31. August 2017

Spendenbilanz "Brot für die Welt"

Über elf Millionen Euro aus RWL

Unter den deutschen Hilfsorganisationen hat "Brot für die Welt" einen guten Ruf. Seit einigen Jahren steigen die Spendeneinnahmen. So auch 2016. In der Region Rheinland, Westfalen und Lippe kamen über elf Millionen Euro zusammen, knapp zwei Millionen mehr als 2015. Diakonie RWL-Fundraiser Uli Christenn freut sich über das Ergebnis.

Portrait

Ulrich T. Christenn

Als Fundraiser und Referent für ökumenische Diakonie sind Sie seit acht Jahren für die "Brot für die Welt"-Spenden in unserer Region zuständig. Waren Sie immer zufrieden mit dem Spendenaufkommen?

Meistens. Seit einigen Jahren steigen die Spenden und Kollekteneinnahmen leicht an, obwohl die Konkurrenz auf dem Spendenmarkt sehr hoch ist und gleichzeitig die Zahl der Gottesdienstbesucher abnimmt. Das bedeutet, weniger Menschen geben mehr Geld. Bundesweit hat "Brot für die Welt" im vergangenen Jahr mehr als 61,7 Millionen Euro an Spenden erhalten, 4,2 Millionen mehr als 2015. Davon kommen knapp 11,5 Millionen Euro aus Rheinland, Westfalen und Lippe. 2015 waren es noch rund 9,6 Millionen Euro. Wir können also recht zufrieden sein.

Ein nicht kleiner Teil der Spenden stammt aus Kollekten, die in den Gottesdiensten gesammelt werden. Wann geben die Menschen am meisten?

Ganz klar an den Heilig Abend-Gottesdiensten. Von den rund vier Millionen Euro an Kollektengeldern werden 3,3 Millionen an diesem einen Abend gesammelt. Das fasziniert mich immer wieder. Es gab nur eine Ausnahme und das war Weihnachten 2010, als überall in unserer Region hoher Schnee lag und viele Menschen ihre Häuser deshalb nicht verlassen haben. Da hatten wir einen massiven Einbruch der Kollektengelder. 

Südafrika ist reich an Bodenschätzen. Doch die lokale Bevölkerung hat keinen Nutzen davon. Sie leidet unter den negativen Folgen des Bergbaus. 

Traditionell wirbt "Brot für die Welt" selten für ein konkretes Projekt. Studien zeigen aber, dass die meisten Spender genau wissen möchten, wohin ihr Geld geht. Warum funktioniert die traditionelle Methode noch bei "Brot für die Welt"?

Das evangelische Hilfswerk gibt es schon seit knapp sechzig Jahren, und es genießt großes Vertrauen in der deutschen Bevölkerung. Die Spenderinnen und Spender setzen auf eine langfristige Wirkung der Projekte. Ihnen sind die Ziele wichtig, für die "Brot für die Welt" steht: die Überwindung von Hunger und Mangelernährung, die Förderung von Bildung und Gesundheit, der Zugang zu sauberem Wasser, die Achtung der Menschenrechte und Stärkung der Demokratie.

Im vergangenen Jahr wurden übrigens 617 Projekte in 93 Ländern neu bewilligt. Dafür bekam "Brot für Welt" auch Mittel aus der Kirchensteuer sowie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Insgesamt hatten wir 273 Millionen Euro zur Verfügung. Eine hohe Summe, die zeigt, dass das Hilfswerk auch ein wichtiger Partner für den Staat ist. Insbesondere, wenn es um die Bekämpfung von Fluchtursachen geht.

Mutter mit Kind auf dem Arm

Die Mutter des kleinen Derick freut sich, dass er nun viel Obst und Gemüse bekommt. Sein älterer Bruder wurde noch mit Reis, Bohnen und Keksen groß. 

 "Brot für die Welt" macht immer wieder darauf aufmerksam, dass der Wohlstand der Industriestaaten mitverantwortlich für Hunger und Armut in Entwicklungsländern ist – und alles mit allem zusammenhängt. Lassen sich die Menschen davon überzeugen?

Das erlebe ich so, wenn ich in Schulen oder auf kirchlichen Veranstaltungen als "Brot für die Welt"-Referent im Rheinland unterwegs bin. Im vergangenen Jahr konnte ich das sehr gut bei unserem Schwerpunktthema Ernährung beobachten. Im Mittelpunkt stand ein erfolgreiches Projekt aus Südbrasilien.

Dort haben Kleinbauern ihre Produktion auf Bio-Landwirtschaft umgestellt und damit Kantinen in Schulen und Kitas beliefert. In den Schulen wurde den Kindern gleichzeitig das Thema gesunde und nachhaltige Ernährung nahe gebracht. Diese Idee hat für Diskussionsstoff in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen gesorgt und Nachahmer gefunden. Schließlich spielt das Thema "gesunde und nachhaltige Ernährung" auch in der diakonischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine große Rolle. 

Afrikanerin mit Gießkanne

Wasserversorgung für eine bessere Ernte in Afrika

Am 3. Dezember wird die bundesweite 59. Spendenaktion von "Brot für Welt" in Saarbrücken eröffnet. Unter welchem Schwerpunktthema steht sie?

Das Motto lautet "Wasser für alle". Weltweit haben rund 700 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,5 Milliarden leben nach wie vor ohne hygienische sanitäre Einrichtungen. In manchen Regionen dieser Welt ist Wasser so teuer, dass sich nur die Reichen genug davon leisten können. "Brot für die Welt" fordert mit seiner Aktion, Wasser rechtlich zu schützen. Im Mittelpunkt steht diesmal ein Projekt aus Kenia. Es richtet sich an rund 2.000 mittellose Familien in fünf Landkreisen, die besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden und täglich Wasser aus weit entfernten Quellen holen müssen. Das Projekt hilft ihnen, Regenwasser vor Ort zu nutzen.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Fotos: Brot für die Welt/ Hermann Bredehorst, Cedric Nunn, Florian Kopp, Helge Bendl

Ihr/e Ansprechpartner/in
Ulrich T. Christenn
Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten
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Spenden 

2016 im Rheinland: 6.180.845 Euro, in Westfalen: 4.958.043 Euro, in Lippe: 302.271 Euro, insgesamt: 11.443.175 Euro

2015 im Rheinland: 5.659.745 Euro, in Westfalen: 3.718.043 Euro, in Lippe: 308.808 Euro; insgesamt: 57.526.672 Euro

Kollekten

2016 im Rheinland: 2,1 Millionen Euro, in Westfalen: 1,8 Millionen Euro, in Lippe: 0,1 Millionen Euro, insgesamt: 4 Millionen Euro