9. Januar 2020

Spendenaktion Seenotrettung

Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit

Die Diakonie RWL unterstützt das Aktionsbündnis "United4Rescue – Gemeinsam Retten!" zur zivilen Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer. Für den Kauf eines Seenotrettungsschiffes ruft sie eine besondere Spendenaktion ins Leben: Jeder Euro, der unter dem Stichwort "Diakonie RWL Verdoppelung" auf das Konto von "United4Rescue" eingeht, wird bis zu einer Summe von 50.000 Euro verdoppelt.

  • Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer
  • Die Diakonie RWL sammelt Spenden für das Bündnis "United4Rescue".

Für Flüchtlinge gilt der Weg über das Mittelmeer als die tödlichste Seeroute der Welt. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes ertrinken auf der Flucht Richtung Europa jeden Tag vier Menschen. Während die Europäischen Staaten über die Aufnahme der Flüchtlinge streiten, hat ein Bündnis aus Evangelischer Kirche, Diakonie, Kommunen, Vereinen und Initiativen beschlossen, Spenden für ein weiteres ziviles Seenotrettungsschiff zu sammeln. Unter dem Titel "United4Rescue" ruft das Bündnis seit Anfang Dezember 2019 zu Spenden auf.

Die Diakonie RWL unterstützt die Aktion, indem sie jede Spende, die unter dem Stichwort "Diakonie RWL Verdoppelung" auf das Konto von "United4Rescue" eingeht, bis zu einer Summe von 50.000 Euro verdoppelt. "Mehr als 1.100 Menschen sind Schätzungen zufolge 2019 im Mittelmeer ertrunken. Das ist eine menschliche Katastrophe", erklärt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. "Als Christen sind wir hier gefordert, unmittelbar zu helfen."

Portrait

Diakonie RWL-Fundraiser Ulrich Christenn hatte die Idee zur Verdoppelungsaktion.

Gute Erfahrungen mit Verdoppelungsaktion

Als mögliches Seenotrettungsschiff gilt das Kieler Forschungsschiff "Poseidon". Es wird in einem Bieterverfahren am 30. Januar veräußert. Eigner soll die Seenotrettungsorganisation "Sea Watch" werden. Fundraiser Ulrich T. Christenn von der Diakonie RWL hofft auf ein gutes Spendenergebnis.

"Mit einer solchen Verdoppelungsaktion haben wir gute Erfahrungen gemacht bei der Dürrekatastrophe in Ostafrika 2017", sagt er. "Wenn wir Spenden verdoppeln, kommen individuelle Initiative und institutionelle Hilfe zusammen. Ich baue auf das Engagement der diakonisch Engagierten, die wir mit diesem Aufruf besonders ansprechen möchten."

Rund eine Million Euro kostet ein Seenotrettungsschiff.

Rund eine Million Euro kostet ein Seenotrettungsschiff.

Raus aus dem Modus der Gleichgültigkeit

Das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern, die Diakonie Mitteldeutschland und Diakonie Baden unterstützen die Initiative ebenso wie etwa die Lippische Landeskirche und das Diakoniewerk Essen oder die Diakonie Mark-Ruhr. Auch die rheinische Kirche schließt sich "United4Rescue" an. Sie hat 100.000 Euro zur Verfügung gestellt und die Kirchengemeinden aufgerufen, in einer Sonderkollekte für das Vorhaben zu sammeln.

"Man lässt keine Menschen ertrinken", stellt der rheinische Präses Manfred Rekowski gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) klar. Die Kirchen dürften nicht in den Modus der Gleichgültigkeit verfallen, wenn im Mittelmeer gestorben wird. "Dass Menschen, die zu uns gehören, punktuell diese Haltung nicht teilen, müssen wir in Kauf nehmen."

Das Bündnis "United4Rescue" geht auf eine Initiative der EKD zurück, die eine entsprechende Resolution des evangelischen Kirchentags im Juni 2019 in Dortmund aufgegriffen hatte. Um das Projekt gibt es in- wie außerhalb der Kirche heftige Diskussionen.

Setzt sich für Seenotrettung ein: EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm (Foto: epd/ EKD).

Setzt sich für Seenotrettung ein: EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm (Foto: epd/ EKD).

"Es geht nicht nur um ein Schiff"

Kurz nach Jahresbeginn erhielt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Morddrohungen. Er nehme diese Drohungen "nicht sehr ernst", erklärte er gegenüber Journalisten und werde sich weiterhin für die Seenotrettung engagieren.

"Es geht nicht nur um ein Schiff", betont er. "Es geht darum, die zivile Seenotrettung zu unterstützen, solange die europäischen Staaten ihre Pflicht schuldig bleiben, Menschen zu retten." Die Seenotrettung sei eigentlich eine staatliche Aufgabe, die endlich wieder aufgenommen werden müsse. "Wir dürfen aber nicht tatenlos warten, bis sich Europa geeinigt hat. Wir müssen jetzt handeln." Das sei ein "Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit".

Orange am Strand: Rettungswesten von geflüchteten Menschen sammeln sich an der Küste.

Orange am Strand: Rettungswesten von geflüchteten Menschen sammeln sich an der Küste.

Mehr Unterstützung für Südeuropa

Manfred Hoffmann, Leiter des Geschäftsfeldes Flucht, Migration und Integration bei der Diakonie RWL, appelliert in diesem Zusammenhang an die Bundesregierung, insbesondere südeuropäische Länder wie Griechenland in ihrer Flüchtlingspolitik zu unterstützen. "In den Lagern auf den griechischen Inseln herrschen menschenunwürdige Zustände", sagt er. Derzeit seien allein auf Lesbos 18.000 Flüchtlinge untergebracht.

Vor allem kranke Menschen, allein geflüchtete Jugendliche und Familien mit kleinen Kindern sollten im Rahmen eines Notkontingents in Deutschland aufgenommen werden, fordert der Migrationsexperte. "Daran könnte sich die nordrhein-westfälische Landesregierung mit einem eigenen Aufnahmeprogramm beteiligen", schlägt er vor und schließt sich damit der Forderung des Bundesfachverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. 

Mit ihren über 150 Flüchtlings- und Asylverfahrensberatungsstellen sowie Migrationsfachdiensten setzt sich die Diakonie RWL dafür ein, dass sich die Aufnahme und die gesellschaftliche Integration von Flüchtlingen an christlichen Werten und Menschenrechten orientieren.

Text: Reinhard van Spankeren/Sabine Damaschke; Fotos: Pixabay

Spendenkonto: Gemeinsam Retten e.V., KD Bank Duisburg, DE 93 1006 1006 1111 1111 93; Verwendungszweck: Diakonie RWL Verdoppelung
Ihr/e Ansprechpartner/in
Pfarrer Ulrich T. Christenn

Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten, Hoffnung für Osteuropa

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