1. April 2021

Osteraktion gegen Kinderarbeit

Schokohasen als Lebensmittelretter

Niedliche Schoko-Osterhasen füllen gerade jedes Supermarktregal. Doch kaum jemand weiß, dass der Kakao dafür in Kinderarbeit hergestellt wurde. Mit einer Backaktion macht "Brot für die Welt" jetzt darauf aufmerksam. In Kirchengemeinden verwandeln Ehrenamtliche unverkäufliche Schokolade des Fairhandelshauses GEPA in Schokobrötchen und -hasen. Diakonie RWL-Fundraiser Ulrich Christenn hat mitgemacht. 

  • Das Kaninchen der Familie Christenn sitzt neben einigen Schokoosterhasen in der Sonne
  • Die Mitarbeitenden der Bäckerei Schüren in Hilden zeigen Diakonie RWL-Fundraiser Ulrich Christenn die Schokohasen
  • Eine Palette mit Schokonikoläusen
  • Diakonie RWL-Fundraiser Ulrich Christenn zeigt die alten Schokonikoläuse und die frischen Osterhasen
  • Ein Mitarbeiter der Bäckerei Schüren in Hilden zeigt die neuen fair hergestellten Schokohasen.

Aus Nikoläusen Schokohasen machen – das klingt nach einer lustigen Osteraktion, die aber einen ernsten Hintergrund hat. Lässt sich beides tatsächlich in einer solchen Backaktion verbinden?

Nicht umsonst steht die Backaktion unter dem Motto "Süß statt bitter". Es macht Spaß, gemeinsam Lebensmittel zu retten, die sonst einfach im Müll gelandet wären. Gleichzeitig ist allen bewusst, dass hinter der Produktion und dem Handel mit Schokolade ein System der Ausbeutung steht. Ich habe in einer Bäckerei mitgeholfen, etwa 20 Kilogramm GEPA-Schoko-Nikoläuse, die unter fairen Bedingungen und ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, einzuschmelzen und zu Osterhasen umzugießen. Das hat Spaß gemacht.

Gleichzeitig erinnern gerade diese kindlichen Schokofiguren daran, dass bei der Produktion von Schokolade viele Kinder im Spiel sind, die sich diese Schokohasen niemals leisten können. Und darüber kommt man bei einer solchen Aktion leicht ins Gespräch. Das geschieht derzeit übrigens meistens per Video. Entweder backen die Teilnehmenden der Aktion in ihren eigenen Küchen und tauschen sich dann virtuell darüber aus oder sie machen es in sehr kleinen Gruppen in den Küchen der Kirchengemeinden.

Wie ist die Idee entstanden, mit einer Schoko-Backaktion auf ausbeuterische Kinderarbeit aufmerksam zu machen?

Das Fairhandelshaus GEPA in Wuppertal hatte mehrere Zehntausend Schoko-Nikoläuse auf Lager, die zu Weihnachten nicht verkauft werden konnten, aber noch bis August haltbar sind. Sie einfach wegzuschmeißen, wäre Lebensmittelverschwendung gewesen. 2.500 davon haben wir bekommen. "Brot für die Welt" setzt sich mit seinen Projekten schon lange für nachhaltige und faire Bedingungen in der Kakaoproduktion ein. So entstand die Idee, hier in Deutschland die Schokolade zu retten und gleichzeitig die Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Westafrika zu thematisieren.

In den Ostergottesdiensten der Evangelischen Kirche im Rheinland wird traditionell die Kollekte für "Brot für die Welt" gesammelt. Daher ist es ein guter Zeitpunkt, explizit auf die Situation der Kinder hinzuweisen. Da viele Gottesdienste aufgrund des Lockdowns digital stattfinden, wird die Kollekte online gesammelt.

Afrikanische Kinder verkaufen Waren auf dem Markt (Foto: Christoph Püschner/Brot für die Welt)

Erst ernten, dann auf dem Markt verkaufen - Kinderarbeit ist in Westafrika weit verbreitet. (Foto: Christoph Püschner/Brot für die Welt)

Wie sieht die Arbeit der Kinder auf den Plantagen aus?

Etwa 70 Prozent der globalen Kakaoernte kommt aus Westafrika, überwiegend aus Ghana und der Elfenbeinküste. Dort schuften rund zwei Millionen Kinder unter ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen auf Kakaoplantagen. Sie hantieren mit Macheten, bringen Pestizide aus, schleppen schwere Lasten und gehen daher nicht in die Schule.  Oft verkaufen sie auch noch Waren auf dem lokalen Markt. Die Kinder müssen mitarbeiten, damit ihre Familien überleben können, denn von einer in Deutschland für 89 Cent verkauften Schokolade kommen weniger als sechs Cent bei den Bauern an.

Wie hilft "Brot für die Welt"?

"Brot für die Welt" fordert gemeinsam mit vielen Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, dass in den weltweiten Lieferketten, zum Beispiel von Schokolade, keine ausbeuterische Kinderarbeit mehr vorkommen darf. Immerhin wird rund zehn Prozent der Kakao-Welternte in deutschen Fabriken zu Schokolade verarbeitet. Wird das Lieferkettengesetz vom Bundestag beschlossen, sind viele Unternehmen betroffen. Sie riskieren ab 2023 hohe Bußgelder, wenn sie die Risiken in ihren Lieferketten ignorieren. 

Doch wir brauchen auch höhere Preise für Kakao und damit ein gutes Einkommen oder existenzsichernde Löhne für Kakaobauern und Kakaobäuerinnen, um deren Kindern den Besuch der Schule zu ermöglichen. "Brot für die Welt" unterstützt die Menschen in seinen Projekten beim Kampf um faire Arbeits- und Lebensbedingungen sowie um Bildung. Und diese Arbeit braucht Unterstützung durch Spenden und Kollekten!

Das Gespräch führte Sabine Damaschke. Fotos: Ulrich Christenn

Ihr/e Ansprechpartner/in
Ulrich T. Christenn

Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten, Hoffnung für Osteuropa

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Das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten soll ab dem 1. Januar 2023 in Kraft treten. Es wurde bereits im Kabinett beschlossen und muss jetzt noch vom Bundestag verabschiedet werden. Zunächst soll es für die etwa 600 großen Firmen gelten, ab 2024 für insgesamt knapp 3.000 Unternehmen. Deren Sorgfaltspflicht soll für das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, für die Einhaltung von Arbeits- und Umweltstandards sowie für faire Löhne gelten. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Zwangsgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen. Das Bußgeld für schwerwiegende Verstöße beträgt bis zu 800.000 Euro. (epd)