30. Januar 2018

Fundraising und Fördermittel

Ein Jahr Service rund ums Geld

Seit einem Jahr gibt es bei der Diakonie RWL das "Zentrum Drittmittel, Fundraising und Quartiersentwicklung". Es berät Einrichtungen bei der Beantragung von Fördermitteln und gibt Tipps, wo öffentliche Gelder beantragt werden können. Rund 2.000 Anfragen haben Zentrumsleiter Ulrich Christenn und sein Team im vergangenen Jahr erreicht. 20 Millionen Euro wurden bei Stiftungen und Lotterien für Mitglieder der Diakonie RWL bewilligt.

Zentrumsleiter Ulrich Christenn

Schon lange werden bei Kirche und Diakonie Spenden eingeworben. Doch die traditionellen Methoden – das Sammeln mit Spendenbüchse, die Kollekte und der Überweisungsträger im Gemeindebrief – reichen längst nicht mehr aus, um damit größere Projekte zu finanzieren. Doch der Spendenmarkt ist riesig, das Internet spielt für das Fundraising eine immer größere Rolle und auch Stiftungsgelder und öffentliche Projektmittel gewinnen für soziale Projekte zunehmend an Bedeutung. Aber den Überblick zu behalten, wer was unter welchen Bedingungen finanziert, ist schwer.

Seit einem Jahr bietet Pfarrer Ulrich Christenn gemeinsam mit einem sechsköpfigen Team im "Zentrum Drittmittel, Fundraising und Quartiersentwicklung" Beratung und Hilfestellung beim Beantragen von Fördergeldern an. Die gibt es etwa zu Lotteriemitteln, Kollekten, aber auch zu Stiftungen, Spenden für Brot für die Welt oder die Diakonie-Sammlungen. Jetzt hat das Zentrum eine erste Bilanz seiner Arbeit gezogen und Zahlen vorgelegt.

Projekte möglich machen

"Wir wollen dabei helfen, die guten Ideen und Visionen von Mitgliedern jenseits der Regelfinanzierung möglich zu machen", sagt Ulrich Christenn. So wurden zum Beispiel bei der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW im Jahr 2017 für Mitglieder der Diakonie RWL 8,2 Millionen Euro an Zuschüssen bewilligt. Das ist fast eine Million mehr als im Jahr 2016. Auch die Zuschüsse vom Deutschen Hilfswerk – der ARD-Fernsehlotterie – sind im Vergleich zum Vorjahr um eine halbe Million angestiegen.

"Im vergangenen Jahr konnten wir im Bereich der Lotteriemittel mehr Anträge bearbeiten", resümiert Ulrich Christenn. Das seien erste Synergieeffekte. Er und sein Team von sechs Mitarbeiterinnen, die vorher in den einzelnen Handlungsfeldern tätig waren, beraten die Mitglieder gemeinsam im neuen Zentrum. "Wenn wir nach langwierigen Beratungsprozessen Geld bekommen, ist das ein tolles Gefühl." Andererseits sei es möglich, wenn ein Antrag bei der einen Stiftung nicht gefördert wird, zu überlegen, wo man das Geld an anderer Stelle beantragen könne.

Die Kollekten unterstützen diakonische Projekte.
Foto: Burkard Vogt / pixelio

Kollekten stabil

Mit insgesamt 1,5 Millionen Euro an Kollekten der rheinischen und westfälischen Kirche konnten rund 950 Anträge von Mitgliedern zur Förderung von diakonischen Projekten wie Begegnungsstätten für alte Menschen, Arbeitsloseninitiativen oder Zuschüsse für Urlaube unterstützt werden. Mehr als 100.000 Euro gingen in Projekte für Frauen in Not, zum Beispiel an werdende Mütter, die Geld für eine Baby-Erstausstattung benötigen.

Unterstützt wurden auch Kirchengemeinden, die Mittagstische für Bedürftige anbieten oder Inklusionsprojekte. Dort finanzierten die Träger mit den Kollektengeldern unter anderem Selbstbehauptungstrainings oder Gebärdendolmetscher. "Die Kollekten sind relativ stabil und eine wichtige Säule für diakonische Arbeit in Rheinland, Westfalen und Lippe", so Christenn.

Diakoniesammlungen – seit 60 Jahren von Tür zu Tür

Knapp 1,7 Millionen Euro an Spenden für diakonische Zwecke kamen im vergangenen Jahr im Rahmen der Diakoniesammlungen zusammen. "Die 400 aktiven Gemeinden im Verbandsgebiet unterstützen wir mit Sammlungsmaterial und pflegen den Kontakt", so der Fundraiser. Insgesamt engagieren sich rund 7.000 Aktive in Rheinland, Westfalen und Lippe für die Diakoniesammlung. Eine Tradition, die es seit 60 Jahren gibt.

Sechs Millionen Euro an Spenden erhielt die Diakonie Katastrophenhilfe aus der Region.
Foto: Diakonie Katastrophenhilfe

Fundraising betreibt das Zentrum auch für die Ökumenische Diakonie – dazu gehören "Brot für die Welt", die Diakonie-Katastrophenhilfe, "Hoffnung für Osteuropa" und "Kirchen helfen Kirchen". Insgesamt kamen 10,75 Millionen Euro für "Brot für die Welt" an Spenden und Kollekten im Gebiet der drei Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe zusammen. Die Diakonie RWL macht hier Öffentlichkeitsarbeit und betreut die Spender.

Sechs Millionen Euro erhielt die Diakonie Katastrophenhilfe an Spenden aus der Region. Mit den Geldern konnte unter anderem dringend notwendige Hilfe in Somalia, Äthiopien, Kenia und im Sudan finanziert werden. Hierfür leistete der gemeinsame Spendenaufruf mit "Verdoppelungsaktion" der drei Landeskirchen und der Diakonie zu Gunsten der Hungerhilfe in Ostafrika einen großen Beitrag. Innerhalb weniger Tage kamen im Sommer 2017 mehr als 750.000 Euro zusammen, gespendet von diakonischen Einrichtungen, Kirchengemeinden und Privatpersonen.

Das Fundraising in der Diakonie RWL soll ausgebaut werden.
Foto: Harald Reiss / pixelio

Fundraising wird ausgebaut

Auch die diakonischen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland sollen künftig stärker vom Fundraising profitieren. "Derzeit konzentriert sich das Zentrum stark auf das Thema Drittmittel", erklärt Ulrich Christenn. "Doch für unterfinanzierte diakonische Arbeitsbereiche wie Frauenhäuser, Bahnhofsmission oder das Engagement für Obdachlose gewinnt das Fundraising immer mehr an Bedeutung."

Initiativen müssten sich hier immer wieder darum kümmern, wie befristete Projekte aus welchen Töpfen weiter finanziert werden können, beobachtet der Zentrumsleiter. "Das ist für die Verantwortlichen oft sehr anstrengend." Für innovative Projekte oder neue Problemfelder der sozialen Arbeit fehle oft eine gute staatliche Grundfinanzierung. Spenden werden immer wichtiger. "Im Bereich Fundraising werden wir die Mitglieder in Zukunft stärker unterstützen", verspricht Ulrich Christenn.

Text: Sabine Portmann, Teaserfoto: Harald Reiss / pixelio

Ihr/e Ansprechpartner/in
Ulrich T. Christenn
Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten
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