17. November 2017

Diakoniesammlung im Advent

Unterwegs für die gute Sache

Ab Samstag gehen mehr als 3.000 Sammlerinnen und Sammler in Rheinland, Westfalen und Lippe wieder von Tür zu Tür und bitten um Spenden für die diakonische Arbeit. Dieses Jahr steht die Adventsaktion unter dem Motto "hinsehen – hingehen – helfen". Silke Pelchen und Marianne Schmidt aus Münster haben als Sammlerinnen für die gute Sache jahrelange Erfahrung.

Silke Pelchen engagiert sich für die Diakonie-Sammlungen in Münster.

Im Gemeindebüro im Stadtteil Gremmendorf/Angelmodde in Münster organisiert Silke Pelchen die Diakonie-Sammlungen für den Vorort. Zum Start der dreiwöchigen Sammlungen, die am 18. November beginnen, können die sieben Sammlerinnen bei ihr die Sammellisten, Faltblätter mit Infos zu diakonischen Projekten und Sammelausweise abholen.

Manche nehmen auch die Diakonie-Postkarten mit adventlichen Motiven oder den Gemeindebrief mit. "Ein kleines Mitbringsel ist wichtig, damit man etwas in der Hand hat, wenn man an der fremden Tür klingelt", weiß Silke Pelchen aus Erfahrung. Sie hat zehn Jahre in ihrer Straße für Projekte der Diakonie gesammelt. Jetzt kümmert sie sich im Gemeindebüro um das Material für die Sammlungen.

Der direkte Kontakt mit den Menschen war ihr bei den Besuchen immer wichtig. Sie hat nicht nur an der Tür gesammelt, sondern sich auch mit in die Küche gesetzt, wenn die Leute sie in ihre Wohnung gebeten haben. Dabei fragen die Menschen auch nach den Diakonie-Projekten, die mit den Spenden finanziert werden: Trauercafes, Begleitung von Demenzkranken oder Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder. "Und es gab immer ein Dankeschön für den Besuch, wenn ich gegangen bin." 

Kommt langsam aus der Mode: die Sammeldose

Überweisungsträger statt Spendendose

Gesammelt wird in Rheinland, Westfalen und Lippe zweimal im Jahr, im Sommer und im Advent. Eine Tradition, die es schon seit über 75 Jahren gibt.  Insgesamt bekommen 300.000 Haushalte in Rheinland, Westfalen und Lippe Besuch von einer evangelischen Sammlerin oder einem Sammler. In den letzten Jahren sind dabei nach Angaben des Diakonie RWL-Fundraisers Ulrich Christenn jeweils rund 1,5 Millionen für Menschen in Not zusammen gekommen. Ehrenamtliche, die die Spenden an den Haustüren entgegennehmen, gibt es in den Gemeinden aber immer seltener.

Auch in Gremmendorf und Angelmodde ist das veränderte Spendenverhalten Thema. Jedes Jahr findet ein Dankeschön-Kaffeetrinken für die Sammlerinnen und Sammler statt, das die Kirchengemeinde organisiert. Dort tauschen die Ehrenamtlichen ihre Erfahrungen aus. "Wir sprechen auch darüber, dass man neue Formen für das Sammeln finden muss", sagt sie. "Wenn wir die Leute nicht antreffen, werfen wir einen Flyer mit einem Zahlschein und einem Gruß mit unserer Telefonnummer in den Briefkasten." Wer will, kann sich dann melden und einen Termin mit der Sammlerin vereinbaren. 

Höflich und fröhlich: Auf Postkarten kündigen die Sammlerinnen ihren Besuch an

Nachwuchsmangel bei den Sammlern

Denn das Sammeln an der Haustür wird immer schwieriger. Viele Familien sind tagsüber nicht zu Hause. Mittlerweile arbeiten die meisten Frauen und die Kinder sind länger in der Schule betreut. Außerdem haben immer weniger Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden Zeit, mit der Spendendose von Haustür zu Haustür zu gehen. "Unsere Sammlerinnen sind total engagiert", sagt die 56-jährige Silke Pelchen. Aber viele sind schon älter und Nachfolgerinnen zu finden ist schwierig.

Zwar versuchen die Ehrenamtlichen immer wieder, Mitglieder ihrer Gemeinde fürs Sammeln zu begeistern, doch das gelingt nur selten. Mit den Überweisungsträgern habe man aber auch gute Erfahrungen gemacht, räumt Silke Pelchen ein. Viele Menschen spendeten heute einfach lieber auf diese Weise für die diakonische Arbeit.

Marianne Schmidt sammelt seit den 70er Jahren für die Diakonie.

Gut zuhören

Bis zum letzten Jahr war auch die 79-jährige Marianne Schmidt in Münster-Angelmodde für die Diakonie von Tür zu Tür unterwegs. Die agile Rentnerin ist Mutter von vier Kindern und seit Anfang der 70er Jahre Sammlerin. "Das waren noch andere Zeiten", sagt sie rückblickend. Das Sammeln hat ihr immer viel Spaß gemacht. "Am Anfang war ich noch nicht so selbstbewusst, aber das hat sich schnell geändert", erzählt sie. Marianne Schmidt war und ist ein Gesicht der Gemeinde. "Ich kann gut zuhören", sagt sie. Zu vielen Menschen ist über die Jahre eine Beziehung gewachsen. Man kennt sich.

Bei den Besuchen schütten viele Ältere ihr Herz aus. Sie sprechen über Probleme mit dem Alleinsein nach dem Tod des Mannes oder Konflikte mit den Kindern. "Wen die Leute nicht kennen, dem geben sie auch nichts", so ihre Erfahrung. "Einige schimpfen auch über die Kirche und geben dann doch Geld für die Diakonie und sagen beim Rausgehen, bis zum nächsten Mal", erzählt sie.

Prost auf die gute Sache - Jeweils zwei Likörchen für Spenderin und Sammlerin zum Schluss. (Foto: Birgit H./pixelio.de)

Ein Likörchen zum Schluss

Manche Sammlungserfahrungen wird sie nie vergessen. Zum Beispiel eine ältere Frau, bei der sie immer zwei Liköre trinken musste. "Da bin ich dann am Ende des Tages vorbeigegangen", lacht sie.

Bald wird Marianne Schmidt 80 Jahre alt. Sie möchte einfach ein bisschen Zeit für sich und ihren Mann haben, deshalb hat sie im letzten Jahr mit dem Sammeln aufgehört. "Am Anfang habe ich es doch ein bisschen vermisst", gibt sie zu. Und wenn sie jetzt den Gemeindebrief verteilt, dann wollen die Menschen ihr immer wieder Geld für die Diakonie geben.

Text und Fotos: Sabine Portmann

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Ulrich T. Christenn
Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten
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