10. Dezember 2020

Fundraising

Praktische Tipps im Förderdschungel

Damit aus einer innovativen Idee ein soziales Projekt wird, vermittelt das Zentrum Drittmittel und Fundraising der Diakonie RWL den passenden Fördertopf. Die Mitarbeitenden kennen sich aus im Förderdschungel von Soziallotterien, Stiftungen und öffentlichen Geldern. Mit praktischen Tipps und Tricks zur Antragstellung konnten schon viele Projekte gegen soziale Benachteiligung verwirklicht werden. Drei Mitglieder berichten, wie sie mit Unterstützung der Diakonie RWL ihre Visionen umsetzen konnten.

"Um die Beratung durch die Diakonie RWL kommt man beim Thema Fördermittel nicht drum herum", sagt Stefanie Frings vom Diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen lachend. Denn zumindest bei der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Aktion Mensch ist eine Prüfung des Konzeptes durch den jeweiligen Landesverband verpflichtend. Stefanie Frings war zunächst etwas skeptisch, ob ein weiterer Akteur nicht alles komplizierter macht.

Aber heute, nach mehreren erfolgreichen Anträgen, ist sie froh, dass noch mal jemand von der Diakonie RWL über den Projektantrag schaut. Sie schätzt die Erfahrung der Fördermittel-Experten im Team von Zentrumsleiter Ulrich Christenn. "Da kann man mit dem richtigen Konzept für eine Idee manchmal noch ein bisschen mehr Geld rausholen", so Frings. Und Ideen hat sie viele. Zum Beispiel, was Menschen mit Behinderungen im digitalen Zeitalter brauchen.

Das Geld für die Digitalisierung in diakonischen Einrichtungen fehlt in der Regelfinanzierung oft. (Foto: Pixabay)

iPhone statt Talker

So hat sie bei der Aktion Mensch im Rahmen des Programms "Internet für alle" schon viele Anträge für bessere Internetverbindungen und mobile Endgeräte in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen gestellt. Jetzt schulen Studierende der Technischen Universität Dortmund die Bewohner gemeinsam mit den Mitarbeitenden. Gelernt wird, welche Möglichkeiten iPad und Handy  bieten. "Wenn Menschen mit Behinderungen zum Beispiel ihr iPhone auch als Talker nutzen können, sind sie viel mehr mittendrin", so Stefanie Frings. Denn der Talker als elektronische Kommunikationshilfe falle natürlich mehr auf als das Handy.

"Das Geld für die Digitalisierung in diakonischen Einrichtungen, die jetzt in Zeiten von Corona so wichtig ist, fehlt in der Regelfinanzierung oft", weiß Ulrich Christenn. Im Zentrum werden immer wieder neue Geldquellen gesucht und geprüft. "Zurzeit gibt es viele neue Mittel im Bereich Klimaschutz." Hier lohne es sich auch für diakonische Einrichtungen in die Zukunft zu investieren. Rund 950 Anfragen erreichen das Zentrum im Jahr. Insgesamt konnten so pro Jahr zwischen 14 und 17 Millionen Euro bei Stiftungen und Lotterien für die Mitglieder der Diakonie RWL vermittelt werden.

Das Zentrum Drittmittel und Fundraising der Diakonie RWL vermittelt den passenden Fördertopf, damit aus einer Idee ein Projekt wird. (Foto: Pixabay)

Projekt mit fünf Geldgebern

Nina Pohl ist eine Antragstellerin mit einem langen Atem und viel Geduld. Sie ist als Geschäftsführerin für  die inklusive Kita "Leben in Vielfalt" in Wuppertal-Barmen verantwortlich. Die Mehrheit der Kinder hat einen Förderbedarf. Das große Außengelände der Kita mit Blick auf Wuppertal war für die Kinder jahrelang nicht zu nutzen. Die nicht barrierefreie Hanglage machte Spielen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen unmöglich. Dank des Engagements der Geschäftsführerin, den Ideen einer Landschaftsarchitektin und den Fördertopfen, die die Diakonie RWL vermittelt hat, kann das Projekt im Januar 2021 starten. Es werden Spielstationen in der Natur mit Reptilien, Hochbeeten, ein Wasserlauf und Hecken entstehen. Alle sind auch für die Kinder mit Förderbedarf erreichbar.

Insgesamt fünf Fördergeber unterstützen den Umbau der Außenanlagen mit insgesamt 266.000 Euro – neben der Stiftung Wohlfahrtspflege auch noch mehrere kleinere Stiftungen. "Die Diakonie RWL hatte hier immer wieder neue Ideen, wer vielleicht noch Geld dazu schießen könnte", berichtet Nina Pohl. Wenn mal ein Antrag nicht geklappt habe, wurde eine neue Finanzquelle gesucht. Das Expertenwissen der Diakonie RWL, welche Stiftung gemeinsam mit anderen Geldgebern fördert, habe sehr geholfen. "Da wäre ich alleine nie drauf gekommen", sagt Nina Pohl.

Ralf Ramacher ist Dozent am Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland. (Foto: privat)

Wegen Corona verschoben

Ralf Ramacher stellt schon seit 1995 Förderanträge bei der Diakonie RWL.  Dem Dozent am Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland liegt das Thema Inklusion am Herzen. In seinem mit 45.000 Euro durch die Aktion Mensch geförderten Projekt haben Menschen mit Beeinträchtigungen in Bonn Bänke gebaut, mit dem Ziel, diese in Fußgängerzonen aufzustellen. Sie wollten Menschen eingeladen, mit ihnen auf der Bank ins Gespräch zu kommen und den Passanten zuhören. "Denn Menschen mit Beeinträchtigungen haben eine hohe soziale Kompetenz", sagt Ramacher.

Die Bänke konnten noch gebaut werden, aber dann kam Corona und das Projekt liegt seitdem auf Eis. "Wir sind froh, dass die Aktion Mensch es uns ermöglicht, das Projekt zu verschieben", sagt Ralf Ramacher. Aber er ist flexibel und versucht jetzt möglichst viele digitale Angebote anzubieten. Der Antrag zur Finanzierung von Tablets und Schulungen läuft. Ralf Ramacher schätzt aber nicht nur die praktischen Tipps bei der Antragstellung, sondern auch die fachliche Rückmeldung aus den Fachabteilungen der Diakonie RWL zu seinen Konzepten und Ideen. Die Antragsberatung durch das Zentrum und die Beratung durch Fachreferentinnen aus den Geschäftsfeldern gehen Hand in Hand. "Das ist ein Plus".

Ulrich Christenn leitet das Zentrum Drittmittel und Fundraising.

Digitalisierung im Zentrum

"Wir sind dabei, mehr und mehr Abläufe im Zentrum zu digitalisieren", sagt Zentrumsleiter Ulrich Christenn. Er hat die Digitalisierung vorangetrieben und probiert immer wieder neue Module aus, die die Antragstellung erleichtern und transparenter machen. "Das macht alles einfacher, besonders die Kommunikation", so Christenn. Das ist auch die Erfahrung von Stefanie Frings, Ralf Ramacher und Nina Pohl. Die Stiftung Wohlfahrtspflege kommt aber noch nicht ganz ohne Papier aus. Und besteht sogar auf Papier mit unterschiedlichen Farben. Grünes Papier für einige Teile des Antrags zu organisieren sei im Lockdown eine echte Herausforderung gewesen, berichtet Stefanie Frings aus Recklinghausen. Zentrumsleiter Ulrich Christenn ist da zuversichtlich. "Das digitalisieren wir auch noch".

Text: Sabine Portmann, Foto Teaser: pixabay.de

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Ulrich T. Christenn

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