24. März 2022

Haushaltsbeihilfen der Diakonie

Unterstützung, die Mut macht

Nach der Flutkatastrophe warten viele Familien auf staatliche Hilfen, um den Wiederaufbau ihrer vom Hochwasser geschädigten Häuser und Grundstücke stemmen zu können. Die Haushaltsbeihilfe der Diakonie kann während dieses Warteprozesses eine wichtige finanzielle Stütze sein. Renate Petry gehört zu den Menschen, die sie bereits erhalten haben.

  • Renate Petry steht in ihrem Gemüsegarten, der vom Hochwasser zerstört wurde.
  • Vom Hochwasser zerstörtes Beet in Renate Petrys Garten
  • Haus der Familie Petry mit Mühlrädern
  • Mühlrad am Haus der Familie Petry

Renate Petry steht inmitten ihres ehemaligen Gemüsegartens. "Er war perfekt, 15 Jahre organisch gewachsene Erde." Wo vor dem 14. Juli 2021 unter anderem Kartoffeln, bunte Salate zwischen Möhren, Zwiebeln und Bohnen wuchsen, zeigt sich immer noch die Zerstörungskraft des Hochwassers. Seit zwanzig Jahren wohnt Renate Petry mit ihrem Mann in der "Hammermühle", außerhalb des Eifelstädtchens Üxheim. Während das Wohnhaus den starken Strömungen des über die Ufer getretenen Ahrbaches standhielt, ist von der über viele Jahre gewachsenen und liebevoll gestalteten Außenanlage wenig übriggeblieben. 

"Das hier ist unsere verlorene Seite. Hier standen zahlreiche Obstbäume, Hochbeete sowie ein großes Gewächshaus - inmitten einer artenreichen Wildblumenwiese", erzählt sie. "Unsere 12 Hühner hatten hier ihren Auslauf. Nun ist all das weg." Auch von der gut ausgestatteten Werkstatt, die komplett überflutet wurde, gab es nicht viel zu retten. Im vollgelaufenen Keller befanden sich sämtliche eingeweckten Vorräte des Gartens und viele Dinge des alltäglichen Lebens. 

Da sich die meisten Schäden auf die Außenanlagen beziehen, kann die nicht elementar versicherte Familie eher nicht auf finanzielle Unterstützung aus dem Topf des Wiederaufbaufonds hoffen. Umso dankbarer sind Renate Petry und ihr Mann über die bereits gezahlte Haushaltsbeihilfe der Diakonie. "Die 5.000 Euro sind sehr viel Geld für uns, damit konnten wir schon einiges Notwendige ersetzen", freuen sie sich. 

Portrait Renate Petry

Renate Petry tat sich schwer damit, das Geld der Diakonie anzunehmen. "Andere hat es schlimmer getroffen", sagt sie.

"Hilfe anzunehmen war schwer"

Dass das Ehepaar Petry vom Hilfsangebot der Diakonie RWL und Diakonie Katastrophenhilfe erfuhr, verdankt es einem Zufall. Stephan Zöllner vom mobilen Fluthilfe-Team in Bad Neuenahr suchte nach der Flut eine Unterkunft in der Nähe des Ahrtals und stieß dabei auf die Biopension des Paares.

Angesichts der Situation vor Ort ermutigte Zöllner die beiden, die Hilfsgelder der Diakonie zu beantragen. "Es hat erst einmal Überwindung gekostet, um Geld zu bitten und es anzunehmen. Wir mussten uns eingestehen, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein", sagt Renate Petry. "Das war nicht leicht, da wir bisher unser Leben eigenständig gemeistert und alles aus eigener Kraft geschafft haben. Zudem haben wir uns immer gesagt, dass es genügend andere gibt, die es schlimmer getroffen hat und die Hilfe nötiger gebrauchen."

Karte auf dem Tisch

Mut zum Neuanfang: Diese Karte hat Renate Petry auf ihren Tisch gestellt.

Haushaltsbeihilfe macht Mut

Durch diese sensible Situation habe sie der Fluthilfeberater mit großem Feingefühl, Bedacht und Diskretion manövriert. Nie habe sie sich wie ein Bittsteller gefühlt, betont sie und findet es schade, dass die Hilfsangebote der Diakonie in den Außenbereichen des Ahrtals so gut wie nicht bekannt sind. "Wir sind nur drei Kilometer vom Ahrtal entfernt, aber die Hilfen kommen nicht bis hierhin."

