22. August 2017

Diakonisch im Ausland: Danuta Sacher

Menschen helfen, ihr Leben zu gestalten

Sie unterstützt Kleinbauern in Lateinamerika mit ökologischen Landwirtschaftsprojekten und hilft ihnen, für ihre Rechte zu kämpfen. Danuta Sacher arbeitet schon seit vielen Jahren in der Entwicklungshilfe. Im letzten Teil unserer Sommerreihe erzählt die Abteilungsleiterin von "Brot für die Welt", wie sie Menschen dabei unterstützt, aus der Armut und Rechtlosigkeit herauszufinden.

Portraitfoto

Danuta Sacher

Was gefällt Ihnen daran, bei "Brot für die Welt" zu arbeiten? 

Dort blicken wir mit der Perspektive der Benachteiligten auf die Welt. Das ist etwas Besonderes. Ich war fast immer in der evangelischen Entwicklungsarbeit tätig und konnte dabei alle Facetten der Zusammenarbeit im In- und Ausland kennenlernen. Als Projektleiterin in Zentralamerika, als Verantwortliche für Kampagnenarbeit und jetzt als Abteilungsleiterin für Lateinamerika und die Karibik. Ich bin täglich mit viel Unrecht konfrontiert, aber unsere Arbeit bei "Brot für die Welt" ermöglicht es, gemeinsam Antworten darauf zu finden und daran mitzuarbeiten, die Situation der Menschen in den Ländern des Südens zu verbessern. Viele Menschen konnten durch unsere Projekte aus der Armut herausgeholt werden. Gleichzeitig beobachten wir heute, dass die weltweite Ungleichheit wächst und natürliche Lebensgrundlagen bedroht sind.

Sie betreuen mit Ihrem Team die Projektpartner von "Brot für die Welt" in Lateinamerika. Wie wichtig sind diese Partner für Sie?

Wir arbeiten bei Brot für die Welt immer mit lokalen Partnern zusammen und leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Dieses Prinzip ist uns sehr wichtig. Entwicklung geschieht dadurch, dass Menschen sich bewegen. Sie verändern sich und ihre eigene Gesellschaft. Entwicklung beginnt über die Köpfe und Herzen der Leute. Wir haben rund 350 Partner in Lateinamerika und der Karibik. 

Bauern auf dem Salatfeld

Der Kleinbauer Saturnino Sulca Najaro und seine Frau Beatriz haben sich auf agroökologischen Gemüseanbau spezialisiert und werden dabei von der Partnerorganisation Chirapaq in Peru unterstützt.  (Foto: Christof Krackhardt)

Was sind die vordringlichen Probleme, mit denen Menschen in Lateinamerika zu kämpfen haben?

Viele unserer Partner berichten uns vom Verlust der Vielfalt von landwirtschaftlichen Produkten und den Folgen des Klimawandels. Ein Schwerpunkt der Arbeit von "Brot für die Welt" ist deshalb die Ernährungssicherung. Kleinbauern und ihr Land sind in Lateinamerika besonders durch die industrielle Landwirtschaft bedroht. Auf riesigen Flächen werden Produkte für den Export, wie zum Beispiel Soja angebaut. Der Bergbau hat in den letzten 15 Jahren unglaublich zugenommen. Auch für Infrastrukturprojekte wie Staudämme oder Straßen wird Land gebraucht. 

Wie genau helfen Ihre Projektpartner den Kleinbauern?

Mit ökologischen Landwirtschaftsprojekten unterstützen wir die Bauern, die Ernte ohne Chemie zu verbessern. Damit sie die eigene Familie ernähren können, aber auch die Überschüsse auf den regionalen Märkten verkaufen können. Unsere Projektpartner greifen da ein, wo lokale Politik versagt. Und wir helfen den Bauern, sich besser auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. 

