schon ausgezahlt wurde.
Während die Haushaltsbeihilfen der DKH RWL weiterhin stark nachgefragt werden (bis Ende Oktober 2022 wurden mehr als 2100 Anträge eingereicht, das Volumen der bereits ausgezahlten Anträge liegt bei knapp 4,2 Millionen Euro), sind die Flut-Betroffenen bei der Wiederaufbauhilfe zurückhaltender. Johanna Eifel beispielsweise schien der dafür erforderliche Antrag bei der ISB (Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz) zu mühsam, sie war verunsichert: „Woher sollte ich allein das nötige Gutachten bekommen?“, fragte sie sich. Hinzu kam: „Mein Lebensgefährte ist Handwerker und hat nach der Flut schon viel im Haus selbst reparieren können.“ Deshalb hätte Johanna Eifel fast auf die finanziellen Hilfen, die ihr zustehen, verzichtet.

Erklärgrafik zur Wiederaufbauhilfe.

Die Grafik erklärt, wie die Wiederaufbauhilfe funktioniert.

Professionelle Hilfe

Ähnliches berichten die Mitarbeitenden aus dem Fluthilfe-Team: „Wir beobachten, dass sich viele Menschen in der Nachbarschaft untereinander helfen und eine Menge in Eigenleistung machen. Aber wir schaffen es glücklicherweise immer wieder, sie davon zu überzeugen, wie wichtig und sinnvoll es ist, Wiederaufbauhilfen zu beantragen und professionelle Handwerker zu beauftragen“, sagt Andrea Martini aus dem Trierer Fluthilfeteam. „Natürlich unterstützen wir die Menschen beim Ausfüllen der Formulare.“ Entsprechend viele Anträge bearbeiten sie und ihre  Kolleg*innen. Auch Johanna Eifel hätte es ohne die Hilfe des Trierer Fluthilfeteams nicht geschafft, da ist sie sich sicher: „Ich bin bei solchen Sachen so ungeduldig, außerdem habe ich gar keine E-Mail-Adresse“, beschreibt sie ihre Schwierigkeiten. Umso dankbarer war sie, dass Cornelius Günther ihr nicht nur den Kontakt zu einem Gutachter vermittelte, sondern sie auch regelmäßig begleitete.

Friedhelm Simon zeigt eine Wickelsprosse.

Friedhelm Simon zeigt eine zerstörte Wickelsprosse. Mit diesem Holz, außerdem mit Stroh und Lehm, war die Zimmerdecke gefüllt. 

Einsatz für Betroffene

Der Diakonie-Mitarbeiter kann sich noch genau an seine ersten Besuche in Kordel erinnern: „Man konnte sich damals kaum vorstellen, dass in diesem Haus jemals wieder ein Mensch leben würde: Die komplette Decke im Wohnzimmer war weg, ein einziges Loch, nur die Balken waren noch zu sehen. Zwischendurch hatte ich ehrlich gesagt Sorge, dass das ganze Haus abgerissen werden müsste.“ Heute freut er sich, dass einige Räume schon wieder bewohnbar sind. „Es ist auch für uns immer schön, wenn wir für die Menschen etwas erreichen können“, sagt Günther.  

Johanna Eifel, Cornelius Günther vom Fluthilfeteam und Friedhelm Simon in der Garage des Hauses in Kordel.

Johanna Eifel, Cornelius Günther vom Fluthilfeteam und Friedhelm Simon in der Garage, in der sie den Antrag auf Wiederaufbauhilfe abgeschickt haben.

Dank an die Diakonie

Johanna Eifel führt die Besucher an diesem Nachmittag weiter in die Garage, weist mit dem Finger in die Mitte des Raums und sagt: „Genau hier saß ich übrigens vor ein paar Monaten mit Herrn Günther zwischen lauter Bauschutt. Er hatte seinen Laptop wackelig auf einem Brett aufgebaut, und wir haben zusammen den Antrag auf Wiederaufbauhilfe abgeschickt.“ Beide müssen lachen. Doch dann wird Johanna Eifel wieder ernst: „Das ist mein Elternhaus, es bedeutet mir einfach alles.“ Deshalb sei sie so dankbar für die Unterstützung. „Ohne die Diakonie hätte ich das nie geschafft. Und ich kann allen Betroffenen nur raten, sich ebenfalls Unterstützung zu suchen und finanzielle Hilfen zu beantragen.“ Noch steht die letzte Bewilligung ihres Antrags bei der ISB aus. Aber das sei kein Problem, beruhigt sie Cornelius Günther: „Reine Formsache.“ Und für Johanna Eifel hat das Warten auch ein Gutes: „Dann habe ich Herrn Günther noch ein bisschen länger an meiner Seite – zum Glück.“ 

Text: Verena Bretz, Fotos: Verena Bretz, Jennifer Schuh

Ihr/e Ansprechpartner/in
Verena Bretz
Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
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Aus dem eigenen Haus oder der eigenen Wohnung wieder ein Zuhause machen  − Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unterstützen Betroffene der Hochwasserkatastrophe mit sogenannten Wiederaufbauhilfen. Doch die finanzielle Unterstützung deckt in der Regel nur 80 Prozent der Kosten ab. Über einen Online-Antrag können die Menschen bei der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe Geld für die verbleibenden 20 Prozent beantragen.