Den Antrag auf Haushaltsbeihilfe hat Renate Petry mit Hilfe von Stephan Zöllner online ausgefüllt. "Alles ist sehr unkompliziert. Im Oktober haben wir den Antrag gestellt, im Dezember hatten wir das Geld", lobt sie. Was ihr besonders gut gefällt: "Auf dem Bewilligungsbescheid stand: 'Ihnen viel Kraft und Gottes Segen'. Da fühlt man sich als Person gesehen."

Haus und Auto stehen unter Wasser

Das Wasser stand im Haus der Familie Schemmel selbst im Erdgeschoss einen Meter hoch.  Der Schaden an Gebäude und Hausrat ist enorm.

Wenn das Leben wegschwimmt

Viel Kraft braucht auch Christine Schemmel für den Wiederaufbau. Im knapp 300 Quadratmeter großen Haus, in dem die Ärztin mit Ehemann, Kindern und ihrer 87-jährigen Mutter in Erfstadt-Kierdorf wohnte, stand das Wasser im Erdgeschoß einen Meter hoch, Souterrain und Keller wurden komplett geflutet.

Auf 500.000 Euro wird allein der Schaden am Gebäude geschätzt, die gleiche Summe kommt noch einmal für Hausrat hinzu. "Das Lebenswerk meiner Eltern – weg." Kein Möbelstück ist der fünfköpfigen Familie geblieben. Nicht  die geliebte Märklin- und Teddybärensammlung, auch nicht Uhren, Schmuck, Kleidung, Handarbeiten, Fotoalben mit Baby- oder Hochzeitsbildern. Alles ist weg. "Man kann es nicht beschreiben, wenn das Leben auf einmal wegschwimmt", versucht Christine Schemmel das traumatische Ereignis in Worte zu fassen.

Auch wenn die Familie die wichtigsten Dokumente und einen Laptop mit Bildern ab 2009, Autos und ihre zwei Kaninchen retten konnte – nach der schicksalshaften Nacht ist nichts mehr wie es war. "Wir haben pure Existenzangst", konstatiert die Medizinerin, die mit ihrem Mann zusammen eine Praxis führte. 

Andrea Schnackerts sitzt am Laptop. Neben ihr steht Flutopfer Christine Schemmel

Andrea Schnackerts (rechts) vom mobilen Fluthilfe-Team in Erftstadt hat Christine Schemmel beim Beantragen der Haushaltsbeihilfe unterstützt. Die Ärztin musste ihre Praxis aufgeben.

Neuer Job statt Arztpraxis

Die beiden Mediziner haben die Selbstständigkeit aufgegeben und arbeiten nun im öffentlichen Dienst beziehungsweise der Bundeswehr. "In unserem Alter haben wir keine Chance mehr, das Geld für den Wiederaufbau alleine zu erwirtschaften, ohne Hilfe geht es nicht", gibt die 58-Jährige zu.

Die Hilfe manifestierte sich in ihrem Fall in Gestalt von Pfarrerin Gesa Franke, die sich gleich nach der Flut die Gummistiefel anzog und regelmäßig durch die betroffenen Straßenzüge ging, immer auf der Suche nach Menschen, die Hilfe brauchen. Sie war es auch, die Familie Schemmel auf die Haushaltsbeihilfe der Diakonie aufmerksam machte und an Andrea Schnackertz von den mobilen Flutberatungsteams verwies.

Die bereits ausgezahlten 5.000 Euro wird die Familie überwiegend für Möbel ausgeben. Denn im Juni, spätestens Juli wollen sie wieder in ihren eigenen vier Wänden wohnen, statt mit ihren letzten Habseligkeiten in blauen Müllsäcken von Unterkunft zu Unterkunft zu ziehen. "Wir können es alle kaum erwarten, wieder in unserem Haus zu sein." Doch bis dahin ist es noch ein steiniger Weg, den die Familie Dank der Diakonie jedoch nicht alleine gehen muss. 

Text: Sandra Fischer, Redaktion: Sabine Damaschke, Fotos: Sandra Fischer und privat.

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