6. Juni 2018

Diakonie Katastrophenhilfe

Die vergessene Katastrophe der Rohingya

Fast ein Jahr nach dem Beginn der brutalen Vertreibung der Rohingya rückt die Diakonie Katastrophenhilfe ihr Schicksal wieder ins öffentliche Bewusstsein. Gemeinsam mit Caritas international startet die evangelische Hilfsorganisation wie jedes Jahr im Sommer die Aktion "Die größte Katastrophe ist das Vergessen".  Dabei steht die Krise einer muslimischen Minderheit im Vordergrund, die in der Öffentlichkeit wenig beachtet wird.

Eine Frau mit Baby steht vor einer Hütte

Vertrieben nach Bangladesh: die Rohingya

Ende August des vergangenen Jahres begann die massenhafte Vertreibung der Rohingya aus Myanmar nach Bangladesh. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt. Viele Rohingya erzählen von brutalen Massentötungen und Vergewaltigungen. "Etwa 700.000 Menschen der ethnischen Minderheit sind in kürzester Zeit nach Bangladesch geflohen", sagt Thomas Molitor, Projektverantwortlicher für Asien bei der Diakonie-Katastrophenhilfe.

Muslimische Rohingya ohne Rechte

In Myanmar werden die muslimischen Rohingya schon lange diskriminiert. Man habe ihnen quasi alle Rechte genommen, meint Molitor. Sie dürfen dort nicht die staatlichen Schulen besuchen und haben keinen Pass. Seit der massenhaften Vertreibung leben viele jetzt als Flüchtlinge in Bangladesch, das selbst eines der ärmsten Länder der Welt ist und Hilfe braucht. Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus Myanmar äußert sich zur Situation der Rohingya nicht. "Sie hält sich sehr zurück", so Thomas Molitor. "Dabei wäre es ihre moralische Pflicht als Friedensnobelpreisträgerin, hier klar Stellung zu beziehen. Die realpolitischen Verhältnisse in Myanmar machen es ihr jedoch auch sehr schwer."

Die Diakonie Katastrophenhilfe befürchtet, dass viele provisorische Hütten der Rohingya in den Flüchtlingscamps während der Regenzeit weggespült werden.

Provisorische Hütten in der Regenzeit bedroht

Die meisten Flüchtlinge in Bangladesch leben im Flüchtlingscamp Kutupalong nahe der Stadt Cox´s Bazar. "Wir befürchten, dass sich die Lage der Rohingya in den Flüchtlingscamps während der Regenzeit über die Sommermonate weiter zuspitzen wird und die provisorischen Hütten der Menschen einfach weggespült werden", sagt Thomas Molitor. In den Flüchtlingslagern dürfe man keine stabilen Behausungen bauen. "Ohne festes Fundament und solide Konstruktion werden viele Hütten beim nächsten Wirbelsturm wieder zerstört."

Doch stabile Unterkünfte sind für die Menschen sehr wichtig. Zudem leiden viele Flüchtlinge unter traumatischen Erlebnissen. Sie brauchen dringend psychosoziale Unterstützung. Ein Abkommen zur Rückkehr der Rohingya zwischen den Staaten Myanmar und Bangladesch wurde zwar vereinbart, es ist bisher allerdings nicht umgesetzt worden. Die Flüchtlinge haben Angst und verlangen Garantien und Bürgerrechte, bevor sie den Schritt nach Myanmar wagen.

Thomas Beckmann

Vergessene Katastrophen

Seit 2011 macht die Diakonie Katastrophenhilfe mit der Aktion "Die größte Katastrophe ist das Vergessen" auf Krisen und Katastrophen aufmerksam, die in der Öffentlichkeit und den Medien wenig bis gar keine Beachtung finden. "Krisen, die aber noch nicht vorbei sind", betont Thomas Beckmann von der Diakonie Katastrophenhilfe. Im vergangenen Jahr stand bei der Aktion im Sommer die Dürre und Hungersnot in Ostafrika im Fokus. Man habe gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen rechtzeitig den Finger in die Wunde gelegt. "Eine große Hilfsbereitschaft und die gerade noch rechtzeitige Intervention der internationalen Gemeinschaft haben dazu geführt, dass gemeinsam eine große Hungersnot in Ostafrika abgewendet werden konnte."

Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt die Flüchtlinge mit lokalen Partnerorganisationen.

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist mit lokalen Partnerorganisationen in dem Flüchtlingscamp in Bangladesch aktiv und unterstützt die Menschen unter anderem mit Lebensmitteln, Brennstoff und Kochgeschirr. Um die hygienische Situation und die Versorgung mit sauberem Wasser in dem Camp zu verbessern, bauen die Hilfsorganisationen Latrinen mit Abwassertanks und bohren Tiefbrunnen. Caritas Bangladesch hat bereits 2.260 Übergangsunterkünfte errichtet, weitere 2.300 sind geplant. Bisher konnten 400.000 Menschen mit den verschiedenen Hilfen der beiden  kirchlichen Werke erreicht werden.

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet auch die Kirchengemeinden in Rheinland und Westfalen, auf die Situation der verfolgten und vertriebenen Rohingya aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Sie stellt Kirchengemeinden dazu Plakate, Projektinformationen und Ideen für Gottesdienste zur Verfügung.

Text: Sabine Portmann,  Fotos: Emtiaz Ahmed Dulu / Hermann Bredehorst / Diakonie Katastrophenhilfe

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Sabine Portmann
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