Bäuerin und Pfarrer sitzen auf dem Feld - im Gespräch. Im Vordergrund Wachleute mit Pistolen

Nur mit Personenschutz wagt sich Pfarrer José Pilar Alvarez Cabrera noch in die Granadillas-Berge in Guatemala. Weil er für den Erhalt der Nebelwälder kämpft, wird er mit dem Leben bedroht. Er koordiniert bei der Ev.-Luth. Kirche Guatemalas (ILUGUA) die Programme für nachhaltige Landwirtschaft mit Kleinbauernfamilien. (Foto: Thomas Lohnes)

Sie unterstützen die Kleinbauern auch dabei, sich gegen die Aufkäufe ihrer Ländereien zu wehren und ihre Rechte wahrzunehmen. In Lateinamerika sind viele Staaten inzwischen Demokratien. Warum ist das noch ein Thema?

In vielerlei Hinsicht sind die Demokratien in Lateinamerika sehr labil. Es ist bestürzend, wie stark die Menschenrechte in Südamerika immer noch verletzt werden. Die Vereinten Nationen haben darauf hingewiesen, dass insbesondere die Personen und Gruppen betroffen sind, die traditionelle Landrechte und Umwelt gegen das Vordringen großer Plantagen und des Bergbaus verteidigen. Sie werden bedroht und diffamiert. Leider kommt es immer wieder auch zu Morden, so 2016 an der indigenen Aktivistin Berta Cáceres in Honduras. In manchen Ländern Lateinamerikas wird die Anzahl ziviler Opfer mit der in Kriegssituationen verglichen. In Mexiko gibt es außerdem mehr als 30.000 Verschwundene. Die Menschen stehen dem schutzlos gegenüber. Verantwortlich sind die organisierte Kriminalität, aber auch korrupte Politiker. 

Bei welchen Projekten erleben Sie besonders häufig Menschenrechtsverletzungen? 

Im ländlichen Raum stehen besonders unsere Projekte unter Druck, die sich für den Erhalt des eigenen Lebensraumes einsetzen, und die indigenen Völker, die für ihre Existenzrechte kämpfen. Aber auch Kleinbauern, die sich gegen unvorteilhafte Aufkäufe ihres Landes wehren, erleben nicht selten Gewalt. In Ländern wie Guatemala und Haiti gibt es weiterhin Hunger und Zehntausende unterernährter Kinder, als Ergebnis unverantwortlicher Regierungspolitik gegenüber den Armen ihrer Länder.

Seit über 25 Jahren arbeiten Sie bei "Brot für die Welt" und fahren mindestens zweimal im Jahr nach Südamerika. Was gehört zu den Höhepunkten Ihrer Arbeit?

Als die bescheidene Aktivistin für die Rechte der Indigena, Rigoberta Menchú aus Guatemala, den Friedensnobelpreis erhalten hat. Das hat mich wirklich bewegt. Da kam in den 90er Jahren sehr viel in Bewegung für die Mayas. Heute sieht man sie an den Universitäten. Sie sind relevanter Teil der Gesellschaft und nicht mehr nur Bedienstete. Es hat gezeigt, dass, wenn viele sich an verschiedenen Stellen auf den Weg machen, das Undenkbare denkbar wird. Bewegt war ich auch, als die Generalversammlung der Vereinten Nationen Wasser als Menschenrecht anerkannt hat. Dafür haben viele Menschen an vielen verschiedenen Orten gemeinsam gekämpft. 

Lachende Frauen in der Küche

Claudia Peña macht eine Ausbildung zur Bäckerin. Die Partnerorganisation SSPAS unterstützt Jugendliche aus Problemvierteln in San Salvador.  (Foto: Kathrin Harms)

Was hat „Brot für die Welt“ in Lateinamerika verändert?
Millionen von Menschen, die wir mit unseren Projekten erreicht haben, haben wir neue Lebenschancen eröffnet. Sie konnten durch „Brot für die Welt“-Projekte den Hunger und manches Unrecht überwinden. Wir konnten mit dazu beigetragen, dass sie Zugang zu gesundheitlicher Versorgung und Bildung erhalten. Gleichzeitig bündeln wir die Erfahrungen unserer Partner und machen in ihrem Sinne mit unserer Öffentlichkeitsarbeit immer wieder auf weltweite Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Portmann
Presse- und Medienarbeit
Brot für die Welt
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