28. September 2017

Ernte-Dank-Kollekte für diakonische Arbeit

Hinsehen, hingehen, helfen
Zum Friseur gehen, etwas Gesundes kochen, mit dem Bus ans andere Ende der Stadt zur Wohnungsbesichtigung fahren - Wer arm ist, kann sich diese Kleinigkeiten oft nicht leisten. Viele Projekte in der Diakonie RWL helfen genau hier. Dafür wird am kommenden Sonntag in den Erntedank-Gottesdiensten der rheinischen Kirche gesammelt.
 
Alte Frau in billiger Kleidung beim Essen einer Suppe

Warme Mahlzeit in einem Treff für Obdachlose.
© Diakonie/Hermann Bredehorst

Mehr als 120 Projektanträge haben die Diakonie RWL erreicht, die aufzeigen, wo Armut die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindert. Familien können für die Jüngsten im Kindergarten die Essensbeiträge nicht zahlen, Jugendlichen sind die reduzierten Preise für Freizeiten zu hoch, Migranten fehlen die Mittel, um Passkosten zu übernehmen.

Die Diakonie RWL fördert Einrichtungen, die armen Menschen in solchen Situationen schnell und unbürokratisch helfen. Zudem unterstützt sie Schulungen und Projekte, die die Armutssensibilität bei ehrenamtlich Mitarbeitenden fördern. Mit Geldern aus der Kollekte der Erntedank-Gottesdienste werden in diesem Jahr knapp 100 Initiativen und Projekte von Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen unterstützt. In den vergangenen Jahren lag die Summe der Spenden zwischen 100.000 Euro und 140.000 Euro - je nachdem, ob der Erntedank-Termin in die Herbstferien fiel oder nicht. In diesem Jahr steht die Kollekte unter dem Motto "Hinsehen, hingehen und helfen".

Ein Fonds für schnelle, unbürokratische Hilfe

Einige Einrichtungen wollen mit dem Geld einen Fonds einrichten, damit sie mit Kleinbeträgen schnell und unbürokratisch helfen können. Zum Beispiel, um Obdachlosen einen Fußpflegetermine zu ermöglichen oder Fahrtkosten zu Wohnungsbesichtigungen zu übernehmen. Ein weiteres Thema sind Sozialbestattungen, wenn die Kommune die Beerdigungskosten für alleinstehende, arme Menschen bezahlt. Hier wird oft an allem gespart, so dass für Freunde und Bekannte kaum ein würdevoller Abschied möglich ist. Deshalb engagieren sich diakonische Einrichtungen und Kirchengemeinden mit Blumenschmuck oder einer Erinnerungsfeier.

Auch in Krankenhäusern ist Armut ein Thema. Es gibt Patienten, die längere Zeit behandelt werden und sich dann weder den Friseurbesuch noch Maniküre oder Pediküre leisten können. Mittel aus der Kollekte sollen hier in einer Klinik helfen. Eine andere Einrichtung will für psychisch Kranke eine Kochgruppe einrichten. Betreuung und Räumlichkeiten sind finanziert, die Lebensmittel müssten die Teilnehmer aber selbst bezahlen. Dafür fehlt den meisten aber das Geld. 

Lücke im Sozialstaat füllen

Diese Projekte und Initiativen zeigen auf, dass Diakonie und Kirche an vielen Stellen Lücken im Sozialstaat mit eignen Mitteln füllt. Es sind oft nur kleine Beträge, die aus Spenden, der Diakoniesammlung oder dem Klingelbeutel finanziert werden. In der Summe tragen diese Gelder aber dazu bei, dass die Folgen von Armut etwas gemildert werden. Eine Praxis, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wird, aber dennoch eine wichtige Aufgabe von Christinnen und Christen ist.

Gleichzeitig ist es aber auch ein Auftrag für Kirche und Diakonie, in der Öffentlichkeit und auf politischer Ebene auf diese Missstände aufmerksam zu machen und die Stimme für die Stummen zu erheben. Diese Lobbyarbeit für die armen Menschen gehört mit zu den Aufgaben der Diakonie RWL. 

Text: Ulrich T. Christenn

Wer am Sonntag nicht im Gottesdienst ist, kann auch online die Kollekte unterstützen:
www.ekir.de/.../kollektenplan

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Ulrich T. Christenn
Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten
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